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Verzweifelte Anwohner : Wird die Bismarckstraße autofrei?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Verkehrsbelastung: Die Anwohner sind verzweifelt und richten offenen Brief an die Stadt. Untersuchung soll Lösung bringen.

Pinneberg | „Große Belastung“, „besorgniserregend“, „zu viel“ – die Anwohner der Bismarckstraße sparen in ihrem offenen Brief an Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) nicht mit Begriffen, die ihrer Verzweiflung Ausdruck verleihen. Seit Monaten leiden sie unter der zunehmenden Verkehrsbelastung in ihrer Straße. Ihre Beobachtung: Die Autos werden mehr. Die Fahrer halten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Auch die Busfahrer missachten Tempo 30. Und das, obwohl die Bismarckstraße sehr schmal ist und täglich von vielen Kindern auf ihrem Schulweg frequentiert wird.

Die Stadt gibt ihnen Recht. „Die Verkehrssituation in der Bismarckstraße ist zur Zeit nicht befriedigend, Ihre Sorgen kann ich daher nachvollziehen“, schreibt Bauamtschef Klaus Stieghorst in seiner Antwort, über die sich die Anwohner sehr freuen. Für sie ist das Maß schon lange voll. Deshalb haben sie sich zusammen getan. 17 Anwohner haben auf der Unterschriftenliste, die dem Brief beiliegt, unterschrieben. Nicht alle kennen sich. Kurze Sondierungsgespräche sind deshalb zu vernehmen, als sie sich im Haus der Familie von Götz einfinden, bei der die Fäden zusammenlaufen. Franz von Götz, auch Absender des Briefes, ergreift das Wort. Über die Jahre sei die Situation immer schlimmer geworden. Jetzt sei sie nicht mehr erträglich für die Anwohner.

Die Anwohner: Das sind Familien wie die von Götzes, die 2010 von Hamburg nach Pinneberg zogen – der Ruhe wegen. Ältere Menschen wie Marga Jürgens, die seit 1951 in der Bismarckstraße zu Hause ist. Und Stefan Lerche, seit 2013 Anwohner, der sagt: „Man hat regelrecht Angst, dass demnächst die Bude einstürzt.“ Der Grund: Die Busse der Linie 594, die seit Dezember ins Gewerbegebiet und damit auch durch die Bismarckstraße fahren. 61-mal pro Tag prescht der Bus dem Fahrplan zufolge am Fenster von Lerche vorbei – auch noch nach Mitternacht.

„Der Bus fährt erheblich zu schnell“, sagt er, „im Regal wackeln jedes Mal die Gläser“. Dass die Brücke, die eigentlich nur für zwölf Tonnen zugelassen sei, von viel schwereren Bussen befahren werden dürfe, finden die Anwohner immer noch erstaunlich. Die Schließung der Friedenstraße zur Elmshorner Straße durch den Bürogebäudeneubau habe zu noch längeren Autoschlangen geführt. „Das ist keine Nord-Süd-Trasse. Wir können nicht für alle die Verbindung in die Innenstadt sein“, sagt Friederike von Götz. Die Stadt müsse handeln – auch im Sinne der anderen Verkehrsteilnehmer.

Radfahrer und Fußgänger haben kaum Platz. Auch aufgrund der Eichen, die die Straße säumen. Für das Einhalten von Tempo 30 könne nicht nur die Polizei sorgen. „Sie tragen hier die Verantwortung“, schreiben die Bürger in ihrem Brief an die Stadt. Die hat nun reagiert. Eine Verkehrsuntersuchung soll bei der Lösung helfen. Dabei soll laut Stieghorst auch geprüft werden, ob die Friedenstraße zur Elmshorner Straße geöffnet wird und ob die Bismarckstraße zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Clara-Bartram-Weg nicht gleich ganz für den Verkehr – also Kraftfahrzeuge – gesperrt werden sollte. „Sehr gute und positive Vorschläge“, finden die Anwohner. „Das ist eine Straße, die darauf ausgelegt ist, dass es ruhig ist“, sagt Franz von Götz. „Es wäre toll, wenn der Charme erhalten bliebe.“

Die Polizei bestätigt, dass der Verkehr in der Bismarckstraße zugenommen hat. Ist sie auch Unfallschwerpunkt? Nein. Laut Nico Möller von der Polizeidirektion Bad Segeberg wurden im vergangenen Jahr fünf Verkehrsunfälle in diesem Bereich registriert – alle mit Sachschaden. 2015 waren es ebenfalls fünf. 2014 gab es zuletzt einen Unfall mit mindestens einer verletzten Person. Anders sieht es im Hindenburgdamm und in der Friedenstraße aus: Dort gab es allein in diesem Jahr bereits jeweils einen Unfall mit Verletzten. Die Zahl der Verkehrsunfälle schwankte dort in den vergangenen drei Jahren immer zwischen 13 und 18 Unfällen pro Jahr – darunter mehrere Verletzte.
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erstellt am 12.Mai.2017 | 12:00 Uhr

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