Winterflaute bleibt aus

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Mildes Wetter kommt Menschen in saisonabhängigen Betrieben zugute / Arbeitslosenquote sinkt auf 4,7 Prozent

shz.de von
04. Januar 2018, 16:00 Uhr

Der Winter hat im Kreis Pinneberg bisher keinen spürbaren Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Das teilte die Arbeitsagentur Elmshorn gestern mit. Im Dezember waren 8093 Männer und Frauen ohne Job. Die zahl der Arbeitslosen sank im Vergleich zum November um 12 Personen oder 0,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl um 422 Personen oder 5,0 Prozent. Die Quote liegt nun wie im November bei 4,7 Prozent. Vor einem Jahr waren es 5,0 Prozent.

„Der winterliche Anstieg der Arbeitslosigkeit blieb im Dezember noch aus. Dazu hat auch das frostfreie Wetter beigetragen. Zum Jahresbeginn wird sich herausstellen, ob die saisonabhängigen Betriebe ihre Mannschaften doch noch ausdünnen müssen. Wir rechnen dann vermehrt mit Meldungen von Arbeitnehmern aus dem Bauhaupt- und Baunebengewerbe, dem Garten- und Landschaftsbau sowie von Saisonaushilfen aus der Produktion und dem Versand“, sagte Ute Beckmann, Geschäftsführerin Operativ der Elmshorner Arbeitsagentur.

Die Nachfrage der Unternehmen nach Personal ist im Dezember saisonal üblich zurückgegangen. Arbeitgeber gaben insgesamt 532 sozialversicherungspflichtige
Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf – 135 weniger als im November. Arbeitskräfte waren vor allem in der Logistikbranche gefragt, insbesondere Lagerfachkräfte, Staplerfahrer und Kraftfahrer. Etliche Stellenangebote gab es zudem für Reinigungskräfte und Produktionshilfen in der Lebensmittelherstellung.

Doch nicht nur im Dezember entwickelte sich der Arbeitsmarkt positiv. „Der Arbeitsmarkt in unserer Region zeichnet sich weiterhin durch seine hohe Dynamik aus. Er ist ständig in Bewegung, Arbeitslosigkeit ist keine Einbahnstraße. Im vergangenen Jahr konnten 8832 Menschen ihre Arbeitslosigkeit mit der Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung beenden. Gleichzeitig meldeten sich weniger Menschen aus einem Job arbeitslos“, sagte Beckmann. Die meisten Arbeitgeber könnten ihr Personal ganzjährig auslasten. Dies sei Folge der guten Auftragslage. Aber auch der zunehmende Wettbewerb um Fachkräfte bewege viele Unternehmen, ihre eingearbeiteten Mitarbeiter langfristig
an sich zu binden, sagte Beckmann. Im Jahresverlauf meldeten sich im Kreis Pinneberg 8832 Menschen aus einer Beschäftigung neu arbeitslos. Dies waren 337 weniger als im Vorjahr.

Die Arbeitslosigkeit im Kreis Pinneberg insgesamt ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Im Jahresdurchschnitt waren 8595 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies sind 159 Personen oder 1,8 Prozent weniger als 2016. Die Arbeitslosenquote beträgt im Jahresdurchschnitt 5,0 Prozent und ist damit um 0,2 Prozentpunkte gesunken. Beckmann schränkt jedoch ein: „Die günstige Entwicklung bei der Zahl der Arbeitslosen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass am Arbeitsmarkt auch weiterhin große Herausforderungen warten. Die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, die Sicherung des Fachkräftebedarfs und die nachhaltige Integration Geflüchteter sind und bleiben die wichtigen Themen des Arbeitsmarktes.“

Zu den durchschnittlich 8595 Arbeitslosen kamen im vergangenen Jahr 3176 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren – überwiegend befanden sie sich in Qualifizierungen. Zu dieser Gruppe gehören auch geförderte Existenzgründer und krankgeschriebene Arbeitssuchende. Insgesamt 11 771 Personen befanden sich damit in sogenannter Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung ist im Vergleich zum Vorjahr gewachsen – um 298 Personen.
Ein Grund: Mehr Flüchtlinge waren in Sprachkursen oder Qualifizierungen. Zum Jahresende waren etwa 2300 Menschen aus Krisengebieten arbeitssuchend gemeldet. Die meisten galten jedoch nicht arbeitslos, da sie zum Beispiel noch berufliche Lehrgänge besuchten.

Langzeitarbeitslose hatten während der vergangenen Jahre von der guten Wirtschaftslage kaum profitiert – 2017 gab es dann aber eine positive Entwicklung, so die Agentur. Die Zahl der Menschen, die mehr als ein Jahr arbeitslos gemeldet war, ist im Vergleich zu 2016 um 199 oder 6,8 Prozent zurückgegangen. Im Jahresdurchschnitt waren jedoch noch immer 2720 Menschen und so fast jeder dritte Arbeitslose betroffen.

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