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Halstenbek : „Wir werden im Rat protestieren“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jetzt doch: Am Krupunder See wird ein Modellboot-Verbot verhängt. Die Freizeit-„Kapitäne“ fürchten um den Erholungswert.

Still ruht der See. Der Krupunder See. Das dachte zumindest Rüdiger S. (Name ist der Redaktion bekannt). Der Freizeit-„Kapitän“ aus Halstenbek und leidenschaftliche Modellboot-Segler auf dem Krupunder See – ganzjährig, selbstverständlich – dachte, dass das vor mehr als zwei Jahren diskutierte Verbotsthema vom Tisch sei. Doch die Mitglieder des Umweltausschusses nehmen dem 69-Jährigen den Wind aus den Segeln: Alle Boote – mit Motor oder ohne –, bekommen keine Erlaubnis mehr, in See zu stechen.

Im Gespräch mit dieser Zeitung beschreibt Stefanie Lange, Halstenbeks Umweltbeauftragte, den Diskussionsverlauf. „Ja, es hat anfangs eine Abwägung darüber gegeben, ob im See eine markierte Teilfläche für Modellboote eingerichtet werden soll.“ Doch dafür habe sich keine Mehrheit gefunden.

„Kapitän“ S. – seinen Nachnamen möchte er nicht in der Zeitung lesen, die Angst vor Schikanen aus der Öffentlichkeit sei zu groß – versteht die Welt nicht mehr. Das Argument, dass seine Boote bei nicht beherrschbaren Winden in die Ufersäumung und somit in Vogelschutzgebiete treibe, kann er nicht nachvollziehen. „Das passiert höchstens drei Mal im Jahr“, so der Pensionär.

Sein Protest, dem insgesamt eine Gruppe von elf Hobby-Seemännern angehören, richtet sich vor allem gegen einen SPD-Politiker, den er als „fanatischen Tierfotografen“ wahrnehme: „Der will – wie die Angler – den ganzen See für sich in Anspruch nehmen.“

Verschwindet das Bild der Mini-Yachten auf dem sieben Hektar großen Gewässer, sei das wie ein Bumerang, der auf die Gemeinde zurückkomme. Der 69-Jährige mutmaßt: Erholungswert und Attraktivität der Freizeit würden verschwinden, weniger Menschen würden künftig den See frequentieren.

Der Krupunder See – in Zukunft eine Ödnis? Seit mehr als 20 Jahren pflegen die Senioren ihr stilles Hobby. Doch das jetzt alles vorbei sei, wollen die knurrenden Seebären nicht einfach so hinnehmen. „Das ist Behördenwillkür“, wetterten sie bereits Ende 2011. Vielmehr sollten Ordnungshüter nicht sie maßregeln, sondern darauf achten, dass die Hundehalter die Anleinpflicht beachten. Denn in der Satzung über den geschützten Landschaftsbestandteil Krupunder See, Paragraf 4 (1), Absatz 9 steht: „Haustiere, insbesondere Hunde, sind an der Leine zu führen“.

Die Männer mit Pfeife und Kapitänsmütze wollen die Gunst der Stunde nutzen. Und die schlage nach deren Meinung während der Sitzung der Gemeindevertretung am Montag, 27. Januar. Ab 19 Uhr tagt das Gremium in der Mensa der Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek (Hartkirchener Chaussee 8 a). Das Thema Modellboot-Verbot steht zwar nicht auf der Tagesordnung. Doch das stört die Crew nicht: Sie wollen die Chance nutzen, während des Tagesordnungspunkts 1 „Einwohnerfragestunde“ ihren Unmut zu äußern. Mit Booten. Mit Kapitänsmütze. Aber garantiert ohne dampfende Pfeife.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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