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Pinneberg : Wohnung für Obdachlose in miserablem Zustand

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Rathaussprecher Marc Trampe veranlasste auf Nachfrage des Pinneberger Tageblattes eine Prüfung der Wohnung.

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Die Lamellen-Jalousie ist defekt, der Fußboden verdreckt. Im Flur riecht die Luft modrig feucht. Der alte 80er-Jahre-Kühlschrank in der Küche ist von einer tiefschwarzen Schmutzschicht überzogen. Schimmel oder Dreck? Man weiß es nicht. Die Drei-Zimmer-Wohnung im Thesdorfer Weg in Pinneberg macht einen verwahrlosten Eindruck. Sie gehört zu drei Wohneinheiten mit neun Zimmern, in denen Obdachlose und Asylbewerber leben. Das Gebäude gehört der Stadt Pinneberg.

In der Dusche blüht der Schimmel. Die beiden Toiletten haben keine Deckel mehr und sind von sauberen sanitären Anlagen weit entfernt.

Eine Frau, die dort eines der Zimmer bewohnt, will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Äußern will sie sich aber schon. Wie sie den Zustand der Wohnung findet? „Das ist eine große Katastrophe.“ Sie verzieht das Gesicht. „Es ist sehr dreckig hier.“ Beschwert habe sie sich trotzdem nicht. Sie sei froh und dankbar, dass sie überhaupt ein Dach über dem Kopf habe. „Die Wohnungen hier in Pinneberg sind sehr teuer.“ In ihrem Zimmer hat die Frau alles sauber gemacht und sich ein gemütliches kleines Reich geschaffen. Doch tritt sie in den Flur, erwartet sie Gestank und Dreck. Das Gleiche im Bad. Einer der drei Räume steht derzeit leer. Die Bierflaschen vom letzten Bewohner stehen noch in der Ecke. Das Fenster ist mit Stoff abgehängt.

Rathaussprecher Marc Trampe veranlasste auf Nachfrage des Pinneberger Tageblattes eine Prüfung der Wohnung. Schimmelbefall sei dabei nicht festgestellt worden. Eine Gesundheitsgefahr gehe ebenfalls nicht von der Wohnung aus. Der Zustand entspreche den Anforderungen. Zudem seien die Bewohner für die Reinigung selbst verantwortlich. Woher der verdreckte Kühlschrank stamme, werde noch geklärt. Diesen habe die Stadt nicht zur Verfügung gestellt.

Zudem handele es sich um eine sogenannte „Schlichtwohnung“. Die Unterbringung erfolge meist sehr kurzfristig. „Man kann das nicht mit einer regulären Wohnung vergleichen. Die Anforderungen sind anders.“

Die Stadt sei angesichts der hohen Zuströme von Flüchtlingen auf jeden freien Wohnraum angewiesen und suche händeringend nach weiteren Möglichkeiten, die Menschen unterzubringen. Derzeit bringe die Pinneberger Verwaltung 155 Asylsuchende und 80 Obdachlose unter. Ende 2009 seien es insgesamt nur 80 Personen gewesen.

Regelmäßige Kontrollen der Unterkünfte der Stadt seien vom Personal nicht zu stemmen. „Unsere Kapazitäten sind begrenzt“, gibt Trampe zu. „Wenn es aber einen Verdacht auf eine Gesundheitsgefährdung gibt, gehen wir dem natürlich nach.“

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