Streit in der Bogenstraße : Wohnhäuser in zweiter Reihe in Hasloh: „Jetzt hilft nur noch zu klagen“

Drei kleine Einfamilienhäuser sollen nach dem Willen des Bauherrn in zweiter Reihe entstehen.
Drei kleine Einfamilienhäuser sollen nach dem Willen des Bauherrn in zweiter Reihe entstehen.

Der Streit um die Errichtung von Wohnhäusern geht vor das Verwaltungsgericht in Schleswig.

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16. April 2018, 16:00 Uhr

Hasloh | „Dieser ganze Vorgang stinkt einfach zum Himmel“, ist der Hasloher Herbert Makowe überzeugt. Minutiös hat er zusammengetragen, wie ihm das Vorhaben, in der Bogenstraße in zweiter Reihe drei Einfamilienhäuser zu bauen, von der Gemeinde Hasloh verwehrt wurde. Eine Entscheidung, die Makowe nicht hinnehmen wird: Er hat beim Verwaltungsgericht Schleswig eine Klage gegen den Kreis Pinneberg als genehmigende Behörde eingereicht.

Der Reihe nach: Am 10. September 2015 reichte die beauftragte Stadtplanerin Dorle Danne einen Antrag zur Aufstellung einer Klarstellungssatzung bei der Quickborner Verwaltungsgemeinschaft ein. „Damit sollte überprüft werden, ob das Gelände Bauland ist“, erläutert Makowe. Gute zwei Monate später, am 17. November 2015, erhielt er Antwort: Einer Klarstellungssatzung bedürfe es nicht.

Nachbarin Mitglied im Bauausschuss

„Das ist die Bestätigung dafür, dass der Blockinnenbereich Bauland ist“, sagt Makowe, der diese Auskunft von seinem Rechtsanwalt erhielt. Allerdings: Eine Genehmigung für ein konkretes Bauvorhaben sei dies noch nicht. Daraufhin reichte Makowe am 26. April 2016 über das Architektenbüro Feldsien eine Bauvoranfrage ein.

„Es ist schon ein sehr merkwürdiger Zufall, dass genau einen Tag später die unmittelbare Anwohnerin des zu bebauenden Grundstücks, Eileen Rohrbach, – sie ist bürgerliches Mitglied der Hasloher SPD-Fraktion – plötzlich als festes Mitglied im Bauausschuss sitzt“, sagt der Hasloher. Und ergänzt: „Sie hat ganz massiv Stimmung unter den Nachbarn gegen das Bauvorhaben gemacht und eine Unterschriftensammlung dagegen gestartet“, berichtet Makowe, der zu diesem Zeitpunkt im Ausland war und erst im Nachhinein erfuhr, was sich abgespielt hatte. Bekannte hätten ihm berichtet, dass Rohrbach sogar während einer privaten Geburtstagsfeier die Anwesenden aufgefordert hätte, auf der Liste zu unterschreiben.

„Wir kamen zurück und verstanden die Welt nicht mehr: Wir wohnen hier seit 40 Jahren und plötzlich werden Unwahrheiten verbreitet und wir als Feindbild dargestellt. Das ist so traurig“, sagt der Hasloher. Denn die Argumente, die ins Feld geführt worden seien, um gegen die Pläne zu werben, entbehren Makowes Ansicht nach jeglicher Grundlage: „Es wurde behauptet, dass die Baufahrzeuge die Straße kaputt fahren würden und die Anlieger das dann bezahlen müssten“, sagt Makowe. Auch demolierte Zäune und beschädigte Rabatten hätten angeblich in Kauf genommen werden müssen. „Und natürlich, dass kein Kind in unserer Straße mehr sicher leben könne“, sagt Makowe und schüttelt fassungslos den Kopf. Mehrere der Unterzeichner hätten zwischenzeitlich ihre Meinung geändert.

Kaum hatten er und seine Frau den Schock über die Animositäten verdaut, kam die nächste Hiobsbotschaft: „Plötzlich erhob die Gemeinde Einspruch und versagte unserem Bauvorhaben das gemeindliche Einvernehmen – obwohl wir bereits schriftlich vorliegen hatten, dass gebaut werden darf“, sagt Makowe, der dies für einen rechtswidrigen Beschluss hält.

Gerüchte und eine Unterschriftenliste

Alle Versuche seinerseits, Aufklärung mit Hilfe einer Versammlung der Nachbarn und einer Präsentation im Bauausschuss zu betreiben, nutzten nichts: Im November erhielt der ausgebremste Bauherr die Absage des Kreisbauamtes. „Dagegen klagen wir nun“, sagt Makowe.

Als weiteren möglichen Grund für die Haltung der Gemeinde sieht Makowe die Vermarktung des Baulands in der Neuen Mitte. „Ich kann verstehen dass die Gemeinde damit Geld einnehmen will, um die Sanierung der Schule zu finanzieren. Deshalb jedoch diesen Bauantrag abzulehnen, ist nicht nachvollziehbar“, sagt der Hasloher. Immerhin stehe im Baugesetzbuch in Paragraf 1a, dass bei der Genehmigung von Bauvorhaben „zur Verringerung der Inanspruchnahme von Flächen die Möglichkeiten der Entwicklung der Gemeinde insbesondere durch Nachverdichtung zu nutzen“ sei.

Das Bauamt vertrete dagegen die Ansicht, dass das Vorhaben „städtebauliche Spannungen“ auslöse. „Angesichts des Bedarfs an zusätzlichem Wohnraum und dem Vorrang der Nachverdichtung vor der Inanspruchnahme neuer Flächen dürfte es sich hier um eine Bevorzugung von Einzelinteressen handeln“, sagt Makowe. Auch das Argument, das seitens der Behörde vorgebracht wurde, dass sich die Häuser „nicht in die nähere Umgebung“ einfügten, hält Makowe für vorgeschoben: „Auf der anderen Seite der Bogenstraße gibt es genau so eine Stichstraße mit Häusern in der zweiten Reihe – und ein paar Meter weiter soll das nicht gehen?“, fragt er. Bis zu einer Entscheidung des Gerichts wird er sich jedoch noch gedulden müssen: Nach Informationen unserer Zeitung ist frühestens im Spätsommer mit einem Termin zu rechnen.

Klage liegt vor

Kreissprecher Oliver Carstens bestätigte am Freitag, dass eine Klage gegen den Bescheid vorliegt. „Zum laufenden Verfahren kann ich mich jedoch nicht äußern“, sagte Carstens.

Rohrbach wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen meinem Posten im Bauausschuss und diesem Bauvorhaben. Ich bin schon lange als Stellvertreterin dabei und wurde irgendwann gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Architektin mit meinen Fachkenntnissen den Sitz zu übernehmen“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Außerdem sei sie keineswegs die Initiatorin der Unterschriften-Liste gewesen, sie sei lediglich eine der Unterzeichnerinnen gewesen. „Die Nachbarn hatten mich um Rat gebeten, eben wegen meiner Fachkenntnisse“, betont Rohrbach. Sie bemängelt ihrerseits, dass Makowe nie im Vorwege seine Nachbarn über das Bauvorhaben informiert habe. „Ich habe auch nie gesagt, dass dort überhaupt nicht gebaut werden soll. Ich hätte mir wirklich eine andere Qualität der Kommunikation gewünscht.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Gunnar Schacht, dessen Sitz Rohrbach im Bauausschuss übernahm, erklärte gestern, dass die Initiative von ihm ausgegangen sei: „Ich habe aus beruflichen Gründen entschieden, den Sitz im Bauausschuss abzugeben. Der Vorsitz des Finanzausschusses war mir wichtiger.“

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