Interimslösung : Wird das ehemalige Verkehrsamt für die Kita Ostermannweg angemietet?

Das Verkehrsamt vom Haidkamp aus: Über den Grünstreifen sollen die Kita-Kinder sicher laufen können – der Spielplatz kommt auf die andere Seite der Ausfahrt, die gesperrt werden soll.
Das Verkehrsamt vom Haidkamp aus: Über den Grünstreifen sollen die Kita-Kinder sicher laufen können – der Spielplatz kommt auf die andere Seite der Ausfahrt, die gesperrt werden soll.

Am Donnerstagabend fällt die finale Entscheidung im Pinneberger Rat. Die Grünen setzen auf Container.

shz.de von
03. Mai 2018, 13:30 Uhr

Pinneberg | Am Donnerstag fällt in der Pinneberger Ratsversammlung die große Entscheidung: Wird das ehemalige Verkehrsamt als Interimslösung für die Kinder der Heilig-Geist-Kita aus dem Ostermannweg angemietet und umgebaut? In den vergangenen zwei Wochen gaben der Ausschuss Soziales, Kinder, Senioren sowie Wirtschaft und Finanzen ihr Okay, der Umweltausschuss gab die Entscheidung gleich in den Rat weiter. Die Kita-Eltern warten auf die finale Entscheidung. 120 Kinder sollen an der Flensburger Straße in vier Gruppen untergebracht werden.

Hintergrund: Die evangelische Kita Ostermannweg ist durch den Träger aufgrund des hohen Sanierungsstaus Anfang Oktober 2017 geschlossen worden. Während der vergangenen Monate wurden verschiedene Alternativen geprüft, damit die derzeit in mehreren Einrichtungen betreuten 120 Kinder wieder gemeinsam und möglichst in Pinneberg Nord einen Kindergarten besuchen können. Herauskristallisiert hat sich die Variante, das Verkehrsamt umzubauen.

Doch die Fraktion Grüne & Unabhängige hat Bedenken: Ob das Verkehrsamt an der Flensburger Straße wirklich zu August öffnen kann, sei fraglich. Handwerker müssten kurzfristig gefunden werden. Deshalb wird heute über einen weiteren Antrag debattiert: Die Grünen wollen prüfen, ob nicht doch Container die bessere Lösung wären. Sie haben eine gebrauchte mobile Kita gefunden, die in der Müßentwiete aufgestellt werden könnte. „Die Container sind zweieinhalb Jahre alt und könnten rückstandlos entsorgt werden“, erläuterte Dieter Schott (Grüne). An der Müßentwiete wären die Anschlüsse vorhanden und die Kosten lägen unter den Renovierungskosten für das Verkehrsamt. Bei der Anlage handelt es sich um eine „Mobile-Kita“ , die in Neukloster/Warin steht und bis spätestens August 2018 in der Müßentwiete aufgestellt werden könnte. Die Kosten belaufen sich auf etwa 307.000 bis 368.400 Euro.

Dass der Vorschlag auf Gegenliebe bei den Eltern trifft, ist unwahrscheinlich. Mehrmals hatte die Elternvertreterin Jeanine Duphorn in den Ausschüssen betont: „Wir haben in der Kita auch Schulkinder von der Hans-Claussen-Schule, die nachmittags betreut werden. Die Flensburger Straße ist nicht weit vom vorherigen Standort entfernt. Die Müßentwiete ist zu weit zum Laufen, das ist viel zu gefährlich.“

Die Kita-Aufsicht des Kreises Pinneberg bewertet die vorgeschlagene Lösung als „eher unrealistisch“. Und auch die Verwaltung führte gestern in einem Schreiben an die Politik auf, wo es Schwierigkeiten bei der Realisierung des Grünen-Vorschlags gibt.

Stimmt der Rat heute für die erste Variante, dann soll bis August ein umfassender Umbau des Straßenverkehrsamts abgeschlossen sein, sodass die Kinder zum Start des nächsten Kita-Jahrs wieder vereint unter einem Dach betreut werden können. Der Kommunale Service Betrieb Pinneberg (KSP) schätzt die Umbaukosten grob auf 422 000 Euro. Im Erdgeschoss – und nur dort würden sich die Kinder aufhalten – müssen Sanitäreinrichtungen und eine Küche eingebaut werden. Da es derzeit laut Beschlussvorlage keine Warmwasseraufbereitung gibt, sollen Durchlauferhitzer installiert werden. Die bestehenden Räume zur Flensburger Straße hin können als Gruppenräume genutzt werden.

Auch Abbrucharbeiten sind vorgesehen. Die Kinder würden das Gebäude vom ruhigeren Haidkamp aus betreten, nicht von der Parkplatz-Seite, wo auch Aldi-Kunden unterwegs sind. Es wird zudem geprüft, ob die Parkplatz-Zufahrt vom Haidkamp aus gesperrt werden kann – über einen eingezäunten Grünstreifen sollen die Kinder dann ungefährdet auf die andere Seite wechseln können, wo sich neben dem Aldi- Markt eine Grünfläche befindet. Dort ist ein Spielplatz angedacht, 15 250 Euro werden dafür fällig.

„Was passiert, wenn bei den Umbauarbeiten Asbest gefunden wird?“, war eine Frage, die im Wirtschafts- und Finanzausschuss vergangene Woche gestellt wurde. Die Mitglieder setzten daraufhin einen Zusatz durch: In den Vertrag mit dem Kreis muss eine Rücktrittsmöglichkeit aufgenommen werden für den Fall, dass der Umbau aus baulichen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist. Gemietet werden soll vorerst für zwei Jahre. Der Kreis fordert für die Fläche von knapp 877 Quadratmetern insgesamt 105 600 Euro – 4400 Euro Miete pro Monat. Für viele Politiker ist das zu viel. Bürgermeisterin Urte Steinberg verkündete, wie berichtet, dass ein Gegenangebot gemacht werden könne, warnte jedoch auch: „Es gibt noch weitere Mietinteressenten.“ Der Rat tagt ab 18.30 Uhr im Ratssaal, Bismarckstraße 8.

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