Wedel : Wohnanlage von Legionellen befallen

Jochen Steinkühler verteilte selbst Informationsmaterial über die Keime.
Jochen Steinkühler verteilte selbst Informationsmaterial über die Keime.

Die Konzentration sei mit bis zu 31 200 KBE (Kolonienbildende Einheiten) pro 100 Millilitern „extrem hoch“, die Benutzung der Duschen verboten.

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22. Oktober 2014, 16:00 Uhr

Wedel | Der Zettel an der Haustür sorgte am 9. Oktober für Verunsicherung bei den Mietern der Wohnanlage an der Ecke Rissener Straße/Möllers Park: Im Trinkwasser seien Legionellen festgestellt worden. Die Konzentration sei mit bis zu 31.200 KBE (Kolonienbildende Einheiten) pro 100 Millilitern „extrem hoch“, die Benutzung der Duschen verboten. Die Hausverwaltung Objektus GmbH reagiert sofort und lässt einen Tag später spezielle Filter in den Duschköpfen installieren. Die Nasszellen dürfen darauf hin wieder benutzt werden.

Legionellen sind Bakterien, die sich in warmen – aber nicht heißem – Wasser vermehren. Menschen infizieren sich über die Lunge – den Wasserneben in der Dusche einzuatmen ist daher wesentlich gefährlicher als das Wasser zu trinken. Die Erreger können die Legionärskrankheit auslösen, die zu einer Lungenentzündung führt und tödlich enden kann. Wasserleitungen müssen daher regelmäßig überprüft werden. Ab einer Konzentration von über 100 KBE schreibt das Gesundheitsamt eine Desinfektion der Wasserleitungen vor. Werden mehr als 10.000 KBE festgestellt, wird ein Duschverbot erlassen.

Anwohner Jochen Steinkühler fühlt sich beim Duschen immer noch nicht sicher. Er ärgert sich darüber hinaus, dass die Infozettel nur an der Eingangstür des Vorderhauses aufgehängt worden seien. „Ich habe dann selbst Kopien gemacht und sie im Haus verteilt“, so Steinkühler.

Frank Obernbichler von von der Firma Objektus kann keine Angaben machen, wo überall Zettel aufgehängt wurden. Nachdem die Legionellen bei der staatlich vorgechriebenen Routinekontrolle aufgefallen seien, habe man aber sofort reagiert. Ab dem 27. Oktober werde in der gesamten Anlage eine thermische Sanierung durchgeführt. „Dabei wird 70 Grad heißes Wasser durch alle Leitungen gepumpt – davon sterben die Keime sicher ab.“ Anschließend würden mehrfach Proben entnommen, um die Sauberkeit des Wassers sicherzustellen. Die Gründe des Befalls würden untersucht.

Gemeldet wurde der Befall beim Fachdienst Umwelt der Kreisverwaltung Pinneberg. Fachdienstleiter Holger von Thun betont ebenfalls, dass der Vermieter schnell und richtig reagiert habe. „Die Duschfilter stellen sicher, dass die Mieter nicht mit
Legionellen belastet werden.“ Der festgestellte Wert sei sehr hoch. Von Thun betont allerdings: „Es handelt sich um den gemessenen Maximalwert an einer Wasserausgabestelle. Das kann eine Dusche gewesen sein, die längere Zeit nicht benutzt wurde.“

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