zur Navigation springen

Besuch in Pinneberg : Youtube-Star „Dner“ macht den Schul-Check

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wieder einmal muss Pinneberg als Paradebeispiel herhalten – für eine ZDF-Reportage mit „Dner“ zur Bundestagswahl.

Pinneberg | Deutschlands marode Schulen – wieder einmal muss Pinneberg als Paradebeispiel herhalten. Nachdem Ulrike Graefen, Vorsitzende der Pinneberger Schulallianz, bereits in der RTL-Sendung „Stern TV“ über die verschleppte Schulbausanierung in ihrer Heimatstadt sprach, steht Pinneberg bei diesem Thema nun erneut bundesweit im Fokus: Felix von der Laden („Dner“), einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands, besuchte im Zuge einer ZDF-Reportage zur Bundestagswahl (voraussichtlich am Mittwoch, 20. September, im ZDF zu sehen) die Theodor-Heuss-Schule (THS) und die Grund- und Gemeinschaftsschule (GuGS) in der Kreisstadt – zwei Einrichtungen, die vom Sanierungsstau stark gebeutelt sind. Die THS ist seit mehr als zehn Jahren eine Baustelle.

„Dner“, der mit bürgerlichem Namen Felix von der Laden heißt, gehört zu den bekanntesten YouTubern Deutschlands. Seine Videos haben mehr als drei Millionen Menschen abonniert, 2,6 Millionen Menschen folgen ihm bei Instagram und 1,8 Millionen auf Twitter. Der 22-Jährige gewann in diesem Jahr den  Webvideopreis in zwei Kategorien und zudem den Bayerischen Fernsehpreis.

Doch die Aktion kommt bei einigen Politikern und allen voran Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) nicht an. Laut gut informierter Quellen soll Steinberg im Ältestenrat am vergangenen Montag angekündigt haben, gegen die beiden Schulleiter Matthias Beimel (THS) und Thomas Gerdes (GuGs) Disziplinarverfahren beim Land Schleswig–Holstein einzureichen. Besonders über Aussagen von Beimel in dem Video wie „Es ist anstrengend, hier Schüler zu sein“, „In den Ferien wird nicht gearbeitet, gearbeitet wird, wenn wir Abiturprüfungen machen“ und „Die große Politik verspricht im Moment viel, ich bin da skeptisch als Schulleiter“ haben Steinberg und die Kommunalpolitik großen Anstoß genommen.

Offiziell gibt die Verwaltungschefin sich allerdings schmallippig: „Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu persönlichen Angelegenheiten“, sagte sie gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg hält CDU-Fraktionschef Andreas Meyer: „Es werden nur die schlechten Seiten an der Schule gezeigt“, kritisiert er. So gebe es an der THS auch neue Chemie- und Physikklassenzimmer. Auch die Aula sei neu saniert worden. Die CDU wolle auf ihrer Website davon Bilder zeigen.

Angela Traboldt, Fraktionsvorsitzende der SPD, ist ebenfalls verschnupft: „Beimel erzeugt eine sehr negative Stimmung. Da muss er sich nicht wundern, wenn die Anmeldungen an der THS zurückgehen“, sagt sie. Für Joachim Dreher von der Fraktion Grüne und Unabhängige ist das Video „zu aufmacherisch“ und „youtubemäßig“. Gut findet er allerdings die Recherchearbeit im Vorfeld des Drehs, bei der auch die Grünen mit einbezogen wurden.

Petra Springer (Die Bürgernahen) räumte ein, dass in den vergangenen zehn Jahren durchaus etwas an der THS getan worden sei. Springer zeigt aber Verständnis für die Aktion. Werner Mende, Fraktionschef der FDP, hat das Video persönlich noch nicht gesehen, aber davon gehört und kann den Ärger verstehen. „Es ist übertrieben. Werbung für seine Schule macht er damit nicht. Ich weiß nicht, was ihn geritten hat.“

Von dem angekündigten Diziplinarverfahren hat THS-Leiter Beimel noch nicht gehört. Er kann den Unmut der Politik nicht verstehen: „Der Kontakt zu ‚Dner‘ kam von den Schülern. Ich finde es toll, dass junge Leute Interesse zeigen und sich engagieren“, sagte er. Darüber hinaus sei schon öfter von überregionalen Medien über den Sanierungsstau in Pinneberg berichtet worden. „Ich habe mich da komplett rausgehalten“, sagte GuGs-Leiter Gerdes. Er tritt im Video nicht auf, sondern gezeigt wird ein Treffen der Schülervertretung, die über Bildung über Deutschland debattiert. Aber: „Ich unterstütze die Aktion mit Haut und Haaren.“

So sieht es auch die Schulallianz: „Es ist sehr bemerkenswert, dass Teile der Politik die Benennung von Missständen kritisiert. Ich sehe die Kampagne des YouTubers als eine sehr wirkungsvolle Aktion“, sagte Graefen. Pinneberg sei exemplarisch für eine wirtschaftlich schwache Kommune mit zum Teil sträflich vernachlässigten Schulen. „Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Politik lösungsorientiert agieren würde, statt Menschen, die Missstände benennen, in die Kritik zu nehmen.“ In einer Demokratie müssten sich Betroffene zu Wort melden dürfen.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert