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Brandanschläge im Kreis Pinneberg : „Wir werden gnadenlos Feuer legen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Brennende Autos in Rellingen – und ein Ende des Terrors ist nicht abzusehen. Bereits zweimal hat sich bei Facebook ein Unbekannter zu den Anschlägen geäußert und mit weiteren gedroht.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2014 | 10:00 Uhr

Rellingen | Wenn es Nacht wird in Rellingen, wächst die Angst. Werden wieder Autos rund ums Rathaus brennen? So wie in der vergangenen Woche? Mittlerweile wurden neun Fahrzeuge beschädigt. Die Kripo Pinneberg ermittelt. Doch den Brandstifter hat sie bislang nicht. Wenn die Kripo den Feuerteufel nicht auf frischer Tat ertappt, wird es schwierig, einem Verdächtigen die Taten nachzuweisen, so die Ermittler. Dass weitere Anschläge folgen, scheint sicher. Auf der Facebook-Seite dieser Zeitung heißt es: „Und es hat erst begonnen.“

Ein „Bekennerschreiben“? „Felix Steiner“ – der Nutzer des sozialen Netzwerks verwendet den Namen des SS-Obergruppenführers und Generals der Waffen-SS – hat schon vor der ersten Veröffentlichungen dieses Medienhauses zu den Brandanschlägen Stellung genommen. „Die Fahrzeugbrände, die seit letzter Woche angefangen haben mit dem Jugendmobil in der Schmiedestraße, sind kein Resultat eines Autohassers, sondern es ist eine Kriegserklärung gegen diese Gemeinde und deren Bürger“, schrieb „Steiner“ in dem Eintrag, der mittlerweile von der Redaktion gelöscht wurde, und drohte: „Und es hat erst begonnen. Diese arrogante Gemeinde soll bluten.“

Die Pinneberger Kripo nimmt „Steiner“ ernst. Sie geht derzeit davon aus: Wenn es sich nicht um den Täter handelt, dann hat er zumindest die Informationen vom Täter. Darauf weist ein weiteres Schreiben an die Redaktion hin, die „Steiner“ auf der Facebook-Seite dieser Zeitung veröffentlicht hat. „Ihr wollt Täterwissen, könnt ihr haben“, schrieb er. Was folgt, sind sehr detaillierte Darstellungen der Brandstiftungen. Auch Umgebungsbeschreibungen der Tatorte wurden genannt.

Insbesondere der Eintrag auf der Facebook-Seite dieser Zeitung lässt Schlimmes befürchten: Bislang, so „Steiner“, sei darauf geachtet worden, dass bei den Anschlägen keine Menschen verletzt wurden. „Aber ab jetzt ist uns das auch egal. Wir werden gnadenlos Feuer legen und Menschen auch angreifen“, schrieb „Steiner“.

Die Brandanschläge in den vergangenen Tagen erinnern viele Menschen in Rellingen an die Jahre 2006 und 2007. Sie erinnern sich an den Terror zwei junger Erwachsener. An eine Vielzahl zerstochener Reifen. An Anschläge mit Buttersäure. An Brandstiftungen. An in die Luft gesprengte Zigarettenautomaten. Und an die Drohung, während des Apfelfests in der Gemeinde eine Bombe zu zünden. Die beiden Jugendlichen hörten Musik rechtsextremer Bands. Ließen sich fotografieren mit zum Hitlergruß erhobenen Arm. Und auch damals offenbarten sie eine tiefe Menschenverachtung. „Tötet, was das Zeug hält“, schrieb einer der Täter, die als „Apfelfestbomber“ durch die Medien gingen, in ein Internetforum. Und „Mensch ist Dreck“. Sowie: „Ich bin und bleib ein Misanthrop und wünsch’ der Menschheit den Tod“.

Noch vor dem Apfelfest, am 25. September 2007, wurden die beiden Rellinger festgenommen. Die Anklage wegen Verabredung zum Mord wurde zwar fallen gelassen. Verurteilt wurden die beiden dennoch – wegen Sachbeschädigung in mehr als 100 Fällen, wegen Brandstiftung und weiterer Delikte. Einer der Jugendlichen wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Der andere zu dreieinhalb Jahren Jugendstrafe. Er wurde allerdings zuvor in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen. Das Gericht sah es damals als erwiesen an, dass er eine „schwere seelische Abartigkeit“ aufweist.

Heute steht für viele im Ort die Frage im Raum: Sind die „Apfelfestbomber“ zurück oder treibt ein Trittbrettfahrer sein Unwesen? In Rellingen glauben viele an die Rückkehr der Täter von damals. Denn der eine der beiden damaligen Täter ist laut Polizei aus der Psychiatrie und der Haft entlassen worden sein. Er wohnt wieder in Rellingen – und soll seitdem wieder für Unruhe in einem Mehrfamilienhaus sorgen. „Er terrorisiert uns alle“, sagte ein Nachbar des jungen Mannes im Gespräch mit dieser Zeitung vor einiger Zeit. Ein Kinderwagen brannte im Treppenhaus. Weitere Feuer wurden gelegt. Messer sollen bedrohlich vor Haustüren platziert worden sein. Die Nachbarn halten einen der damaligen „Apfelfestbomber“ für den Täter. Beweise gibt es indes nicht: Polizei und Vermieter – beide baten die Redaktion aus taktischen Gründen um Zurückhaltung – nahmen sich vor Wochen des Konflikts an. Die Beamten ermittelten – in alle Richtungen. Denn sowohl Polizei als auch Vermieter wollen nicht ausschließen, dass auch Nachbarn selbst gezündelt haben könnten, um den Verdacht auf den jungen Mann zu lenken, um ihn loszuwerden.

Rellingen in Angst. Und voller Hoffnung an die Ermittlung der Polizei, damit der erneute Terror schnell ein Ende findet.

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