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„Wieder stirbt ein Stück Pinneberg“ : Wuppermansche Kochschule abgerissen

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Haus stand an der Ecke Moltkestraße/Am Drosteipark und war eines der ältesten in der Kreisstadt.

Pinneberg | In Pinnebergs Innenstadt wird derzeit kräftig gebaut. Dass dabei aber auch das ein oder andere historische Gebäude den Baggern zum Opfer fällt, stößt bei vielen Bürgern auf Kritik. Jüngster Aufreger: Die Wuppermansche Kochschule ist abgerissen worden. „Und wieder stirbt ein Stück Pinneberg“, sagt Astrid Budszus. Sie weist darauf hin, dass das Haus an der Moltkestraße eines der ältesten in der Kreisstadt war. Jetzt steht dort kein Stein mehr auf dem anderen.

Der Industrielle Herman Wupperman hatte im 19. Jahrhundert das Gebäude als Koch- und Haushaltsschule für die Familien seiner Fabrikarbeiter errichten lassen. Wupperman sorgte für die soziale Absicherung seiner Mitarbeiter durch freiwillige Zusatzleistungen und soziale Einrichtungen: Im ehemaligen Pinnebergerdorf ließ er ab 1891 Werkswohnungen bauen. Auch die Turnhalle Lindenstraße – heute als Ernst-Paasch-Halle bekannt – gehört zu den sozialen Leistungen von Herman Wupperman.

„Mehrfache Versuche, die Wuppermansche Kochschule zu retten, schlugen fehl“, berichtet Budszus. Dabei habe es eine Menge Vorschläge gegeben: Wie zum Beispiel das Gebäude als Bürgerhaus zu nutzen, einen Investor zu finden, der das Haus zu Informations -und-Internet-Räumen mit Café herrichtet. Fast hätte es mit dem Investor geklappt: Doch habe sie immer wieder gehört, dass so ein Café nicht zu den Hochhäusern passe, die dort in der Nähe stehen. Budszus sieht das anders: Die Hochhäuser passten nicht zu dem Café. „Von Seiten der Politik, Verwaltung, dem Bauamt und der Denkmalpflege kam keine Unterstützung – geschweige denn ein Aufschrei. Aber das ist ja nichts Neues“, sagt die engagierte Bürgerin.

Für einige Zeit war in dem Gebäude ein Restaurant untergebracht. Dann hat es lange Zeit leer gestanden. Das Relikt aus Pinnebergs goldenem Zeitalter ab Mitte des 19. Jahrhunderts weicht jetzt einem mehrstöckigen Neubau mit Wohnungen. 13 seniorengerechte Komfortwohnungen mit einer Größe von 64 bis 111 Quadratmeter sollen dort entstehen. Die Preise für die Wohnungen beginnen bei 192.000 Euro.

Alle Rettungsversuche für die Wuppermansche Kochschule schlugen fehl. (Foto: Erdbrügger/PT)
Alle Rettungsversuche für die Wuppermansche Kochschule schlugen fehl. (Foto: Erdbrügger/PT)
 

„Ich unterstütze die Lokale Agenda 21 Pinneberg und bin in der Gruppe Stadtentwicklung. Mir tut es leid, dass wir die alten Gebäude sträflich abreißen“, sagt Budszus. Bis zuletzt hat sie um den Erhalt der Wuppermanschen Kochschule gekämpft – vergeblich.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 12:15 Uhr

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