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Das Wahlorakel vom Kreis Pinneberg : Wir liegen immer richtig

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Wahlkreis 007 gewinnt seit 1953 stets der Direktkandidat jener Partei, die später auch den Bundeskanzler stellt.

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erstellt am 16.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Der Wahlkreis 007, der Kreis Pinneberg, liegt seit 15 Bundestagswahlen richtig. Seit 1953 gewinnen hier die Direktkandidaten der Partei, die später den Bundeskanzler stellt. Als Gradmesser fürs Kanzleramt bezeichnet der Norddeutsche Rundfunk den Kreis Pinneberg sogar. „Das ist nicht korrekt“, sagt Wilhelm Knelangen, Politikwissenschaftler an der Universität Kiel. „Es ist zwar kurios, dass der Wahlkreis stets den richtigen Direktkandidat wählt, aber ansonsten wird hier nicht wie im Bundesdurchschnitt gewählt“, so Knelangen.

1953 wählten die Kreis Pinneberger erstmals „richtig“, sie setzten ihr Kreuz bei Direktkandidat Wilhelm Goldhagen (CDU) und auch ins Kanzleramt zog mit Konrad Adenauer ein Christdemokrat ein. 16 Jahre lang gewinnt die CDU den Wahlkreis und auch auf Bundesebene steuern weiterhin die Christdemokraten die Geschicke.

Dann 1969 der politische Wandel: Im Kreis Pinneberg gewinnt ein sozialdemokratischer Kandidat. „Und die SPD stellte auch den Kanzler, obwohl sie nicht die stärkste Partei bei der Bundestagswahl war“, so der Politikwissenschaftler. Und auch zu Zeiten Helmut Kohls (CDU) wählen die Kreis Pinneberger korrekt, und stimmen nun für den christdemokratischen Direktkandiaten. Bei der Wahl 2005 beobachtete Knelangen Seltsames: „Da erhielt Ole Schröder von der CDU das Direktmandat, während die meisten Zweitstimmen für die SPD waren. Letztendlich kam es dann auch zum Machtwechsel im Kanzleramt.“

Ein interessantes Phänomen, dass jedoch nicht so einfach zu erklären ist. „Es gibt ein interessantes Nebeneinander im Kreis Pinneberg, zum einen altindustrielle Städte, aber auch ländliche Gemeinden. Zum anderen besteht der Wahlkreis aus Menschen aus vielen unterschiedlichen Milieus. Und auch durch den Zuzug aus Hamburg kann sich einiges verschieben“, sagt Knelangen.

Trotzdem sei das keine plausible Begründung dafür, dass der Wahlkreis Wahl um Wahl wieder „richtig“ wählt. Ohnehin seien die Daten die über den Wahlkreis zur Verfügung stehen nicht einzigartig. Ich könnte wahrscheinlich 50 andere mit ähnlichem Aufbau benennen“, so der Wissenschaftler weiter.

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