Wind birgt Chancen und Risiken

<strong>Die neuen Monteurswohnungen</strong> gliedern sich ins Gesamtbild der Insel ein. <foto>Schramm-Group</foto>
Die neuen Monteurswohnungen gliedern sich ins Gesamtbild der Insel ein. Schramm-Group

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18. Februar 2013, 01:14 Uhr

Helgoland | In keinem anderen Ort im Kreis Pinneberg wird derzeit so viel gebuddelt wie in der gerade einmal 1400 Bürger starken Gemeinde Helgoland. So schnell wie möglich versuchen Bauherrn und Kommune, die Insel für den geplanten Servicehafen, von dem aus drei Offshore-Windparks unterhalten werden sollen, umzurüsten. So hat die Schramm-Group aus Brunsbüttel nach achtmonatiger Bauzeit zwei moderne Häuser auf Helgoland an den künftigen Mieter, den Windparkbetreiber RWE Innogy GmbH, übergeben. Die 30 Apartments mit einer Größe von 25 Quadratmetern sollen künfitg als Unterkünfte für Monteure genutzt werden, teilte das Unternehmen mit. "Bei der Entwicklung der Gebäude wurde auf die Einhaltung der einheitlichen Bauvorgaben für die Insel geachtet, so dass die bunten Gebäude sich gut in das Landschaftsbild von Helgoland eingliedern", sagte Schramm-Sprecher Frank Botter. In Erinnerung an die Ereignisse zum Jahreswechsel 1950/51, der friedlichen Besetzung der Insel durch die beiden Studenten Georg von Hatzfeld und René Leudesdorff, werden die Häuser deren Namen tragen. "Die einzelnen Wohneinheiten werden nach Gemeinden und Städten benannt, in denen die Helgoländer die Zeit der Evakuierung von 1945 bis 1955 verleben mussten", fügte Botter an.

Ob allerdings zügig Monteure in die Wohnungen einziehen werden, bleibt fraglich: Der von der im Jahr 2008 gegründeten Firma RWE Innogy geplante Nordsee-Windpark mit 295 Megawatt und einem Investitionsvolumen in Höhe von einer Milliarde Euro werde voraussichtlich erst Mitte 2014 statt wie geplant 2013 ans Netz angeschlossen. Die Verzögerung betreffe indirekt auch das zweite RWE-Windpark-Projekt in der Nordsee "Innogy Nordsee 1" mit zirka 330 Megawatt - etwa, weil das RWE-Installationsschiff länger am Bauort vor Helgoland gebunden sei.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland könnte nach Einschätzung von RWE-Chef Peter Terium ins Stocken geraten. "Die Risiken sind erheblich", sagte Terium. Der Stromkonzern sehe sich die Entwicklung kritisch an und müsse höllisch aufpassen, dass die Wirtschaftlichkeit der geplanten Windparks gewährleistet sei. Es sei möglich, dass Investitionen in britische Windparks rentabler seien. RWE sei kein reicher Stromkonzern mehr und müsse dann sehen, ob für Projekte in Deutschland noch ausreichend Mittel vorhanden seien, so Terium.

Ähnlich ist die Situation in der gesamten Branche. Mehrere Windparks sind in Arbeit, so zum Beispiel "DanTysk" an der deutsch-dänischen Grenze, ein Projekt des Energiekonzerns Vattenfall und der Stadtwerke München, oder "Global Tech I", 93 Kilometer nördlich von Juist. Mehrere andere Projekte wurden aufgeschoben. Terium hält die ursprünglichen Ausbauziele der Bundesregierung von zehn Gigawatt installierter Leistung bis 2020 oder 25 Gigawatt bis 2030 nicht mehr für erreichbar.

Genehmigungen für neue Offshore-Windparks liegen ausreichend vor, aber die Investoren klagen über unsichere Rahmenbedingungen. Dazu zählen die Anbindung der Windparks an das Stromnetz und die Vergütungen für den Strom, wenn das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) geändert wird. Ein Windpark kostet schließlich eine Milliarde Euro und mehr.

Unter unsicheren Bedingungen will kaum ein Investor ein solches Risiko eingehen, zumal es im europäischen Ausland ebenfalls Chancen für Offshore-Windparks gibt, vor allem in Großbritannien. Auch RWE betreibt bereits Windparks mit einer Leistung von mehr als 1000 Megawatt im Ausland und hat noch einmal die gleiche Leistung im Bau. Zum Vergleich: In der Nordsee sind gegenwärtig kaum mehr als 200 Megawatt installiert.

Für Norddeutschland ist der Ausbau der Offshore-Windenergie eine zentrale Frage der wirtschaftlichen Zukunft. Allein 14 Häfen haben sich darauf vorbereitet, beim Bau und Betrieb von Anlagen mitzuwirken; Werften hoffen auf Aufträge für Errichter- und Wartungsschiffe. Doch hängt die Branche einige Jahre hinter den Zeitplänen zurück; die Investitionen an der Küste drohen zu verpuffen.

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