Vermüllung : "Wilder Müll" sorgt in Pinneberg für Unmut

Einfach nur dreist: An den Containern Elmshorner Straße/Hans-Hermann-Kath-Brücke in Pinneberg wurde eine Waschmaschine illegal entsorgt.
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Einfach nur dreist: An den Containern Elmshorner Straße/Hans-Hermann-Kath-Brücke in Pinneberg wurde eine Waschmaschine illegal entsorgt.

Der Bauhof musste mit 250 Einsätzen mehr als doppelt so oft wie im Vorjahr ausrücken, um Sperrmülll, Zement und sogar Schafskadaver von öffentlichen Flächen zu beseitigen.

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25. Januar 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | Die Stadtverwaltung Pinneberg schlägt Alarm: Die Anzahl der rechtswidrigen Abfallablagerungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. „Wurden die Mitarbeiter des Bauhofes 2015 noch bei insgesamt 108 Einsätzen eingesetzt, so waren es im vergangenen Jahr bereits mehr als 250 Einsätze“, berichtet Claudia Vahl vom kommunalen Servicebetrieb der Stadt Pinneberg (KSP). Die Schmutzfinken werden immer dreister. 

Die KSP-Mitarbeiterin plaudert aus dem Nähkästchen: „2015 wurden nur vereinzelt vermüllte Containerstationen, illegal abgelegter Sperrmüll oder Bauschutt und Hausmüll eingesammelt. Im vorigen Jahr hingegen wurde häufig wieder Abfall auf städtischen Flächen abgestellt, unmittelbar nachdem sie gerade gesäubert worden waren.“ Manche Flächen wie zum Beispiel den Wendehammer Auwiese habe man bis zu drei Mal die Woche reinigen müssen. Es gehe mittlerweile nicht mehr um kleine Müllbeutel, Pappkartons mit Papier oder Flaschen neben Containern – vielmehr werden ganze Zimmereinrichtungen mit Schränken und Sofas illegal entsorgt. Die Palette des rechtswidrig abgelegten Abfalls reiche von Autoreifen über Sessel bis hin zu Wolldecken oder Zement. Vahl geht weiter ins Detail: „Kinderwagen oder Fernseher werden vermehrt bei diversen Containerstationen abgestellt. Selbst Kartons mit persönlichen Gegenständen wie Modeschmuck, Schlüsseln, Uhren und Kinderspielzeug werden auf einem Parkplatz oder Grünstreifen abgelegt“, so Vahl. Der abscheulichste Fund des Jahres 2017: in Mülltüten verpackte Schafskadaver an der Containerstation Berliner Straße.

Die Folgen der Vermüllung und der damit einhergehenden Entsorgung: Erhöhte Kosten für den Bauhof, der für Mengen von bis zu fünf Kubikmetern zuständig ist, und erheblicher Frust bei dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir sind sehr genervt und verärgert über die Gedankenlosigkeit, die hinter so einem Verhalten steht.“ Es sei einfach respektlos, seinen Müll irgendwo abzustellen und zu denken, „dass unsere Mitarbeiter den teils äußerst ekelhaften Kram schon irgendwie wegräumen werden, denn sie werden ja schließlich dafür bezahlt“, stellt Vahl klar. Sie erinnert daran, dass die Arbeitszeit jedes einzelnen Mitarbeiters besser für die Instandsetzung der Straßen, Wege, Plätze, für die Grabenreinigung oder für die Reinigung und Instandsetzung im Bereich der Spielplätze genutzt werden könnte, anstatt dafür, den Müll anderer Leute zu entsorgen.

Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) appelliert deshalb an die Bürger, mehr Gemeinsinn zu zeigen. „Die Schmutzfinken müssen endlich aufhören, die Stadt vollzumüllen und so die Gemeinschaft zu schädigen. Legale Entsorgungsmöglichkeiten gibt es schließlich genug.“ Sie erinnert an die jährliche Laubaktion der Stadt auf dem KSP-Gelände, an die kostenlose Entsorgung von Sperrmüll und Elektroschrott durch die GAB und das Schadstoffmobil, dessen feste Termine in der Abfallfibel stehen. Außerdem macht die Bürgermeisterin deutlich: „Abfall illegal zu entsorgen ist zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Wer erwischt wird, der wird bestraft.“ Vielen Bürgern passe das Verhalten der Müll-Frevler ebenso wenig wie der Stadt. Sie melden ihre Beobachtungen dem Ordnungsamt oder der Polizei.

Wer erwischt wird, muss zahlen: Es drohen Bußgelder bis maximal 50 000 Euro, sagte gestern Kreissprecher Oliver Carstens auf Anfrage. Bei gefährlichen Abfällen wie Altöl und Chemikalien sogar bis 100 000 Euro. „Dies kann auch eine Straftat darstellen“, so Carstens.

Im November vergangenen Jahres hatte der Pinneberger SPD-Ratsherr Herbert Hoffmann bereits auf das Problem „Wilder Müll“ aufmerksam gemacht. Er schlug vor, die Containerstandorte mit Kameras zu versehen. „Es sind Leute, denen alles egal ist. Es muss härtere Strafen geben. Alles andere geht nur zu Lasten derer, die sorgsam und vernünftig mit ihrem Müll umgehen“, sagte er gestern auf Anfrage. Möglicherweise könnten an gewissen Schwerpunkten Kameras Abhilfe schaffen, sagte Kreissprecher Carstens. „Aber dies ist Spekulation.“ Lokale Schwerpunkte gebe es nicht im Kreis Pinneberg. „Es verteilt sich über das gesamte Kreisgebiet, wobei die größeren Städte mehr betroffen sind“, sagte er. Trauriges „Highlight“ im Kreisgebiet: Im April 2016 wurden in Bullenkuhlen etwa 100 bis 150 Altreifen auf einem Feldweg unzulässiger weise entsorgt, so Carstens.

Der Kreis Pinneberg sei bei illegaler Abfallentsorgung erst ab einer Menge von über fünf Kubikmeter zuständig. 2016 gab es etwa 60  bis 70  Fälle von Müllablagerungen in dieser Menge im Kreis. Sechs Mals wurde die Abfuhr beauftragt. Die Kosten für den Kreis belaufen sich dabei auf etwa 3000 bis 4000 Euro. Das Fallaufkommen im Jahr 2017 sei ähnlich hoch. Aber es gebe auch Lichtblicke, so Steinberg. So führt die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde jedes Jahr am 1.  Januar eine Aufräumaktion in der Fußgängerzone durch, und viele Bürger beteiligen sich an der Aktion Sauberes Schleswig-Holstein. Steinberg: „Es wäre schön, wenn es Nachahmer fände.“


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