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Die Sonntagsreportage : Wind in den Segeln der Optimisten fühlen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Mit leuchtend roten Wangen und Westen: Der Nachwuchs des Segel-Vereins Wedel-Schulau (SVWS) trotzt der Witterung auf der Elbe. Spaß steht im Vordergrund.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2015 | 18:23 Uhr

Wedel | Der Wind bläst über den Wedeler Elbstrand. Die Wolken sind grau verhangen und öffnen hin und wieder ihre Schleusen. Das Signal ist deutlich: Der Sommer ist vorbei. Doch des einen Leid ist ja bekanntlich des anderen Freud. Denn kräftige Luftströmungen werden gerade bei Freunden des Segelsports gern gesehen. Oder vielmehr gefühlt.

„Gut, die Sonne darf natürlich scheinen. So ist es nicht. Aber den Wind brauchen wir nun mal“, sagt Sven Pahnke schmunzelnd, der seit fast 30 Jahren Jugendobmann des Segel-Vereins Wedel-Schulau (SVWS) ist.

An dem Strandabschnitt der Rolandstadt, an dem bei schönem Sommerwetter viele Sonnenhungrige Mallorca-Feeling verbreiten, liegen jetzt acht Optimisten im Sand. „So nennen sich die Boote, mit denen unsere jüngsten Mitglieder aufs Wasser gehen, um die Grundkenntnisse des Segelns zu erlernen“, erklärt der Informatiker, bevor die Kids unter den Augen vieler Eltern die zuvor aus dem vereinseigenen Segelschuppen gezogenen Mini-Jollen seefähig machen.

Einer der Nachwuchssegler ist Daniel Herrmann. „Herrmann mit zwei ,r‘ und zwei ,n‘“, sagt der Zehnjährige ganz selbstbewusst, während er der schneeweißen „Verleihnix“ zu Leibe rückt, den Mast aufstellt, den Baum anbaut und mit der Spriet stabilisiert. Auch Schwert und Pinne dürfen neben Auftriebskörpern nicht fehlen, dann geht es schon ans Segel setzen.

Dafür, dass Herrmann erst seit diesem Frühjahr Praxisunterricht genießt, wirkt jeder Handgriff routiniert. „Man lernt einiges hier“, verrät der Schüler, der auch gleich noch einen seiner größten Träume verrät: Später will er mal ein eigenes Boot besitzen. Die laute Begrüßung von Chefcoach Michael Schröttke rüttelt ihn wach. Schröttke leitet an diesem Tag zusammen mit Yannik Gobla und Justus Klemme das gut 90-minütige Training in der kleinen Bucht vor Wedel.

Wenden, Halsen, einfaches Geradeausfahren und das Achten auf die korrekte Segelstellung stehen beim Nachwuchs auf dem Programm, der im Training auch Knotentechniken wie beim Kreuz- oder Achtknoten erlernt. „Die Trainer selbst fahren alle mit einem kleinen motorisierten Schlauchboot nebenher, damit sie schnell überall hinkommen, um Dinge zu erklären oder auch schon mal dem ein oder anderen über Bord gegangenen Schützling zurück ins Boot zu verhelfen“, erklärt Jugendobmann Pahnke, der selbst begeisterter Segelsportler ist.

Kinder erlernen Selbstständigkeit

Wenige Meter weiter guckt Skipper-Mutti Maike Oldach unter ihrem Regenschirm hervor. Sie wird so Zeugin, wie sich die Truppe, zu der auch ihre Töchter Cara und Insa gehören, in leuchtend roten Schwimmwesten mit ihren „Optis“ aufs Wasser begeben. „Ich finde es prima, dass meine Mädchen das Segeln lernen. Denn dadurch üben sie auch ein Stück weit, sich selbst zu kontrollieren und in der ein oder anderen Situation auch mal alleine klarzukommen“, so Oldach.

„Mehr als 120 Kinder gehören derzeit unseren Jugendgruppen an. Während Anfänger im Einschulalter bei den „Optis“ einsteigen, geht es danach für die Zwölf- bis 16-Jährigen bei den „Teenys“ weiter. Dann bereits zu zweit in einem Boot“, so Pahnke. Auch die „Piraten“ lässt er nicht unerwähnt. „Das sind moderne Zweimann-Jollen, die unsere 16-19-Jährigen segeln und damit auch regelmäßig an Regatten teilnehmen“, so der 50-Jährige. Während er spricht, treibt draußen auf dem Wasser ein „Opti“-Segler manövrierunfähig umher. Doch Justus Klemme ist sofort zur Stelle, um dem Jungen beim Befestigen des offenbar zuvor nicht richtig festgezurrten Segels behilflich zu sein.

Unterdessen ist Maike Oldach nun gefordert. Nach gut einer Stunde auf der heute etwas unruhigen Elbe ist Tochter Insa ins Wasser gefallen und trotz angemessener Kleidung ins Frieren geraten. „Sie hat genug für heute“, sagt Oldach lächelnd, bevor sie ihren Schützling zu den Umkleiden begleitet.

Schon bald begibt sich auch der Rest der Truppe ein wenig abgekämpft und mit geröteten Wangen zurück ans Ufer. Gerade in den jungen Altersstufen stünde der Spaß am Segeln im Vordergrund. Ohne Leistungsdruck. Wer jedoch auf Titel aus sei, erfahre im SVWS natürlich ebenso die volle Unterstützung. „Dass unsere Jugendlichen wiederholt die Teilnahmen an Deutschen und Europameisterschaften sowie an Olympischen Spielen ersegelten, spricht für die gute Ausbildung, die sie hier erfahren“, sagt Pahnke. Ganz aktuell sei der SVWS mit einem J24-Boot bei der Weltmeisterschaft in Boltenhagen mit am Start gewesen.

Ausbildung in Trainingslagern



Abgerundet werde das Nachwuchs-Programm laut Pahnke neben der praktischen und theoretischen Ausbildung in Vereinszentrum und Strandbad durch Unternehmungen. „Dazu zählen Kentertrainings, Trainingslager in und außerhalb von Wedel, Joungsters-Cup und ,Gefrierfleisch-Regatta‘. Neben den Beteiligungen an namenhaften Wassersportveranstaltungen wie der Kieler Woche oder dem Goldenen Pfingstbusch“, erklärt der Jugendobmann.

Zwischenzeitlich werden auch die letzten „Optis“ abgerüstet und gereinigt im Bootslager abgestellt. Schon morgen werden sie wieder in See stechen, die Nachwuchs-Skipper des SVWS, um zum Abschluss der Ausbildung den Nachweis zur Befähigung, ein Segelboot zu führen, auch in Papierform in den Händen zu halten. Da bleibt nur „Mast- und Schotbruch“ zu wünschen. Und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

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