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Ernst Dieter Rossmann im Portrait : „Wir leben für mehr als nur für uns“

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Wer ist der Privatmann hinter dem politischen Ernst Dieter Rossmann? Wir haben den Elmshorner SPD-Politiker einmal persönlich betrachtet.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2017 | 13:00 Uhr

Seestermühe | Wenn Ernst Dieter Rossmann an sein erstes Grundschulfoto zurückdenkt, verzieht der Elmshorner auch 60 Jahre später noch das Gesicht. „Wir Kinder standen in vier Reihen hintereinander und die Lehrerin in der Mitte. In der letzten Reihe standen die Kinder aus den Baracken.“  Der Bundestagsabgeordnete und erneuter Kandidat für die SPD im Kreis Pinneberg hat das Bild über all die Jahre aufbewahrt, denn es bedeutet ihm sehr viel mehr als die bloße Erinnerung an den ersten Schultag. Die in den optischen  Hintergrund verdrängten Barackenkinder  treiben den Politiker nämlich noch heute an, sich zu engagieren, wie er sagt. Sie stünden symbolisch für die soziale Ungerechtigkeit im Bildungssystem. Mit dem Ideal, dass soziale Herkunft nicht über die Bildungsqualität entscheiden dürfe, engagiert sich Rossmann seit 1998 im Bundestag, als bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Er setze sich deshalb für eine gebührenfreie Bildung sowie mehr Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten ein.

Geboren ist Rossmann am 4. Februar 1951 in Elmshorn. Die ersten Lebensjahre wohnte er mit seinen Eltern und Großeltern, die allesamt Lehrer waren, im  Schulhaus in Seester. Als er vier Jahre alt war, zog seine Familie nach Elmshorn, wo er  1969 sein Abitur auf dem Bismarck-Gymnasium  ablegte. Im Anschluss studierte Rossmann Psychologie und promovierte 1985 zum Doktor der Sportwissenschaften. Von 1975 bis 1988 trat der heute 66-Jährige in die Fußstapfen seiner Eltern und Großeltern: An der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg unterrichtete er angehende Erzieher.  In dieser Zeit konnte der Sozialpolitiker das Leben der deutschen Arbeitnehmer am eigenen Leib erfahren, wie er sagt. „Ich habe auch ordentlich gearbeitet und nicht immer nur Politik gemacht.“

1971 Eintritt in die SPD

Seine politische Karriere begann Rossmann 1971 mit dem Beitritt in die SPD. Zehn Jahre später wurde er zum Vorsitzenden des Ortsvereins Elmshorn bestimmt und zog von der Krückausstadt aus 1987 erstmalig direkt in den Landtag in Kiel ein. Elf Jahre lang setzte er sich dort für die Sozialdemokratische Partei auf Landesebene ein, bevor er 1998 zum Bundestagsabgeordneten gewählt wurde – direkt im Wahlkreis Pinneberg.

In seiner Freizeit besucht Rossmann gern Kinos und Theater oder schlägt einfach mal nur ein gutes Buch auf. Aufgrund seiner Arbeit im Bundestag verbringt der Elmshorner viel Zeit in Berlin. Am Ende eines langen Arbeitstages freue er sich über die Möglichkeit, auch noch nach 22 Uhr ins Kino zu gehen. „Oft bin ich  ganz allein im Saal. Das ist dann wie eine Privatvorstellung“, erzählt Rossmann.  Auch in den wenigen ruhigen Minuten abseits des Wahlkampfs beschäftige sich der Sozialpolitiker mit seinen Herzensangelegenheiten. So lese er aktuell den Gesellschaftsroman „Unterleuten“ von Juli Zeh, welcher sich mit der Frage befasst, ob es  im 21. Jahrhundert noch eine Moral abseits des eigenen Interesses gibt.

 

In den verbleibenden Tagen bis zur Wahl am Sonntag, 24. September, ist Rossmanns Terminkalender prall gefüllt – da bleibt leider  wenig Zeit für seine sonst gern mal sehr ausgiebigen Radtouren, in denen er die Natur erkundet. Oft zieht es ihn zu seinem Lieblingsort im Kreis Pinneberg: dem Krückausperrwerk. „Früher habe ich für die Strecke von Elmshorn nach Seestermühe nur 30 Minuten gebraucht“, sagt Rossmann, während er seinen Blick vom Wartehäuschen über das Sperrwerk und die Marschlandschaft gleiten lässt. Mittlerweile lasse er sich etwas mehr Zeit und halte ab und zu mal an, um die Vögel in der Marsch durch sein Fernglas zu beobachten.

Erinnerungen an die 1970er-Jahre

Vom Sperrwerk aus richtet sich der Blick des Politikers auf die Elbmündung der Krückau. Ringsherum sind nur die beiden Flüsse, grüne Felder und Schafe zu sehen. Fernab vom Lärm der Stadt kommt das Bundestagsmitglied zum Entspannen und Nachdenken. So erinnert er sich  im Gespräch mit unserer Zeitung zum Beispiel an die Zeit in den 1970ern, in der Sturmfluten die Marschdörfer und Elmshorn immer wieder unter Wasser setzten. Mit dem Bau der Sperrwerke an der Stör, Elbe und Krückau sei diese Gefahr jedoch gebannt.

Auch seinen Urlaub  verbringt Rossmann am allerliebsten im Sattel seines Drahtesels, wie er sagt. Jedes Jahr im Mai oder Juni schwinge er sich mit seiner Frau aufs Zweirad und verlasse den hohen Norden Deutschlands. Auf dem Elbradweg ist das Ehepaar schon bis nach Prag in Tschechien gefahren und selbst Touren nach Frankreich, Italien und Österreich haben sie schon auf sich genommen. Das viele Strampeln macht hungrig – stärken tut sich der Elmshorner dann am liebsten mit einem Stück Zitronenrolle.

Fast ein halbes Jahrhundert kämpft Rossmann schon für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Während die Gleichaltrigen schon ihre Rente genießen, denkt der Politiker noch lange nicht ans Aufhören. Auf seinem Lebensweg begleite ihn eine Botschaft seiner Eltern: „Wir leben für mehr als nur für uns selbst.“

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