zur Navigation springen

Kult-Veranstaltung : Wings ’n’ Wheels lockt die Fans nach Heist

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Aus einem Treffen von drei Freunden entstand die Kult-Veranstaltung die erneut Fans auf den Flugplatz Heist lockte.

shz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 13:00 Uhr

Heist | „Tut das Not, dass der Lärm so leise ist?“ Der Ordner braucht keine Sorge zu haben: Viele Motoren, die um ihn herum laufen, tun das durchaus geräuschvoll, vorzugsweise mit kräftigem V-8-Geblubber. Gerade ist auf einem Anhänger röhrend ein altes amerikanisches Fahrzeug gestartet, rückwärts rollt das Gefährt runter und dreht eine Runde. Motorhaube und Türen fehlen, statt Windschutzscheibe hat der Fahrer einen Draht vor der Nase, die dicken Überrollbügel weisen das Gefährt als Stockcar aus, ein Fahrzeug für Crash-Rennen.

Hunderte Oldtimer und Spezialanfertigungen waren auf dem Flugplatz Heist zu bewundern. Wings ’n’ Wheels heißt die Veranstaltung, die dort von Freitag bis Sonntag zum dritten Mal stattfand. Die Idee: Besitzer besonderer Autos, Motorräder oder Flugzeuge treffen sich und viele Besucher zahlen Eintritt, um sich das anzugucken.

An den ersten beiden Tagen leidet das Ganze allerdings am Wetter: Der Regen verwandelt Parkplätze und Wege in Matschpisten, die Kunstflugvorführung muss wegen der tief hängenden Wolken immer wieder verschoben werden. „Sei nicht Annika, sei Pippi“, kommentiert Michael Ries die Umstände. „Wir haben trotzdem Spaß.“ Ries ist einer der drei Veranstalter, er sitzt im T-Shirt auf einem Quad – einem vierrädrigen Gelände-Motorrad –, permanent unterwegs, um steckengebliebene Autos freizuschleppen. Fahrzeug und Fahrer sind mit Matsch besudelt, aber Ries strahlt. „Der Veranstaltung werden die Flügel ein bisschen gestutzt“, lautet sein Fazit.

„Nicht weitergehen, er kann nicht bremsen“, warnt eine Frau die Passanten. Ein amerikanischer Van mit Anhänger soll mitten im Geschehen rangieren, der Fahrer erledigt das mit durchdrehenden Reifen und Schwung. Ein Stück weiter stehen auffallend saubere Autos, ziemlich neue und teure. Auf dem glänzenden Lack eines Coupés wischen zwei junge Frauen mit Schwämmen herum, begleitet von einem öligen Moderator: „Um so mehr Hitze, um so weniger werden die Damen tragen!“ Bisher posieren die beiden in Shorts und knappen Oberteilen, Gummistiefeln und Jacken.

Zu kaufen gibt es Antennenbälle, Ledersättel, Kleidung, Retro-Kühlboxen, an einigen Oldtimern hängen Verkaufsangebote. Mehrere Tätowier- und Piercingstudios stehen neben Tuning-Werkstätten und einem Stand für BMW Motorräder. Anzugucken gibt es vor allem das, womit die Besucher angereist sind. Hinter einem Zaun stehen die Flugzeuge: eine Antonov An-2, der größte Doppeldecker der Welt, Oldtimer, Kunstflieger, Hubschrauber. Die Reservisten-Kameradschaft Flugdienst ist mit zwei Maschinen angereist, die werden am Wochenende allerdings am Boden bleiben.

„Warte mal, ich muss mal kurz ein Auto retten“, Andreas Krüger verschwindet mit seinem Quad. Schnell ist er wieder da und erzählt die Geschichte von Wings’n’Wheels: Drei Freunde wollten sich treffen, einer mit seinem Flugzeug – das ist Christoph Becker, Geschäftsführer von Nordcopters – einer mit seinem Motorrad – das ist Matschpilot Michael Ries – und Andreas Krüger mit seinem Auto. „Einer konnte immer nicht“, sagt Krüger, also riefen die drei Wings’n’Wheels als großes Treffen ins Leben und sagten Freunden Bescheid. Mit dreitägigem Programm, Live-Bands und professioneller Organisation sorgen die Veranstalter in diesem Jahr zum dritten Mal für einen reibungslosen Ablauf und mit demonstrativer Lässigkeit für entspannte Stimmung. Krüger zeigt auf eine Reihe von Oldtimern: „Das sind die Barn Boys, die kommen mit bis zu 50 Fahrzeugen.“ Einer von ihnen trägt den Spitznamen Lalü und ist mit seinem GMC Half-Ton-Panelvan gekommen, einem Transporter, den er mit Kühlbox und Matratze ausgestattet hat und laut Zettel an der Windschutzscheibe für 25000 Euro verkaufen will. Mit Freunden sitzt er hinter den geöffneten Hecktüren unter einem großen Schirm beim Bier, die Gruppe ist schon gestern angekommen und hat laute Musik mitgebracht. Juliane aus Hamburg trotz dem Schmuddelwetter mit einem bunten Kleid im Retro-Stil. „Wegen der Autos und der Musik“ ist sie gekommen. Ihr Geld reicht nicht für einen Oldtimer, obwohl sie gern einen führe: „So ein Dodge wäre ganz schön“. „Ein Chevi?“, schlägt ihre Freundin vor. „Nein, ein Dodge, das wäre es schon.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen