Theater-AG am Wolfgang- Borchert-Gymnasium : „Wir machen uns selbst überflüssig“

Ein Ausbruchsversuch aus dem digitalen Netzwerk zurück ins Leben ist lebensgefährlich.
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Ein Ausbruchsversuch aus dem digitalen Netzwerk zurück ins Leben ist lebensgefährlich.

Die AG bereitet sich auf die „Blind“-Premiere am 17. März vor. Das Thema sind die Ängste der Generation „Head-Down“.

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07. März 2018, 16:30 Uhr

Halstenbek | Sie tragen alle die gleiche Kleidung: schwarze Pullover und Hosen, weiße Krawatten, Hosenträger, Sonnenbrille. Sie stehen für ein geschlossenes System. In der Mitte des Kreises sitzt eine einzelne Person. Sie hebt sich von den anderen ab. Fällt aus dem Rahmen. Diese Person stellt das System der digitalen Welt in Frage. „Du brauchst keine Entscheidungen mehr treffen. Wir treffen sie für dich.“ Pause. „Blind“. So heißt das neue Stück der Theater-AG am Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasium. Es geht um Widerstand, Einsamkeit und persönliche Ziele. Premiere ist am Sonnabend, 17. März, 19.30 Uhr, in der Schulaula am Bickbargen.

Preisgekrönte AG

Die preisgekrönte AG unter der Leitung von Regisseur Andreas Kroder spielt wieder Theater. Mit seinem neuen Bühnenwerk veranschaulicht das Ensemble die aktuelle Problematik des World-Wide-Webs. Datenverwahrung, Selbstdarstellung, Freundschaft: Das sind zentrale Themen für die Generation „Head-Down“.

Posen für ein Selfie.
Dietmar Vogel
Posen für ein Selfie.
 

Freundschaften werden über soziale Netzwerke geschlossen. Wer unterhält sich heutzutage noch persönlich von Angesicht zu Angesicht, wenn es auch über Whatsapp, Threema oder Signal geht? Wer ruft noch die beste Freundin an, wenn sie Geburtstag hat? Man kann ihr doch ein paar Zeilen im Messenger schreiben.

Anonymer Hass im Internet

Die Schüler thematisieren anonymen Hass im Internet, die Einsamkeit, die mit lediglich online ablaufenden Freundschaften verbunden ist und beschäftigen sich mit der eigenen Darstellung im Internet – über Plattformen wie Instagram oder Facebook. „Du hast lange nichts gepostet, woher sollen die Leute wissen, dass du noch lebst?“, heißt es an einer Stelle. In dem Stück stellt die AG dar, wie das Internet Personen beeinflusst und wie sehr die Individualität des Einzelnen verloren geht. Das Internet wird dabei als die „virtuelle Realität“ präsentiert. Eine, in der man Dinge ausblenden kann, wenn man sie nicht sehen möchte.

Die 17 Schüler haben viele der Texte selbst verfasst. Sie handeln von dem Gefühl „als würde man noch schlafen“, trotz Followern und Online-Freunden. Denn das Leben komplett online zu verbringen, macht auf Dauer auch nicht wirklich glücklich.

Kroder wird von seiner Kollegin und Französischlehrerin Eva Goller unterstützt. Seit dem Schuljahr 2012/2013 führt der Pädagoge Regie. Vor „Blind“ trugen die Stücke r@usgemobbt, Kuckucksnest, Genenetik, Stadtaffen, Time to wonder (Musical) und Bleicher Bruder seine Handschrift.

Premiere der  Eigenproduktion der  „Wo-Bo-Theater-AG” ist am Sonnabend, 17. März, 19.30Uhr, Aula des Gymnasiums, Bickbargen111; weitere Termine: 18., 20., 23., 24. März,  jeweils 19.30 Uhr, 25. März (ab 15.30 Uhr). Tickets kosten sechs Euro für Erwachsene, drei Euro für Kinder;  Verkauf: 12. bis 16. März, große Pause. Weitere Infos gibt es hier.
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