zur Navigation springen

Das Sonntagsgespräch : „Wir haben einfach Bock auf die Jugendarbeit“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Freimut Falk, Leiter des Halstenbeker Jugendzentrums JubA23.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Halstenbek | Freimut Falk ist Leiter des Halstenbeker Jugendzentrums JubA23. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, warum der Standort an der Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek Fluch und Segen zugleich ist und weshalb es so wichtig ist, immer am Puls der Zeit zu sein.

Wie sieht die Arbeit des JubA23 aus?
Ein Schwerpunkt ist die Beziehungsarbeit. Die Jugendlichen finden bei uns Ansprechpartner, denen sie vertrauen und mit denen sie reden können. Bei uns können die Jugendlichen über ihre Probleme sprechen, aber auch über Dinge, die sie glücklich machen. Wir haben ein offenes Ohr für alle Belange. Freude, Trauer, Wut - die Bandbreite der Emotionen ist ja nicht nur bei Heranwachsenden groß. Bei uns finden sie objektive Gesprächspartner. Eltern können gar nicht neutral sein, weil es sie viel zu sehr bewegt, was ihre Kinder tun. Sie haben zum Beispiel über den neuen Freund oder die Freundin häufig eine vorgefasste Meinung.

Was für Angebote gibt es für die Kinder und Jugendlichen?
Wichtig ist, dass wir immer am Puls der Zeit sind. Im Unterschied zur Schule sind wir an keine Lehrpläne gebunden und können flexibel sein. Etwas Ungewöhnliches ist sicherlich unser Motorrad-Trial-Projekt. So etwas ist für ein Jugendzentrum einzigartig. Außerdem haben wir einen gut ausgestatteten Fitness-Raum. Zu den Angeboten gehören auch regelmäßige Ausfahrten zum Ferienzentrum Schloss Dankern. Vom 16. bis 20. Oktober bieten wir außerdem für Neun- bis 13-Jährige Ferien auf dem Reiterhof Drossmann an. Wer Lust hat, kann sich noch bei uns anmelden.

Wer besucht das JubA23?
Vor allem Kinder und Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren. Die Interessen der Besucher ändern sich ständig. Wenn die eine Generation uns verlässt, kommt eine neue mit ganz anderen Bedürfnissen nach. So ist beispielsweise Kickern nicht mehr so angesagt wie früher. Dafür spielen die Jugendlichen gerne Billard. Wichtig ist, dass wir ein entsprechendes Repertoire vorhalten, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn jemand Lust aufs Rappen hat, ist es toll, wenn man Mikrofon und Mischpult hat.

Wo liegen die Stärken der Jugendarbeit in Halstenbek?
Einerseits in den hochwertigen Angeboten. Genauso wichtig ist der Anspruch, den wir an uns selbst stellen. Wir haben Bock auf Jugendarbeit und tun alles dafür, damit wir hier glückliche Gesichter sehen.

Wo liegen die Probleme?
Wir haben zu wenig Platz. Uns stehen zwar sehr schöne und große Räume zur Verfügung. Um bestimmte Sparten bedienen zu können, braucht man aber Räume, die voneinander getrennt sind. Da die nicht da sind, können wir zum Beispiel keine reine Mädchenarbeit aufbauen. Zudem ist es schwierig, bei Konflikten für eine räumliche Trennung der Beteiligten zu sorgen. Auch die personelle Ausstattung könnte besser sein. Die knappe Besetzung ist der augenblicklichen Haushaltssituation der Gemeinde Halstenbek geschuldet. Mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern und einer Honorarkraft arbeiten wir am Limit. Schwierig ist zudem die Nähe zu Hamburg, die für uns einen großen Konkurrenzdruck bedeutet. So ist es schwierig, Konzerte oder eine Disco für etwas ältere Jugendliche zu organisieren, die mit den Angeboten in Hamburg mithalten können.

Freimut Falk (49) arbeitet seit zehn Jahren für die Gemeinde Halstenbek. Der Erzieher ist verheiratet und hat drei Kinder.

Der Jugendbahnhof liegt auf dem Gelände der Grund- und Gemeinschaftsschule. Ist das Fluch oder Segen?
Sowohl als auch. Es ist toll, dass wir so zentral liegen. Der Standort garantiert, dass die Jugendlichen uns wahrnehmen, die die Schule besuchen. Manche Angebote – wie zum Beispiel unsere Reisen – können wir direkt in den Klassen bewerben. So stellen wir eine frühe Anbindung an das Jugendzentrum sicher. Negativ ist, dass die Kinder, die nicht so glücklich an der Schule sind, dort auch nicht herauskommen, wenn sie unsere Räume aufsuchen.

Wie hat sich der Umzug vom Neuen Weg an die Bahnhofstraße ausgewirkt?
Positiv ist der zentralere Standort. Gerade in den Wintermonaten, wenn es früh dunkel wurde, war das Gebäude am Neuen Weg nicht optimal. Dafür standen uns dort mehr Räume und fast doppelt so viele Quadratmeter zur Verfügung, was unsere Arbeit enorm erleichtert hat.

Was macht den Reiz Ihrer Arbeit aus?
Ich war früher Krankenpfleger und Rettungsassistent. Eine Zeit lang arbeitete ich in einem Krankenhaus auf der Kinderstation. Die Kinder haben sich tierisch gefreut, wenn ich kam und waren traurig, wenn ich wieder gehen musste. Das war aber nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden, hat mich motiviert, eine neue Ausbildung zu beginnen. Die Arbeit als Krankenpfleger brachte zwar auch Spaß, hatte aber viel mit Leid und Schmerz zu tun. Nun kann ich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die gerne zu mir kommen

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen