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Landwirte im Kreis Pinneberg : „Wir brauchen den Genmais nicht“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Aufreger Genmais: Imker und Biobauern fürchten um ihre Existenz, Naturschützer protestieren. Der Kreisbauernverband setzt auf konventionellen Anbau.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Gentechnikgegner unter den EU-Agrarministern haben bei ihrem Treffen in der vergangenen Woche nicht die nötige Mehrheit für ein Verbot von „Genmais 1507“ zustandegebracht. Es gilt nun als wahrscheinlich, dass der Weg für das Saatgut nach Europa schon bald frei wird.

Was bedeutet die Entscheidung für Landwirtschaft und Naturschutz im Kreis Pinneberg? „Wir brauchen den Genmais nicht“, sagt Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Die darin organisierten Landwirte hätten kein Interesse an genmanipuliertem Mais. „Wir wollen keinen Mais anbauen, den der Verbraucher nicht will“, sagt Jensen-Nissen.

Wirtschaftlich seien die gentechnisch veränderten Organismen (GVO) nicht nötig. „Die Erträge von konventionell angebautem Mais sind sehr gut. Desweiteren besteht beim Anbau im Kreis Pinneberg kein Problem mit Schädlingen“, sagt Jensen-Nissen. Deswegen brauche man auch andere Sorten, wie etwa den Mais „Mon 810“ nicht. Dieser Mais wird bereits in Europa angebaut.

Ein klares Verbot fordern die Landwirte aber nicht. „Der Bauernverband verschließt sich generell nicht der Wissenschaft hinsichtlich genverändertem Mais. Sämtliche Risiken müssen jedoch ausgeschlossen werden“, sagt der Geschäftsführer. Jensen-Nissen spricht aber nur für einen Teil der Bauern. Auf Biohöfen wird der Anbau von GVO-Mais teils als existenzgefährdende Bedrohung gesehen. „Niemand behauptet noch ernsthaft, dass eine Koexistenz von Genmais und Biomais möglich ist“, sagt Jan Wendel vom Hof Dannwisch in Horst. Dort wird nach den strengen Richtlinien des Demeter-Verbands produziert. Wendel ist zugleich Landesvertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL).

Günter Sienknecht, Zweiter Vorsitzender des Imkervereins Uetersen, findet deutliche Worte: „Das versaut uns den Honig. Wenn der Genmais kommt, ist die Imkerei bald weg.“ Pollen von Genmais fänden ihren Weg in den Honig. „Und wenn das Zeug in unserem Produkt ist, kauft das kein Mensch mehr.“ Völlig unklar sei auch, ob der Mais eine Gefahr für die Bienen sei.

Auch Naturschutzverbände kritisieren einen möglichen Anbau. „Der ,Genmais 1507’, der sein eigenes Insektizid bildet, verursacht etliche Probleme. So werden Schmetterlinge und Motten bedroht“, sagt Bernd Biggemann von der BUND-Kreisgruppe Pinneberg. Forschungen zeigten zudem, dass Schädlinge zunehmend resistent gegen das Pflanzeninsektizit würden.

Die Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis lehnen den Anbau von Genmais mehrheitlich ab. „Ich lehne eine Zulassung ab, weil negative Auswirkungen auf Menschen und Tiere nicht sicher ausgeschlossen werden können“, sagt Ernst Dieter Rossmann (SPD). Die Grünen-Abgeordnete Valerie Wilms betont: „Es gibt gute Alternativen in der konventionellen Züchtung.“ Cornelia Möhring begründet ihre Ablehnung so: „80 Prozent der Bevölkerung sagen nein zur Gentechnik auf dem Teller, im Futtertrog und auf dem Acker.“

Nur Ole Schröder (CDU) spricht sich nicht für ein generelles Verbot aus. Er sagt: „Es gibt keine Studie, die nachweist, dass Genmais gefährlich ist. Die Verbraucher müssen aber sicher sein können, gentechnikfrei einzukaufen. In Deutschland sollte es Verbote geben, wenn eine Vermischung mit gentechnikfreiem Mais nicht ausgeschlossen werden kann.“

Schleswig-Holstein ist frei von Genmais, wie das Landwirtschaftsministerium in Kiel mitteilt. Vor 2008 seien aber auf Testflächen manipulierter Mais und Raps gesät worden.

Nach Ansicht der Befürworter von genmanipuliertem Mais könnte der Anbau helfen, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Der Mais sei etwa besonders widerstandsfähig gegen Klimaveränderungen in ärmeren Ländern. „Gentechnisch veränderte Merkmale wie Insektenresistenz und Herbizidtoleranz leisten einen wesentlichen Beitrag zur Ertragssteigerung“, schreibt etwa der amerikanische Agrarkonzern Monsanto auf seiner Internetseite. Es ließen sich deutlich Ressourcen wie Dünger und Wasser sparen. Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) sagte, ein „ideologisches Nein“ sei keine Antwort. Das Bundesforschungsministerium verweist auf Studien, die den Mais als unbedenklich einstufen.
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