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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 01:22 Uhr

„Wir sind nicht die Party-Fraktion“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vision Stadtmanager möchte mehr mitmischen

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Persönlich. Ehrlich. Anders. Dirk Matthiessen muss diese drei Worte dutzende Male am Tag lesen. Sie sind überall. Am Fenster, auf Flyern. „Wollen Sie das große P sehen?“, fragt er begeistert und zieht den roten Riesenbuchstaben hinter dem Schrank hervor. Laut Kampagne gehören das P und die Worte einfach zusammen. Der Slogan: „Pinneberg – Persönlich. Ehrlich. Anders“. In den Räumen des Stadtmarketings wirkt dieser Satz wie ein Mantra. Und Matthiessen trägt ihn in die Kreisstadt hinaus.

Vor fünf Jahren ist der 54-Jährige als Pinnebergs Stadtmanager angetreten. Kurz vor dem Summer-Jazz-Festival 2012. Seine Mission: Ein Markenprofil für die Kreisstadt entwickeln. Ein Leistungsversprechen, wie er es nennt. Fünf Jahre später sitzt Matthiessen in seinem Büro mit Blick auf das Pinneberger Rathaus und sagt: „Wir sind noch nicht in jeden Winkel vorgedrungen.“

Dennoch fällt seine Zwischenbilanz auch positiv aus. Zu seinen Errungenschaften zählt er die Verbesserungen in der Innenstadt: weniger Leerstand, gut besuchte Veranstaltungen. Zur Bautätigkeit insgesamt sagt er: „In Pinneberg geht was.“ Anfangs zählte der Stadtmarketingverein 27 Mitglieder, heute sind es 63. Sie spülen dieses Jahr knapp 100  000 Euro in die Vereinskasse. Hinzu kommen zwischen 45  000 und 50  000 Euro durch Sponsoring. Die Stadt steuert 60  000 Euro pro Jahr bei. Ab 2018 sind es 75  000 Euro. Außer Mitgliedsbeiträgen und Sponsoringeinnahmen steigen allerdings auch die Veranstaltungskosten: 200  000 Euro sind für dieses Jahr eingeplant. Einige Mitglieder haben jüngst ihren Beitrag gesenkt, aber Matthiessen zeigt sich unbesorgt: „Es ist kein Trend in Sicht.“

Dennoch sagt er deutlich: „Da geht noch mehr.“ Er sieht den Pinneberg-Slogan nach seiner Ansicht noch zu selten. „Vereine und Verbände sollten sich die Eigenschaften viel mehr zueigen machen. Auch Gewerbebetriebe könnten deutlicher Farbe bekennen“, sagt Matthiessen. Immer noch sei die Skepsis bei einigen Wirtschaftsunternehmen groß, wenn er auf sie zugehe. „Viele denken, ich wolle ihnen etwas andrehen. Dabei geht es darum, ein Bekenntnis zu ihrer Stadt abzugeben“, sagt er. „Der Slogan ist nur eine Hülle, ob wir tatsächlich persönlich, ehrlich, anders sind, hat jeder selbst in der Hand.“ Matthiessen will möglichst viele zu Stadtbotschaftern machen. Er nimmt mit sichtlichem Bedauern zur Kenntnis, dass Pinneberg in letzter Zeit, wie er es ausdrückt, „in seiner Außenwahrnehmung unglücklich agiert hat“.

Seinen Aufruf richtet er auch in Richtung Rathaus. Wenn es nach ihm geht, müsste er dort deutlich mehr ein und aus gehen. „Wir sind nicht die Party-Fraktion“, betont er. „Uns interessiert, wo die Stadtentwicklung hingeht und wie wir uns einbringen können.“ Gemeinsam könne man Ziele entwickeln. Schwerpunkte setzen. Wolle Pinneberg künftig Fahrradstadt sein? Oder grüne Stadt? Er bemängelt, dass im Rathaus ohne roten Faden ein Projekt nach dem anderen angeschoben werde. „Den roten Faden muss die Stadt aber vorgeben“, sagt er.

Pinneberg ist nicht die erste Stadt, der Matthiessen ein Gesicht gibt. Elf Jahre lang arbeitete er in Heide. Bei der Frage, ob Pinneberg ein schwierigerer Fall sei, muss der 54-Jährige nicht lange überlegen. „Ja.“ Der Bezug zur Stadt sei in Heide aufgrund des Inseldaseins im ländlichen Raum größer. „Die Innenstadt von Heide hat eine ganz andere Gewichtung“, erklärt er. Pinneberg liegt im Speckgürtel Hamburgs. „Die meisten Menschen ziehen nicht aus Liebe zur Stadt nach Pinneberg“, räumt er ein und fügt dann an: „Ihre Zuneigung zu Pinneberg entsteht später.“ Dass diese Entwicklung durch Vorurteile erschwert wird, weiß Matthiessen, der inzwischen selbst Pinneberger ist. Er sagt, das sei das Schicksal von Klein- und Mittelstädten am Rande von Metropolen. Dass die Pinneberger als schlechte Autofahrer gelten, dafür hat er eine Erklärung: „Das ist ein zahlenmäßiger Effekt. Es gibt so viele Pinneberger, wir sind der bevölkerungsreichste Landkreis. Da fallen einzelne Fehltritte einfach mehr ins Gewicht“, ist der 54-Jährige überzeugt. Dann sagt er: „Aber ich kenne nichts, das im Wesen der Pinneberger verankert sein sollte, dass sie die Vorurteile verdient hätten.“

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