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Tangstedt : „Willkommen zurück in Tangstedt“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wie drei junge Eritreer eine Asyl-Odyssee erlebten.

Tangstedt | Sie strahlen um die Wette und können es kaum fassen: Dank des unermüdlichen Einsatzes von Sabine Hollinger, TSV-Vorsitzende und Sabine Sommerfeldt, ehrenamtliche Flüchtlings-Betreuerin, wohnen Semere (28), Matiwas (30) und Idris (31) seit wenigen Tagen wieder in Tangstedt. Dort, wo auch vier weitere Asylbewerber aus Eritrea untergebracht sind.

Angekommen waren die sieben jungen Männer im September vergangenen Jahres. Sie bezogen eine Doppelhaushälfte in Tangstedt. Bereitgestellt wird das Gebäude von der Kölln-Reisieker Firma „A & J“, die sich als Dienstleister darin spezialisiert hat, dem Kreis Pinneberg zugewiesene Flüchtlinge in eigenen oder gemieteten Wohnungen unterzubringen.

Schnell bemühten sich mehrere Gemeindevertreter und ehrenamtliche Helfer darum, die Gruppe ins Dorfleben zu integrieren: Deutschunterricht, Kino- und Spieleabende im Jugendzentrum, Mitgliedschaft im Sportverein und regelmäßiges Fußball-Training, Kochabende und vieles mehr wurde organisiert. Eifrig paukten die Eritreer Vokabeln und bemühten sich, das Gelernte anzuwenden.

So weit, so gut – doch dann der Schock: Anfang Januar bekamen Semere, Matiwas und Idris die Benachrichtigung, dass sie in wenigen Tagen umziehen müssen. Nach Quickborn, in die städteeigene Obdachlosenunterkunft. Denn die drei Männer waren nicht wie die anderen vier dem Amt Pinnau zugewiesen worden, sondern der Stadt Quickborn. Die wiederum bringt aus Kostengründen „ihre“ Asylbewerber bevorzugt in eigenen Gebäuden unter – wie beispielsweise im Obdachlosencontainer. „Am 13. Januar wurden sie dort hingebracht“, berichtet Hollinger, die die Räume in keiner guten Erinnerung hat. „Das Schlimmste war aber, dass sich niemand mehr um die Drei gekümmert hat“, so Hollinger. Darüber hinaus seien die Flüchtlinge von Mitbewohnern verbal bedroht und beschimpft worden.

Hollinger setzte alle Hebel in Bewegung, telefonierte mit der Verwaltung in Quickborn und dem Amt Pinnau, um herauszufinden, ob es möglich ist, die Gruppe wieder zusammenzubringen. „All unsere Bemühungen um Integration wären vergebens gewesen, das wollten wir nicht hinnehmen“, sagt Hollinger. Es dauerte nicht lang, da bekam sie von beiden Verwaltungen grünes Licht.

„Inzwischen war aber schon eine Familie mit zwei kleinen Kindern in die beiden Zimmer eingezogen“, berichtet Hollinger. Doch auch diese Hürde löste sie ganz pragmatisch: „In der anderen Haushälfte gibt es ein Schlafzimmer und ein großes Wohnzimmer mit Zugang zum Garten – das ist doch viel besser für die Kinder“, so Hollingers Überzeugung. Jetzt fehlte nur noch die Zustimmung des Hausbesitzers.

„Kein Problem, es war nicht unsere Intention, die Gruppe auseinanderzureißen“, betont Oliver Jess, einer der beiden Geschäftsführer von „A & J“ auf Nachfrage dieser Zeitung. Lediglich die offizielle Zuweisung der Stadt sei notwendig, um die drei Männer wieder nach Tangstedt umzusiedeln. Wenige Tage später rückte der Hausmeister des Gebäudes an und bereitete das Erdgeschoss für die vierköpfige Familie vor, während die drei Eritreer mit Jubel von ihren Landsleuten empfangen wurden.

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erstellt am 14.Feb.2015 | 15:00 Uhr

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