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Interview mit Sparkassen-Vorstand : "Wir verstecken uns nicht"

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nicht einmal die Geldautomaten bleiben: Die Sparkasse Südholstein zieht sich komplett aus sieben Gemeinden im Kreis zurück. Vorstandsmitglied Ralph Schmieder verteidigt die Entscheidung im Gespräch mit unserer Zeitung

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erstellt am 29.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Die Sparkasse Südholstein will zum 15. Januar des kommenden Jahres elf Filialen schließen – sieben davon allein im Kreis Pinneberg. Die Gründe dafür sind vielfältig. Im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert Ralph Schmieder, Mitglied im Vorstand des Kreditinstituts mit Sitz in Neumünster, warum Vorstand, Verwaltungsrat und Zweckverband elf Filialen dicht machen werden.

Herr Schmieder, am Freitagabend hat die Sparkasse Südholstein informiert, dass das Kreditinstitut zum 15. Januar 2014 sieben Filialen im Kreis Pinneberg schließt. Warum werden die Filialen in Pinneberg-Waldenau, Halstenbek-Krupunder, Appen, Holm, Hasloh, Sparrieshoop und in Brande-Hörnerkirchen dicht gemacht?

Ralph Schmieder:
Es gibt mehrere Gründe dafür, dass wir diese Filialen mit benachbarten Standorten zusammenlegen. Wir setzen uns regelmäßig mit unserem Filialnetz und dem Kundenverhalten auseinander. Und das Kundenverhalten hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert.

Als ich Mitte der 1980er Jahre bei der Sparkasse anfing, war es noch üblich, dass die Sparkasse der Hauptanziehungspunkt in der Gemeinde war. In der Nähe befanden sich in der Regel eine Apotheke, ein Kaufmann und eine Post. Doch seitdem geht der Trend in Richtung höhere Bequemlichkeit sowie flexibleres Nutzerverhalten bei Bargeldthemen und Überweisungen. Das erledigen die Menschen zunehmend gern außerhalb der Öffnungszeiten oder gar von Zuhause aus. Dafür werden die Filialen immer weniger genutzt. Stattdessen nutzen immer mehr Kunden Internet und Telefon, um ihre Bankgeschäfte abzuwickeln.

Wenn die Menschen zu uns in die Filialen kommen, dann ist es in der Regel für die qualifizierte Beratung und hier steigt der Anspruch, zum Beispiel, wenn es um Altersvorsorge oder die Hausfinanzierung geht. Diese Beratungen werden immer komplexer. Dem gestiegenen Anspruch können wir in den kleinen Filialen kaum gerecht werden. Deshalb müssen wir unsere Kompetenzen in größeren Einheiten bündeln. Wir müssen unsere Kosten senken, denn es wird immer teurer, eine Filiale dort zu unterhalten, wo relativ wenige Kunden sie nutzen. Dies ist überwiegend an den kleinen Standorten der Fall.

Warum sind Sie der Meinung, Kapazitäten bündeln zu müssen und wollen die Menschen nicht mehr vor Ort beraten?

Es werden vorwiegend kleine Filialen zusammengelegt, in denen oft nur zwei Mitarbeiter arbeiten. Hier findet sehr viel Kontoservice statt. Wenn ein ausführliches Beratungsgespräch notwendig ist, wird es dann oft schwer, die anderen Kunden zu bedienen. Die Fachkompetenz für eine komplexe Beratung können wir für die wenigen Fälle, in denen sie auf den Dörfern nachgefragt wird, nicht überall vorhalten.

Was ist, wenn die Kunden künftig vor Ort Geld abheben möchten?

Die meisten Kunden heben dort Geld ab, wo sie regelmäßig sind, vor allem beim Einkaufen. Inzwischen bieten viele Supermarktketten sogar an, beim Bezahlen auch gleich Geld abzuheben. Deshalb werden unsere Geldautomaten immer weniger genutzt. Das Bankgeschäft hat sich in diesem Bereich extrem verändert.

Im Klartext: Wird es vor Ort noch Geldautomaten geben?

Nein, ich kann dieses Bedürfnis zwar gut verstehen und wir haben auch darüber nachgedacht, SB-Geräte stehen zu lassen, aber wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass dies nicht viel bringt. Unsere Mitarbeiter vor Ort werden unseren Kunden aufzeigen, wo für sie die nächste Gelegenheit ist, um an Bargeld zu kommen.

Warum bauen Sie die Geldautomaten in den Dörfern ab?

Aus der Erfahrung heraus können wir sagen, dass diese Geldautomaten in der Regel auch nicht ausreichend frequentiert werden. Selbst wenn wir dort welche stehen lassen würden, würden diese kaum genutzt werden. Dann haben wir uns gegen den Verbleib entschieden, auch wenn es im Einzelfall künftig umständlicher sein wird, sich mit Bargeld zu versorgen. Der Kreis Pinneberg ist allerdings ein relativ kleiner Kreis, dessen Infrastruktur sehr gut ausgebaut ist. So sehr es für den Einzelnen eine Umstellung bedeutet, halte ich die Entfernungen grundsätzlich für vertret- und zumutbar.

Da wird Ihnen die Rentnerin, die nicht mehr gut zu Fuß ist, vermutlich widersprechen. Was sagen Sie der Dame?

Da kann ich nur um Verständnis bitten. Sie hat ja recht: Für sie wird es umständlicher und schwieriger sein, sich mit Geld zu versorgen. Doch wir haben die Belange eines gesamten Unternehmens zu berücksichtigen. Schmerzlich ist es vor allem für diejenigen, die es seit Jahrzehnten gewohnt sind, eine Filiale vor Ort zu haben. Doch vergessen Sie nicht, dass es im Kreis Pinneberg natürlich auch eine Vielzahl von Gemeinden gibt, in denen es noch nie eine Filiale gab.

In Ihrem Schreiben an die Medien kündigten Sie an, dass alle Mitarbeiter an andere Standorte wechseln werden. Behalten die Kunden denn wenigstens ihre Berater?

Das ist unser erklärtes Ziel. Die Mitarbeiter wechseln in die nächstgelegene Filiale, wo auch ihre Kunden hingehen. Deshalb werden die meisten Kunden ihre Berater behalten. Schwierig wird es höchstens, wenn die Kunden sich in verschiedene Filialen aufteilen. Ich bin davon überzeugt, dass die gewachsenen Kundenbeziehungen wichtiger sind als die Gebäude. Deshalb wollen wir unsere Kunden davon überzeugen, dass es gut ist, bei der Sparkasse zu bleiben.

Sie werden nicht nur elf Filialen schließen, sondern konzernweit auch 130 Stellen abbauen, um das finanziell leicht angeschlagene Kreditinstitut wieder auf Kurs zu bringen. Wie sind Sie zu dieser Entscheidung gekommen?

Wir haben nicht geguckt: „Wie viel müssen wir verdienen?“, sondern wir haben eine genaue Aufgabenanalyse vorgenommen. Das Ergebnis war, dass wir unser Bankgeschäft auch mit 130 Stellen weniger betreiben können. Das machen andere vergleichbare Häuser auch. Unser Leistungsportfolio wird deshalb nicht eingeschränkt.

Werden die Kundenberater, die nun auf andere Standorte aufgeteilt werden, bei der Stellenstreichung besonders ins Visier genommen?

Nein, denn es ist natürlich in unserem Interesse, dass die Kunden, wenn sie schon die Filiale verlieren, zumindest ihren Berater behalten. Die Wahrscheinlichkeit ist also geringer als im Durchschnitt.

Und was geschieht nun mit den Gebäuden?

Wir haben die Mietverträge schon vor Jahren befristet und lassen diese nun auslaufen. Wir hätten die Entscheidung, Filialen zusammenzulegen, ohnehin früher oder später getroffen. Aufgrund unserer aktuellen wirtschaftlichen Situation ziehen wir diesen Schritt nun vor. Aus meiner Sicht haben wir aber mit 16 Filialen in dem Kreis Segeberg, 14 im Kreis Pinneberg und sechs in Neumünster nach wie vor eine ausgewogene Filialabdeckung.

Haben Sie vor der Bekanntgabe vom Aus für die sieben Filialen mit den Mitarbeitern und den Bürgermeistern gesprochen?

Wir haben alle Mitarbeiter und Bürgermeister vorab persönlich informiert und wir werden die Tage auch noch einmal mit allen Bürgermeistern ausführlich persönlich sprechen. Wir verstecken uns nicht.

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