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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 23:31 Uhr

Pinneberg : WLAN für alle gefordert

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Joachim Dreher will ein flächendeckendes Bürgernetz in der Stadt einrichten. Asylbewerber sollen das Angebot auch nutzen.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 12:15 Uhr

Pinneberg | Wer viel im Internet unterwegs ist, weiß eine gute WLAN-Verbindung zu schätzen. Stabil, schnell und ohne Beschränkung – so macht Surfen Spaß. Geht es nach der Initiative Freifunk, soll es bald in vielen Städten auch Gratis-WLAN geben. Denn nicht jeder hat ein Smartphone mit einem mobilen Datennetz.

Einer der Verfechter dieser pfiffigen Idee ist der Pinneberger Joachim Dreher. Seine Vision: „Hot-Spots in ganz Pinneberg, so dass man sich in der ganzen Stadt ins Internet einwählen kann“, sagt Dreher und weist auf Städte wie Berlin und Hamburg hin, wo der Freifunk längst zum Einsatz kommt. „Momentan ist an über 800 Orten in Hamburg Freifunk verfügbar, in Deutschland über 10.000-mal. Dreher, heute in passiver Altersteilzeit, weiß, wovon er redet: Jahrelang hat er im kaufmännischen Bereich für den Computer-Konzern IBM gearbeitet.

Hinter dem Freifunk-Netzwerk steckt ein idealistischer Gedanke: Wer mitmacht, teilt seinen Internetzugang mit anderen – ohne Gegenleistung. Wer sich in den Freifunk einwählen will, muss in der Nähe eines Zugangspunkts einfach nur das WLAN anschalten. Ein Passwort braucht niemand. Jeder Nutzer im Freifunk-Netz stellt somit seinen WLAN-Router für den Datentransfer der anderen Teilnehmer zur Verfügung. Dreher denkt dabei auch an die Flüchtlinge in Pinneberg. Freifunk-Knoten in der Nähe von Asyl-Unterkünften und Sozialeinrichtungen würden ihnen die Möglichkeit geben, mit ihren Verwandten in der Heimat Kontakt aufzunehmen. Auch die Kaufleute könnten davon profitieren und den Kunden einen Vorteil bieten.

Wer mitmachen möchte, braucht einen handelsüblichen Router. „Die gibt es schon ab 15 Euro“, sagt der Pinneberger. Dieser Freifunk-Router mit einer modifizierten Firmware wird an den Router zu Hause angeschlossen. Die Firmware ermöglicht es, dass sich unterschiedliche Freifunk-Router untereinander absprechen und ein Mesh-Netz bilden. „Das muss man sich wie ein Spinnennetz vorstellen. Informationen werden von einem Punkt zum anderen übertragen“, beschreibt Dreher das System.

Bedenken bei den Bürgern

Doch es gibt auch Bedenken bei Bürgern, beim Freifunk mitzumachen: Der Grund ist die sogenannte Störerhaftung: Der Inhaber eines Internet-Anschlusses bekommt nämlich Ärger, wenn über seine Leitung beispielsweise illegal Musik heruntergeladen wird. So verzichten viele Wirte auf einen freien Internetzugang, weil sie Abmahnungen fürchten.

Dreher kann diese Bedenken jedoch aus der Welt räumen: Eine Sicherheitsmaßnahme ist die VPN-Verbindung. Die dient dem Schutz des Betreibers der Zugangspunkte. Wenn ein Freifunk-Nutzer unzulässiges Filesharing betreibt, taucht auf einer etwaigen Abmahnung dann nicht die IP-Adresse des WLAN-Gastgebers auf, sondern die des zentralen Freifunk-Zugangs. „Aber wer würde schon in der Stadt vier Stunden lang einen Film herunterladen“, gibt Dreher zu bedenken, zumal die öffentlich freigegebenen Bandbreiten so gering seien, dass keine großen Datenmengen abgerufen werden könnten.

Für die Gründung seines Vereins sucht Joachim Dreher interessierte Pinneberger. Sie können sich unter der Telefonnummer 04101-552910 bei ihm melden. Um das Freifunk-Netz zu stärken, könnte sich Dreher eine stabile Richtfunk-Verbindung vom Pinneberger Rathaus aus zu weit entfernten Freifunk-Routern vorstellen. „Ein Verein könnte das mitfinanzieren“, sagt Dreher.

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