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Mit Kommentar : Wilde Müllkippen in SH: Teuer und gefährlich

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wilde Müllkippen sind in Schleswig-Holstein zu einem großen Problem geworden. Allein in Kiel musste die Stadt zuletzt 166.000 Euro für den oft gefährlichen Abfall aufbringen. In Lübeck waren es 52.000 Euro.

Kiel | Gartenabfälle am Waldrand, Sperrmüll auf Parkplätzen, alte Autoreifen oder - wie zuletzt in Groß Offenseth-Aspern - Dämmwolle auf Feldern: In Schleswig-Holstein sind wilde Müllkippen ein großes Problem. In Kiel lagen die Kosten für die Entsorgung zuletzt bei 166.000 Euro, in Lübeck bei 52.000 Euro, und der Kreis Rendsburg-Eckernförde muss jährlich 25.000 Euro aufwenden. Das ergaben sh:z-Recherchen.

Die Liste der Vergehen ist lang, zwei Beispiele: Vergangenen November warfen Umweltfrevler 200 Altreifen und zehn Kanister mit Altöl ins Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer bei Lübeck. Auf Feldwegen im Kreis Rendsburg-Eckernförde landeten unter anderem asbesthaltige Wellzementplatten, Dachpappe und Dämmwolle.

„Die meisten Kosten fallen bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle an“, sagt Martin Schmedtje, Sprecher des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Vergangenes Jahr rückten Mitarbeiter 73-mal aus, um wilde Müllkippen zu beseitigen. „Hinzu kommen die Müll-Einsätze der Straßenmeistereien, die nicht gezählt werden.“

Der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel führt eine genaue Statistik

Der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel führt über die „wilde Abfall- und Sperrmüllentsorgung“ eine genaue Statistik. So wurden von August 2015 bis März 2016 im Stadtgebiet 1721 illegale Fälle erfasst. In den vergangenen sechs Jahren waren es mehr als 8000. 50 Prozent des Abfalls, überwiegend Sperrmüll, liegen in Gaarden-Ost und -Süd. Aber auch Stadtteile mit vielen Kleingärten stechen heraus, weil man sich dort seiner Gartenabfälle entledigt.

„In Kiel sind die Entsorgungskosten um fast 40.000 Euro gestiegen“, sagt Barbara Müller vom Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel. Zahlen muss die Allgemeinheit. „Die Ermittlung der Verursacher durch sogenannte Mülldetektive ist gescheitert“, bilanziert Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Nun will die Stadt die Bußgelder verschärfen, da deren bisherige Höhe in Verbindung mit der geringen Aufklärungsrate „kaum abschreckend“ wirke. Außerdem verteilen City-Scouts Faltblätter mit Informationen in fünf Sprachen. Zum Beispiel: „Sperrgut, erst anmelden – dann rausstellen.“

Täter werden selten ermittelt

Die Lübecker Verwaltung, die vergangenes Jahr 630 wilde Müllkippen beseitigte, betont: Die Polizei versucht, in jedem Einzelfall die Verursacher zu ermitteln. „Das gelingt aber meistens nicht“, gibt Stadtsprecherin Nicole Dorel zu. „Wir entsorgen den Müll möglichst umgehend, um einer Nachahmungswirkung entgegenzutreten.“ Immerhin wurden 133 der Umweltsünder erwischt und damit weit mehr als in den Vorjahren. Sie zahlten insgesamt 3410 Euro an Buß- und Verwarngeldern.

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde bemühe sich, durch ein engmaschiges Netz an Recyclinghöfen in Verbindung mit günstigen Gebühren einen Anreiz zu schaffen, Abfälle ordnungsgemäß zu beseitigen, wie Sprecher Schmedtje erklärt. „Gleichzeitig versucht die Polizei, durch Pressemeldungen die Verursacher zu ermitteln.“ Im vergangenen Jahr war das leider in neun von zehn Fällen nicht möglich, nur 1360 Euro Bußgeld kamen zusammen.

Eine rühmliche Ausnahme spielt der Kreis Dithmarschen. In der ehemaligen „Bauernrepublik“ seien wilde Müllkippen selten, sagt Kreissprecherin Melanie Kaacksteen. Mit 47 Fällen hätten illegale Entsorgungen die Kreiskasse 2016 gerade mal mit 1790 Euro belastet. „Wir haben ein bürgerfreundliches Angebot für die Entsorgung, wer die nicht nutzt, dem fehlt es Einsicht.“ Und diese wird hart bestraft. 7750 Euro an Bußgeldern flossen in die Kasse.  

Kommentar: Nur durch Abschreckung

Im Frühjahr startet sie vielerorts wieder: Die Aktion „Saubere Landschaft“. Dann sammeln Bürger Müll ein, den andere einfach in die Natur geworfen haben. Früher ging es dabei um Zigarettenschachteln, Pappbecher oder Plastiktüten. Mittlerweile hat der Umweltfrevel jedoch größere Dimensionen angenommen. Von Kühlschränken über alte Autoreifen bis hin zu Kanistern mit Altöl – alles wird illegal entsorgt. Und es wird mehr, sagen die Behörden unisono.

Grundsätzlich muss man zwei Typen von Umweltsündern unterscheiden: Typ A stellt seinen Kram ganz ungeniert an die Straße. Er ist meist in größeren Städten zu finden, und man darf davon ausgehen, dass ihm jegliches Unrechtsbewusstsein fehlt. Seine Devise lautet: Sollen sich doch andere um meinen Müll kümmern. Typ B hingegen hat ein starkes Unrechtsbewusstsein, weshalb er in der Dämmerung verschämt über Feldwege tuckert, bis er sich unbeobachtet fühlt. Meist hat er richtig illegale Fracht an Bord, Bauschutt oder alte Dämmplatten zum Beispiel. Er will Geld sparen und nimmt dafür gerne ein Bußgeld in Kauf. 

Für wilden Müll müssen letztlich alle bezahlen. Wie also können die beiden unterschiedlichen Typen eingefangen werden? Der Kreis Dithmarschen hat ein bürgerfreundliches Angebot mit kurzen Wegen geschaffen und liegt damit offenbar genau richtig. „Wenn Abfälle illegal entsorgt werden, liegt dies nicht an fehlenden Entsorgungsmöglichkeiten, sondern an der fehlenden Einsicht“, sagt die Sprecherin. Und um genau die geht es: Einsicht. Ist sie nicht aus Liebe zur Natur gegeben, können möglicherweise saftige Bußgelder helfen. Deren Höhe ist in Schleswig-Holstein nämlich durchaus ausbaufähig. Für Bauschutt oder Bodenaushub mit schädlichen Verunreinigungen werden gerade mal 600 Euro fällig. Zu wenig, um abschreckend zu wirken.

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erstellt am 27.Feb.2017 | 10:00 Uhr

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