Woher kommen die Millionen?

Sieht aus wie die Kommandobrücke eines Tankers: Der CTP-Bau an der Hauptstraße 12. Vogel (2)Das Haus von BI-Mitglied  Detlef Sternberg grenzt unmittelbar an den Neubau von CTP. Links ist die umstrittene Fahne zu erkennen.
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Sieht aus wie die Kommandobrücke eines Tankers: Der CTP-Bau an der Hauptstraße 12. Vogel (2)
Das Haus von BI-Mitglied Detlef Sternberg grenzt unmittelbar an den Neubau von CTP. Links ist die umstrittene Fahne zu erkennen.

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28. März 2013, 01:14 Uhr

Rellingen | Die "Kommandobrücke" der CTP-Zentrale - das Kürzel steht für Cargo TransPool sowie Capt. Thomas Pötzsch - an der Rellinger Hauptstraße 12 ist ein Akustikwunder. Die Atmosphäre ist gedämpft. Mitarbeiter telefonieren und arbeiten an High-Tech-Bildschirmen. Sie sind kaum wahrnehmbar. Gehen einem täglichen Job bei angenehmem, fürs Auge ausgetüfteltem Kunstlicht nach. Mittendrin auf dem Steuerstuhl: Kapitän Thomas Pötzsch. Reeder und Logistiker. Weltweit vernetzt. Sein Geschäft: der Transport und die Logistikdienstleistung für die Mineralienhändler. Aus China, Südafrika, Südamerika. In der Welt zu Hause.

Doch zurzeit erwehrt sich der Kaufmann und sturmerprobte Seemann mit A 6-Patent für Große Fahrt heftigem Gegenwind von Bürgern aus der Gemeinde Rellingen. Gemeint ist das Engagement der Mitglieder der am 9. Januar gegründeten "Bürgerinitiative für ein l(i)ebens wertes Wohnen in Rellingen".

Es sind meist Anwohner am Wiesengrund und Wiesenweg, die sich im ehemaligen Wohn- und seit 2009 umgewandelten "Mischgebiet mit nicht störendem Gewerbe" unwohl fühlen. Auch bedroht fühlen durch den massiven Baukörper in der Form eines Schiffes. Belästigt fühlen durch eine Fahnenstange samt Fahne, deren Lärmpegel das Lebens-Idyll unweit der Barockkirche trübe (wir berichteten).

Die BI-Sprecher sind Oliver Bock, Frank Humann und Detlef Sternberg. Ihre wichtigste Forderung, die sie während einer öffentlichen Sitzung an den Bauausschuss überreicht haben: "eine sofortige Lösungsfindung zur Beseitigung von Umweltbelästigung (Sicht, Licht, Lärm) durch den Neubau der Firma CTP". Einer ihrer weiteren Vorwürfe: Pötzsch mangelnde Gesprächsbereitschaft.

Kapitän Pötzsch lebt seit 19 Jahren in der Kommune Rellingen, der er viel von seinem Erfolg zurückgeben will. Die er mit seinem Engagement - genannt seien zwei großzügige Spenden für die Bürgerstiftung - voranbringen will. Weg vom Image einer Schlafstadt, weg vom Ruf einer Seniorengemeinde. Den Dorftratsch, der an jeder Ecke zu hören ist, nimmt er mit einem Schmunzeln wahr: Woher hat die Firma CTP soviel Geld, um sich in Rellingen mit insgesamt 6,5 Millionen Euro zu engagieren? Ist aus der Genealogie der 1931 gegründeten Firma abzulesen, dass durch die geschäftlichen Kontakte nach Fernost chinesische Triaden oder russische Oligarchen ihre Finger im Spiel haben? Steckt Geldwäsche dahinter? Ist CTP gar nicht mehr im Schifffahrtswesen tätig, sondern macht sein Vermögen durch Immobilien- und Grundstückshandel in Rellingen? Zum Verständnis: Die Firma CTP besitzt unter anderem Flächen an der Einmündung Hauptstraße/Tangstedter Chaussee, an der Tangstedter Straße, am Alten Markt (Schmidts Weinstuben), das Grundstück der alten Stellmacherei (Hauptstraße/Hamburger Straße), ein Areal an der Hauptstraße 73.

Ist es bloß eine Neid-Debatte? "Mit Neid umzugehen, hab ich gelernt", antwortet Pötzsch besonnen. Und gibt sich im gleichen Atemzug kämpferisch und selbstbewusst: Es gehe ihm um die Zukunft von Rellingen. Um Flächenentwicklung, um eine "Logistik-Insel", um etwas Großartiges innerhalb der Grenzen des eingezäunten Gebietes zu schaffen. Es gehe darum, so Pötzsch, "dass mit uns weitere kleinere und mittelständische Unternehmen gemeinsam Energien bündeln und so auch aus der Provinz heraus schlagkräftig mit den Großen der Branche in den großen Zentren der Weltlogistik mithalten zu können," legt der Kapitän unumwunden seine Karten offen. Und blickt in die Zukunft: "Wir wollen und müssen auf dem von uns eingezäunten Gelände weiteren zu uns passenden Büroraum bauen."

Wichtig sei ihm zu betonen, dass eine Gebietsentwicklung nie eine Vertreibung von Anwohnern bedeutet habe. "Es gab immer faire Offerten." In einem Brief an Politik und Verwaltung schreibt er: "Wir sind Logistiker, Reeder und Spediteure. Weltweit unterwegs. Wir sind keine Immobilienentwickler, auch keine Hedgefonds-Haie, keine Heuschrecken. Wir nehmen niemandem etwas weg." Pötzsch vergleicht sich mit der Mentalität eines Baumschulers: "Wir arbeiten für Generationen danach. Nach dem Motto: Erhalten. Ausbauen. Weiterführen."

Gegenüber dieser Zeitung gibt Pötzsch ohne Zögern zu, wie die Mechanismen des Geld Ein- und Ausatmens funktionieren: "Liegen Sicherheiten vor, können drei Millionen Euro, verzinst mit zwei Prozent, aufgenommen werden. Dafür können Sie acht Häuser kaufen, eine kleine Siedlung. Wir legen in der Gemeinde Rellingen Geld in Flächen an, um später bei möglichem Verkauf flüssig zu sein."

Um jegliche Zweifel an den Finanzierungsmodellen auszuräumen, biete er Detlef Sternberg, bis 2005 Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Südholstein, unmittelbarer Nachbar und BI-Aktivist, einen Blick in die Akten an. Und betont: "Wir haben Zoll und Finanzamt zu den turnusmäßigen, dass heißt regelmäßigen Prüfungen im Haus. Ansonsten sind unsere Bilanzen im elektronischen Bundesanzeiger einzusehen - für alle. So einfach ist das. Dennoch ist und bleibt natürlich Herr Sternberg herzlich eingeladen." Der Termin steht fest: Für Dienstag, 2. April, lädt Rellingens Bürgermeisterin Anja Radtke Vertreter der "BI für ein l(i)ebenswertes Wohnen in Rellingen" sowie Thomas Pötzsch, Chef der Firma CTP an der Hauptstraße, zum Dialog ins Rathaus ein. Während des nichtöffentlichen Treffens ab 19 Uhr sollen Lösungen ausgelotet werden, wie das Wohnen ohne "Sicht, Licht und Lärmbelästigung durch den CTP-Neubau" möglich sein kann. Radtke wird das Gespräch moderieren.

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