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Lebenshilfe Pinneberg : Wohnkonzept für Behinderte gesucht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Lebenshilfe plant für Dienstag, 24. März, eine Ideenwerkstatt. Jedermann ist willkommen, mitzuarbeiten.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Pinneberg | Die Inklusion ist eines der großen Ziele, die sich die Gesellschaft auf die Fahnen geschrieben hat. Wörtlich übersetzt bedeutet dieses Wort: Zugehörigkeit. Und es soll sich gerade und vor allem auf Menschen beziehen, die aufgrund von körperlichen oder geistigen Behinderungen bislang am Rande standen. Doch wie sieht es um die Lebenswirklichkeit dieser Menschen aus, wie zum Beispiel um ihre konkrete Wohnsituation?

Eine Organisation, die mitten in diesem Thema steckt, ist die Lebenshilfe. Allein die Ortsvereinigung Pinneberg zählt 158 Mitglieder. Vor allem sind es Familien, die behinderte Angehörige haben. Mütter, Väter und Geschwister, die um die ganz besonderen Bedürfnisse ihrer Söhne, Töchter, Brüder und Schwestern wissen.

Die Pinneberger Ortsvereinigung hat sich jetzt ganz konkret des Problems des Wohnraums erwachsener Behinderter angenommen. „Die Zeit ist überreif“, sagt das ehrenamtliche Vorstandsmitglied in der Pinneberger Ortsvereinigung, Evelyn Jungermann. Das Thema Wohnraum brenne unter den Nägeln, fügt die Zweite Vorsitzende hinzu. Und dabei gehe es nicht allein um die Schaffung neuer, klassischer Betreuungsangebote, sondern vor allem um ein ganz neues Denken. „Um völlig neue Wohnideen für Menschen mit Behinderung“, sagt Jungermann. Damit die Inklusion nicht nur ein Schlagwort bleibt, sondern auch mit Leben gefüllt wird.

Aus diesem Grund hat sich bei der Pinneberger Lebenshilfe eine Arbeitsgruppe gebildet, die das Thema Wohnraum vertiefen und weiter voranbringen will. Denn es ist vielschichtig. Behinderte Menschen erreichen aufgrund der medizinischen Versorgung ein höheres Alter, aber die betreuenden Familienangehörigen werden auch älter.

Die neu gegründete Arbeitsgruppe der Pinneberger Lebenshilfe: Sie will sich um das Thema „Wohnraum für erwachsene Behinderte“ kümmern. (Foto: Flomm)
Die neu gegründete Arbeitsgruppe der Pinneberger Lebenshilfe: Sie will sich um das Thema „Wohnraum für erwachsene Behinderte“ kümmern. (Foto: Flomm)
 

Die Pinneberger Ortsvereinigung hat aus ihrem direkten Umfeld Stimmen gesammelt, die aus dem Leben sprechen. So berichtet Familie H. (Name aus Datenschutzgründen gekürzt) von ihrem 48 Jahre alten Sohn, einem fast therapieresistenten, geistig und körperlich behinderten Epileptiker, der noch bei seinen Eltern wohnt: „Wegen seiner epileptischen Anfälle und seiner Behinderung ist eine 24-Stunden-Betreuung unbedingt erforderlich.“ Diese aber können die Eltern aus Altersgründen nicht mehr lange leisten.

Eine seit 1998 alleinerziehende Mutter geistig behinderter Zwillingstöchter (20) fragt angesichts der Tatsache, dass die Mädchen aus Therapiegründen nicht zusammen wohnen sollen: „Wo bleiben Angebote unterschiedlicher Wohnformen, um der Individualität der behinderten Menschen gerecht zu werden?“

In Pinneberg gibt es am Hindenburgdamm ein Wohngruppenangebot mit 40 Plätzen, die derzeit renoviert werden. Jungermann und ihre Mitstreiter schätzen dieses Angebot, wissen aber, dass die Plätze nicht reichen und auch nicht jedem Einzelfall gerecht werden können. Von Fragen des Betreuungsschlüssels und teilweise langen Fahrten, wenn das Familienmitglied außerhalb des Kreises Pinneberg untergebracht ist, einmal ganz zu schweigen.

Familie M., die einen geistig behinderten und blinden Sohn (24) hat, sagt: „Eine angemessene Unterbringung muss familiennah sein sowie eine Versorgung und Betreuung ermöglichen, die sich an den behinderungsbedingten Erfordernissen orientiert. Auch unsere zum Teil sehr schwer behinderten Angehörigen haben ein Recht auf Lebensqualität und einen Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen können.“

Jungermann weiß: „Mit dem Problem des Wohnraums ist die Lebenshilfe nicht allein.“ Deshalb ist für Dienstag, 24. März, ein Treffen geplant, an dem sich Interessierte beteiligen können, um auch neue Wohnraumideen für erwachsene Behinderte zu entwickeln. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Werkstatt Eichenkamp in der Rellinger Straße 55 in Pinneberg. Wer sich schon zuvor einbringen möchte, kann sich unter Telefon 04101-406100 oder per E-Mail unter ov.pinneberg@lebenshilfe-online.de melden.
 

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