Mensch des Jahres 2014 : Willy Matzen hat gewonnen

Fröhliche Gesichter nach der Wahl: Willy Matzen (mit Urkunde) und seine Frau Else (mit Blumen) nehmen die Glückwünsche von Kreispräsident Burkhard Tiemann, Chefredakteur Holger Hartwig, Bürgermeisterin Christiane Küchenhof, A.-Beig-Geschäftsführer Paul Wehberg und Ralf Höpfner, Sprecher der Flensburger Brauerei, entgegen.
Fröhliche Gesichter nach der Wahl: Willy Matzen (mit Urkunde) und seine Frau Else (mit Blumen) nehmen die Glückwünsche von Kreispräsident Burkhard Tiemann, Chefredakteur Holger Hartwig, Bürgermeisterin Christiane Küchenhof, A.-Beig-Geschäftsführer Paul Wehberg und Ralf Höpfner, Sprecher der Flensburger Brauerei, entgegen.

Der Schenefelder organisiert im Wohnviertel Krähenhorst einen regelmäßigen Treff für Kinder.

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02. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Willy Matzen aus Schenefeld ist der „Mensch des Jahres 2014“. Matzen organisiert seit etwa 15 Jahren im Schenefelder Wohnquartier Krähenhorst einen Treff für Kinder. In der Wahl – eine gemeinsame Aktion des A. Beig-Verlags, des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) und der Flensburger Brauerei – votierten die Leser dieser Zeitung für einen von sechs Kandidaten. Matzen vereinigte dabei die meisten Stimmen auf sich. Gestern wurden er und die übrigen Nominierten im Medienhaus A. Beig, in dem auch diese Zeitung erscheint, für ihr Engagement ausgezeichnet.

Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) gratulierte Willy Matzen mit einer sehr persönlich gehaltenen Laudatio: „Ich freue mich für dich und Schenefeld. Und wir sind stolz auf dich.“ Matzen und seine Frau hätten wesentlich dazu beigetragen, dass in einem schwierigen Umfeld eine enge Gemeinschaft aus Nachbarn gewachsen sei. Dazu gehörten die zahlreichen Feiern wie Sommer- und Weihnachstfeste. „Den besten Draht zum Weihnachtsmann hat Willy Matzen“, sagte Küchenhof. Er sei inzwischen zur Institution geworden. „Und ganz nebenbei hat er den Kindern wichtige Dinge fürs Leben mitgegeben. Er bietet ihnen Geborgenheit und Wärme. Und er vermittelt ihnen mit seiner humorvollen Art auch alte Werte wie Höflichkeit.“ In Richtung des Ehepaars Matzen sagte sie: „Ohne Menschen wie sie wäre unsere Welt kälter und ärmer.“

Im Gespräch mit Holger Hartwig, Chefredakteur dieser Zeitung, erinnerte sich Matzen an die besonderen Momente in seinem Viertel. Dazu gehörte die Einladung zur Hochzeit eines libanesischen Paares aus der Nachbarschaft. „Da waren mindestens 700 oder 800 Gäste. Es gab keinen Tropfen Alkohol. Und die Stimmung war trotzdem großartig. Einfach toll.“ Den Kräla-Treff, die Anlaufstelle für die Kinder, soll es auch in Zukunft geben. „Solange die Gesundheit mitspielt, machen wir weiter.“

Dass ehrenamtliches Engagement auch spontan enstehen kann, machten etwa die Nominierten Nicole Jung aus Elmshorn und die ehemalige Ellerhooperin Mireille-Christin Rehmann deutlich. „Es war eine fixe Idee“, sagte Jung, die nach einem Großbrand Spenden für die Betroffenen sammelte.

Die Bedeutung des Ehrenamtes

Und auch für Rehmann, die einen Spendenlauf für Menschen mit Multipler Sklerose organisierte, war das große Projekt ein Sprung ins kalte Wasser – der sich gelohnt hat. Es kamen 4500 Euro für die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) zusammen. Für Rehmann wurde es mit der guten Stimmung unter den Teilnehmern „ein wahnsinnig toller Tag.“

Kreispräsident Burkhard Tiemann (CDU) sagte zur Bedeutung des Ehrenamts: „Gemeinsinn ist ein Schatz, der gewahrt und gemehrt werden muss.“ Das Ehrenamt sei der Kitt der Gesellschaft, der auch gepflegt werden müsse. „Das geschieht auch durch öffentliche Anerkennung wie bei der Wahl zum Menschen des Jahres.“

Ralf Höpfner, der für die Pressestelle der Flensburger Brauerei arbeitet, sagte: „Es gibt weder Gewinner noch Verlierer. Ziel der Aktion ist es, die Projekte aller Nominierten vorzustellen.“ Dafür habe sich die Zusammenarbeit mit den Lokalredaktionen bewährt.

Im Einsatz für andere: Sechs Projekte in der Region Pinneberg

Sie tun es, ohne Geld zu bekommen. Und sie tun es, ohne einen Orden dafür zu erwarten: Viele Menschen in der Region engagieren sich ehrenamtlich. Die Redaktionen des Pinneberger Tageblatts, des Wedel-Schulauer Tageblatts, des Schenefelder Tageblatts, des Quickborner Tageblatts, der Elmshorner Nachrichten und der Barmstedter Zeitung haben stellvertretend sechs Projekte und die Köpfe dahinter für die Wahl zum Menschen des Jahres nominiert.

Willy Matzen etwa bietet mit seiner Frau Else seit 15 Jahren im Kräla-Treff in Schenefeld Freizeitprogramm für Kinder aus der Nachbarschaft an. Die Gruppe ist ein bunter Haufen, denn die Eltern der Kleinen kommen aus fast 30 verschiedenen Nationen. Die Matzens machen Ausflüge mit den Kindern oder beaufsichtigen sie, wenn sie sich zum Basteln oder Quatschen treffen. So haben er und seine Frau Else viel dazu beigetragen, den Ruf des Krähenhorsts, das als sozialer Brennpunkt galt, zu verbessern.

Gisela Maier aus Hasloh sucht mit anderen Helfern nach Spuren zur Geschichte des Henri-Goldstein-Hauses im Himmelmoor. Dort waren im Zweiten Weltkrieg jüdische Kriegsgefangene interniert. Maier und ihr Team kämpfen dafür, dass das Haus zur Gedenkstätte wird.

Nicole Jung aus Elmshorn hat sich für ehemalige Bewohner des Hochhauses an der Elmshorner Beethovenstraße eingesetzt. Im Juni verloren dort 160 Menschen nach einem Feuer ihr Obdach. Jung organisierte mit vielen Freiwilligen eine Spendensammelstelle. Fünf Wochen lang verteilten sie Kleidung, Lebensmittel und Möbel an die Betroffenen.

Jäger töten Tiere und haben mit Naturschutz nichts zu tun? Gegen dieses Vorurteil kämpft Helmut Fricke aus Moorrege, indem er im Haseldorfer Elbmarschenhaus Ausstellungen organisiert und Grundschulkindern die Themen Jagd und Natur näherbringt. Fricke entwirft Modelle mit Pflanzen und ausgestopften Tieren, die das Aussehen der Lebensräume sehr anschaulich machen.

Mireille-Christin Rehmann aus Klein Waabs im Kreis Rendsburg-Eckernförde (zuvor Ellerhoop) hat im Frühjahr mit dem MTV Ellerhoop und der Feuerwehr Ellerhoop den ersten MS-Lauf der Gemeinde organisiert. Rehmann hat 2013 selbst die Diagnose  erhalten, an Multipler Sklerose (MS) zu leiden. 4500 Euro Spenden kamen zusammen.

Rolf-Oliver Hertling, Chef des gleichnamigen Logistikunternehmens in Halstenbek, hat im Frühjahr eine Personalentscheidung getroffen, über die viele Medien berichteten. Er trennte sich von eigenen und externen Mitarbeitern, die im Internet rechtsradikale Parolen verbreiteten und sich dabei als Hertling-Mitarbeiter zu erkennen gaben.

In ganz Schleswig-Holstein haben die Leser der im Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) erscheinenden Tageszeitungen und die Nutzer von shz.de „Menschen des Jahres“ gewählt. Ausführliche Portraits aller Nominierten sind im Internet zu finden. Alle Regionalsieger nehmen an der landesweiten Wahl teil, die bis zum 31. Dezember läuft. Wer ins Rennen geht und wie die Leser abstimmen können, präsentiert diese Zeitung auf einer Doppelseite am kommenden Sonnabend, 6. Dezember. Wer per Telefon, SMS, Stimmzettel oder online abstimmt, kann eine Kamera, ein I-Pad oder einen Bluetooth-Lautsprecher gewinnen.
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