Tornesch : Wiedersehen mit Freunden

In seinem Element: Mahdi Habibpur (Mitte) geht in seiner Rolle als Trainer der Fußballerinnen des FC Union Tornesch auf.
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In seinem Element: Mahdi Habibpur (Mitte) geht in seiner Rolle als Trainer der Fußballerinnen des FC Union Tornesch auf.

Mahdi Habibpur wird beim Spiel zwischen Iran und Argentinien mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

shz.de von
20. Juni 2014, 11:59 Uhr

Tornesch | Wenn morgen um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Nationalhymne Irans im Estádio Mineirão ertönt, wird der Puls von Mahdi Habibpur in die Höhe schnellen. Zwar befindet sich der 24-Jährige über 9.000 Kilometer vom brasilianischen Belo Horizonte entfernt, wird die Partie gegen den Favoriten Argentinien auf dem heimischen Sofa verfolgen und dennoch verbindet den Trainer der Fußballerinnen des FC Union Tornesch weitaus mehr mit der iranischen Nationalmannschaft als der pure Patriotismus.

„Ich habe mich mit drei Spielern aus dem iranischen Kader mehrfach selbst auf dem Platz duelliert. Mit der Zeit entwickelten sich sogar echte Freundschaften. In den letzten Jahren ist der Kontakt leider ein wenig abgebrochen“, sagt der ehemalige Akteur des TSV Uetersen. Bei den drei Nationalspielern handelt es sich um Amir Hossein Sadeghi, Andranik Teymourian und Khosro Heydari, die allesamt beim iranischen Erstligisten Esteghlal Teheran Football Club unter Vertrag stehen.

Beim Klub aus der Hauptstadt sollten sich vor über zehn Jahren auch die Wege von Habibpur und den drei WM-Teilnehmern kreuzen. „Ich spielte damals für eine Jugendmannschaft von Esteghlal und wir haben mehrmals gegen eine ältere Auswahl trainiert, für die Amir, Khosro und Andranik aufliefen. Nach einiger Zeit haben wir auch abseits des Platzes Zeit miteinander verbracht“, blickt der Übungsleiter zurück. Wenige Jahre später sollten sich die Wege der vier Kicker jedoch trennen.

Habibpur zog es 2006 nach Deutschland, wo er sich fortan nicht mehr seiner Spieler-, sondern vielmehr einer frühen Trainerkarriere widmete. Einen Schritt, den der ehemalige Mittelstürmer nicht bereut. „Ich habe in meiner bisherigen Zeit in Deutschland sehr viel über den Fußball und das Leben gelernt. Ich bin froh, wo ich bin“, sagt der Coach, der angesichts des Turniers in Brasilien dennoch einen Hauch Wehmut verspürt. „Es wäre natürlich ein Traum für sein Land bei einer Weltmeisterschaft aufzulaufen und gegen Spieler wie Lionel Messi anzutreten. Wäre ich im Iran geblieben, hätte ich sicherlich einige Jahre vom Fußball leben können. Ob ich den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft hätte, ist eine andere Frage“, gesteht Habibpur. Stattdessen freut sich der Übungsleiter, das Duell gegen Argentinien vor dem TV-Gerät verfolgen und sich dabei neue taktische Elemente für sein eigenes Training aneignen zu können.

Gelingt dem Team Melli, wie die Elf daheim genannt wird, ein Überraschungserfolg gegen Messi und Co. wird der 24-Jährige morgen Abend zum Handy greifen und seinen alten Weggefährten eine Nachricht schicken. „Hoffentlich sind die Nummern noch aktuell“, schmunzelt Habibpur.

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