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„Ich würde den Abteilungsleiter für die A 20 feuern“ : Wirtschaftsvertreter diskutieren über Infrastruktur und Ausbildung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bei einer Veranstaltung für Wirtschaftsvertreter und Abgeordnete kamen die Themen Infrastruktur und Ausbildung auf den Tisch.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 12:30 Uhr

Elmshorn | „Ich würde den Abteilungsleiter für die A 20 feuern“, stellte Jan-Henrik Fock klar. Fock führt in Bad Bramstedt eine Versicherungsagentur. Im Ehrenamt ist er Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel, und in dieser Funktion befragte er bei einer internen Veranstaltung Landtagsabgeordnete und -kandidaten. „Anschub ’17“ heißt das Projekt, mit dem die IHK als Vertretung der Wirtschaft Politikern ihre Positionen zu den Wahlen in Kiel und Berlin nahebringen will. In Elmshorn startete „Anschub ’17“ mit einem Kandidaten-Forum, bei dem außer Fock ein gutes Dutzend Unternehmer aus der Region Fragen und Forderungen an die Landespolitiker stellten.

Eingeladen hatte Paul Raab, Leiter der IHK Kiel Zweigstelle in Elmshorn. Das Thema A20 war dabei unvermeidlich. Der Streit zwischen den Parteien ist bekannt: Hans-Jörn Arp (CDU) warf der Landesregierung vor, in vier Jahren keinen einzigen Kilometer gebaut zu haben. „Erstmal losbauen“, empfahl Annabell Krämer (FDP). „Der Pfusch ist von euch erzeugt worden“, konterte Kai Vogel für die SPD: Bei Bad Segeberg kassierte ein Gericht die Planung, die noch von einem CDU-Minister stammte. Eka von Kalben betonte, dass sie das Verbandsklagerecht nicht einschränken will.

Eingeladen hatte Paul Raab, Leiter der IHK Kiel Zweigstelle in Elmshorn.

Eingeladen hatte Paul Raab, Leiter der IHK Kiel Zweigstelle in Elmshorn.

Foto: Jann Roolfs

Sie räumte allerdings ein: „Wir müssen bei der Planung schneller und innovativer werden“. Aber dafür braucht es Personal. 30 zusätzliche Planer will das Land einstellen – und tut sich schwer damit. Warum, das machte ein Bau-Ingenieur im Publikum deutlich, der gerade seinen Abschluss hinter sich hat. „Die Bezahlung ist so unattraktiv“, stellte der Berufsanfänger klar: „Warum soll ich meine Karriere mit einem Karriereknick beginnen?“

Ein weiteres Thema: Ausbildung. „Arbeit 4.0 – vernetzte, projektbezogene Zusammenarbeit – haben wir heute schon“, erklärte Guido Neumann aus Barmstedt. Für Recherche bekomme er Angebote von perfekt deutsch sprechenden Indern. „Unser Wettbewerb ist die Welt“, betonte auch ein Elmshorner Mittelständler. „Mehr Leistung bringen als die anderen“, das sei für sein Unternehmen wichtig und das wünscht er sich von Schulabgängern, die sich bei ihm bewerben. Aber deren Qualität sinke im Verlauf der vergangenen zehn Jahre. Er forderte eine langfristige Perspektive für die Ausrichtung der Schulen statt „alle fünf Jahre eine Reform“.

Eka von Kalben nutzte das als Vorlage: Obwohl die Grünen keine G-8-Fans seien, hätten sie als Regierungspartei den Schulfrieden erhalten und das Konzept fortgeführt. Jetzt wolle sie sich auf Inhalte konzentrieren und mehr Lehrer einstellen. Annabell Krämer von der FDP nahm vor allem die Gemeinschaftsschulen ins Visier: Die litten an Unterrichtsausfall und müssten die Inklusion bewältigen. Vogel stellte heraus, dass Schleswig-Holstein im Bundesvergleich bei der Schulbildung auf Platz drei liege.

Der Elmshorner Diskussionsrunde sollen in den kommenden Tagen Foren in Kiel und Bargstedt bei Neumünster folgen. Zweiter Bestandteil von „Anschub ’17“ ist das Angebot an Politiker, einen Tag lang in Unternehmen zu hospitieren; schon diverse Firmen hätten Plätze angeboten, hieß es bei der IHK. Vor der Wahl hat allerdings keiner der Kandidaten Zeit dafür, sagten alle in der Abschlussrunde. Kai Vogel (SPD) gab an, gern ein Praktikum im Straßenbau zu machen. „Das hast du nötig“, stichelte A-20-Fan Arp.

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