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Das Sonntagsgespräch : „Wir sind nicht der verlängerte Arm der Politik“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sonntagsgespräch mit Bernd Hinrichs von der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Rockville-Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 21.Jun.2015 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Bernd Hinrichs ist Präsident der 1984 gegründeten Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Rockville-Pinneberg (DAGRP). Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, warum die Beziehungen zwischen Pinneberg und Rockville so eng sind.

Wie sieht die Arbeit der DAGRP aus?
Bernd Hinrichs:
Wir haben mehrere Schwerpunkte. So geben wir beispielsweise Pinneberger Schülern für zwei oder drei Wochen die Möglichkeit, an die Wootton High zu kommen. Die Jugendlichen aus Rockville besuchen im Gegenzug Pinneberg. Die nächste Gruppe von der Wootton High erwarten wir am 26. Juni. Neun Schüler und zwei Lehrer werden alle privat untergebracht. Das organisiert in diesem Jahr die Theodor-Heuss-Schule. Außerdem kooperieren wir mit der Grund- und Gemeinschaftsschule Pinneberg. Auf dem Programm stehen diesmal unter anderem ein Besuch des Reichstags in Berlin sowie der Kieler Woche.

Hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?
Es ist schwieriger geworden, weil Deutsch in den USA keine offizielle Fremdsprache mehr ist. Dadurch sinkt das Interesse der Jugendlichen, nach Deutschland zu kommen. Das ist schade. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass der Austausch immer noch klappt.

Wie hat sich das Verhältnis in den vergangenen Jahren entwickelt?
Es ist intensiver geworden. Wie überall hängt es von den handelnden Personen ab. Momentan haben wir in Rockville und Pinneberg das Glück, dass sich die Lehrer auf beiden Seiten sehr stark engagieren. Wir unterstützen den Austausch mit den Beiträgen unserer etwa 160 Mitglieder. Unsere eigenen Aufenthalte in Rockville bezahlen wir natürlich selbst.

Wieso ist der Austausch aus Ihrer Sicht wichtig?
Die Schüler bekommen die Chance, einen anderen Kulturkreis kennenzulernen. Deshalb ist es auch wichtig, die Jugendlichen nicht in einem Hotel oder in einer Pension unterzubringen. Sie wohnen bei Familien und schnuppern dadurch in das Leben in den USA hinein. Manchmal verstehen sich die Gäste aus Deutschland und die Familien so gut, dass die Schüler das Angebot erhalten, dort für ein Jahr zu wohnen und in den USA zur Schule zu gehen. Das ist wie ein Sechser im Lotto, weil der Aufenthalt ansonsten viel zu teuer wäre.

Waren Sie selbst schon häufiger in Rockville?
Ich bin fast jedes Jahr einmal in Rockville. Dort habe ich viele interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich mich regelmäßig austausche und treffe, wann immer die Möglichkeit dazu besteht. Aber nicht nur ich habe intensive Kontakte. Sportler, Jugendgruppen, Feuerwehr, Chöre – es gibt in vielen Bereichen enge Beziehungen. Die Partnerschaft zwischen Pinneberg und Rockville wird wirklich gelebt. Es sind enge Freundschaften entstanden – sowohl bei den Schülern als auch bei den Erwachsenen.

Was fasziniert Sie am „American Way of Life“?
Diese unendliche Weite und die beeindruckenden Naturschauspiele finde ich faszinierend. So etwas gibt es bei uns nicht. Mir gefällt außerdem das Selbstbewusstsein der Amerikaner. Sie packen Dinge mit mehr Zuversicht an. Auch das gelebte Nationalbewusstsein finde ich gut. Die Bürger zeigen, dass sie stolz sind, Amerikaner zu sein. Das bedeutet nicht, dass andere Nationen nicht respektiert werden. Ich lebe gerne in Deutschland, aber ich genieße die freiheitliche Atmosphäre, wenn ich in den USA bin.

Was ist Ihre Motivation, sich für die DAGRP einzusetzen?
Vor meinem Ruhestand hatte ich kaum die Zeit, etwas für das Gemeinwohl zu tun. Da ich beruflich und privat viel Glück hatte, will ich nun etwas zurückgeben. Dafür habe ich mir zwei Dinge ausgesucht. Ich engagiere mich für die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft und bin außerdem für die CDU in der Kommunalpolitik tätig. Seitdem ich ehrenamtlich aktiv bin, habe ich das Gefühl, wirklich hier angekommen zu sein. Vorher habe ich Pinneberg eher als Schlafstadt betrachtet. Nun bin ich in das Leben der Stadt eingetaucht und will dazu beitragen, dass es vorwärts geht.

Auf politischer Ebene ist das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA momentan angespannt. Macht sich das in der DAGRP bemerkbar?
Nein, wir sind völlig unpolitisch. Wir bauen Kontakte zu den Menschen in den USA auf und sind nicht der verlängerte Arm der deutschen Politik. Natürlich sprechen wir mit unseren amerikanischen Freunden auch mal über Themen wie die NSA. Das wirkt sich aber nicht auf unsere Beziehungen aus.

Bernd Hinrichs (65) ist seit 2006 Präsident der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Rockville-Pinneberg (DAGRP). Hinrichs war vor seinem Ruhestand Manager bei Unilever. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.
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