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Pinneberger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 16:06 Uhr

Sternenkinder : Würdevolles Abschiednehmen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Team des Regio-Klinikums in Pinneberg hilft Familien nach dem Schicksalsschlag. Jedes totgeborene Kind wird bestattet.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Morgen ist es ein Jahr her, dass der Bundestag Eltern die gesetzliche Möglichkeit eingeräumt hat, ihre totgeborenen Kinder auch dann standesamtlich eintragen und bestatten zu lassen, wenn diese bei ihrer Geburt weniger als 500 Gramm wogen. Eine Gestzesänderung, die Betroffenen hilft, diesen Schicksalsschlag besser zu verarbeiten, wie Dr. Stefan Geist, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Regio-Klinikum Pinneberg, während eines Gesprächs mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ole Schröder erläuterte.

Geist und seine Mitarbeiter betreuen jährlich zirka 20 Familien, deren sogenannte Sternenkinder bereits vor ihrer Geburt verstorben sind. Um den Familien einen würdevollen Abschied von ihrem Sternenkind zu ermöglichen, habe das geburtshilfliche Team des Regio-Klinkums ein einheitliches Verfahren festgelegt, um mit diesen Fällen umzugehen. „So können wir sicherstellen, dass jede Frau so gut wie möglich betreut wird, unabhängig davon, wer gerade Dienst hat“, sagte Geist. Birgit Buchloh, Leitende Hebamme der Klink, berichtete, dass sich der Umgang mit totgeborenen Kindern in den vergangenen Jahren sehr geändert habe. „Wenn einer Frau mitgeteilt wird, dass ihr Kind verstorben ist, schicken wir sie in der Regel zunächst nach Hause, damit sie in ihrem engsten Kreis beginnen kann, Abschied zu nehmen. Erst später werde die Geburt des toten Kindes eingeleitet. „Die meisten Frauen haben Angst davor, aber sobald die Geburt beginnt, fügen sie sich“, sagte Buchloh und berichtete, dass Frauen oft ihr Leben lang nach dem verlorenen Kind suchten, wenn sie die Geburt nicht mitbekommen hätten und keinen Abschied hätten nehmen können. Dies sei vor einigen Jahren nämlich noch nicht selbstverständlich gewesen.

Bereits seit mehr als sechs Jahren werde im Pinneberger Krankenhaus Wert darauf gelegt, dass Familien um ihre Sternenkinder trauern können. Den verstorbenen Kinder nehme man Fußabdrücke ab, damit den Eltern eine Erinnerung bliebe. Zudem ziehe man ihnen Kleider an und bahre sie auf, um den Verwandten einen Raum der Trauer zu geben. „Für die Angehörigen ist das sehr wichtig“, sagte Geist. „Alle Kinder, die bei uns sterben, werden beerdigt, selbst wenn die Eltern das zunächst nicht wünschen“, sagte Buchloh. In diesem Fall erhalte die Klinik Unterstützung durch die Bestattungsunternehmen im Kreis Pinneberg, die in einem solchen Fall die Kosten trügen. Geist sei über diese Hilfsbereitschaft der Bestatter sehr erfreut, denn es gebe Paare, die überfordert seien, wenn sie ihr Kind verlieren und sich der Situation zunächst nicht stellen wollen. Doch oft hätten auch sie später das Bedürfnis nach einem Ort, an dem sie Abschied nehmen können. Dass es einen solchen Ort gebe, sei eine Besonderheit der Pinneberger Klinik. Dass dieser Umgang mit Sternenkindern der richtige Weg sei, davon ist auch Geschäfstführerin Angela Bartels überzeugt: „Das zeigen uns die Frauen, die bei ihrem nächsten Kind wieder in unsere Klinik kommen, nachdem sie hier ein Sternenkind geboren haben.“

Seit dem 15. Mai 2013 können auch Sternenkinder standesamtlich eingetragen werden. Das sind Kinder, die vor der Geburt mit einem Gewicht von unter 500 Gramm sterben. Die Neuregelung ermöglicht auch die nachträgliche Eintragung von Kindern, die vor mehreren Jahren tot geboren wurden.
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