Wieder Ärger um Kommandeursvilla

Seit dem Verkauf im März 2016 sorgt der neue Eigentümer der 1936 erbauten und denkmalgeschützten Kommandeursvilla neben der Marseille-Kaserne für Schlagzeilen.
Seit dem Verkauf im März 2016 sorgt der neue Eigentümer der 1936 erbauten und denkmalgeschützten Kommandeursvilla neben der Marseille-Kaserne für Schlagzeilen.

Investor entkernt denkmalgeschütztes Gebäude / Kreis fordert zum Rückbau auf, Verursacher klagt / Fall gilt als rechtlich unstrittig

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10. Januar 2019, 16:57 Uhr

Seitdem die unter Denkmalschutz stehende Kommandeursvilla an der Appener Marseille-Kaserne 2016 von der Bundeswehr an einen Investor verkauft wurde, ist das 1936 erbaute Gebäude wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem, weil der Eigentümer das Gebäude ohne Genehmigung zum Teil entkernt hatte. Der Kreis Pinneberg ordnete daraufhin an, den Originalzustand wieder herzustellen. Dagegen klagt der Eigentümer. Laut Informationen unserer Zeitung ist der Investor bekannt für dieses Vorgehen am Rande der Legalität.

Der Reihe nach: Im März 2016 hatte eine Hamburger Immobilienfirma das geschützte Gebäude, das für den Gebrauch als Kommandeurswohnhaus für die Bundeswehr obsolet geworden war, gekauft. Im selben Monat fiel der neue Investor in der Gemeinde erstmals negativ auf, weil er 3000 Hektar des die Villa umgebenden Waldes gerodet hatte – hinter einem eigens angebrachten Sichtschutz. Im Bauauschuss der Gemeinde Appen hatte das damals für Aufruhr gesorgt, war aber rechtlich nicht anzufechten. Eine eventuelle zusätzliche Wohnbebauung schlossen die Politiker aber damals wie heute aus. Bügermeister Hans-Joachim-Banaschak (CDU) erläutert auf Nachfrage unserer Zeitung: „Das Wohnen in dem bestehenden Gebäude ist laut Flächennutzungsplan erlaubt. Einer weitergehenden Bebauung mit Wohnraum werden wir aber keinesfalls zustimmen.“ Das sei ohnehin gar nicht möglich. „Das Gelände liegt im Außenbereich. Dort darf erst gebaut werden, wenn im Innenbereich alle Flächen ausgeschöpft sind. Und das ist bei uns nicht der Fall.“ Es sei eine ab und an beobachtete Taktik in der Branche, erst Tatsachen zu schaffen und zu hoffen, dass die Kommunen dann nachziehen, um immerhin noch das Beste daraus zu machen. „Sollte das die Absicht gewesen sein, ist er bei uns schief gewickelt“, verkündet Banaschak.

Der Investor beschränkte sich jedoch nicht nur auf den Außenbereich. Auch im Innenraum hatte er das denkmalgeschützte Gebäude ohne Genehmigung zu entkernen begonnen. Unter anderem soll er Fußböden herausgerissen, Putz von den Wänden geholt und originale Fliesen entfernt haben. Bei einer Routinekontrolle sei das dem Denkmalschutz des Kreises im Dezember 2016 aufgefallen. Die Behörde reagierte: Der Bau wurde stillgelegt. Darüber hinaus verfügte der Kreis den Rückbau des Gebäudes. Antje Metzner, Denkmalpflegerin des Kreises Pinneberg, sagt dazu: „Das Gebäude wieder in den Originalzustand zu versetzen ist glücklicherweise technisch möglich.“

Kreissprecher Oliver Carstens betont: „Ob hier sogar eine vorsätzliche Handlung vorliegt, wird das Gericht entscheiden.“ Wenn der Verursacher mit Kalkül und Vorsatz gehandelt haben sollte, könnte sein Eingriff nach Paragraf 18 und 19 des Gesetz- und Verordnungsblatts Schleswig-Holstein sogar als Straftat gewertet werden – und möglicherweise eine schwerere Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Gefängnis nach sich ziehen. Eine Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld ist die nicht genehmigte Entkernung in jedem Fall.

„Aus laufenden Gerichtsverfahren darf ich keine Informationen heraus geben. Ich kann aber bestätigen, dass der Investor gegen die Anordnung des Kreises auf Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes geklagt hat.“ Aussicht auf Erfolg hat diese Klage nach Carstens’ Einschätzung kaum: „Die Sach- und Rechtslage ist für uns sonnenklar, ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass das Gericht unserer Auffassung folgt.“ Der Denkmalschutz des Kreises Pinneberg werde nicht nachgeben. Bis zum Verhandlungsbeginn könne es noch ein Jahr dauern.

Nach Recherchen unserer Zeitung war der Investor in der Vergangenheit wegen ähnlicher Vorgehensweisen am Rande der Legalität aufgefallen. Bei dem Verkauf seien die Finanzen jedoch ausschlaggebend gewesen. Hartwig Hardell von der Bundesanstalt, zuständig für den Verkauf der Villa, sagte 2016 gegenüber unserer Zeitung: „Wir haben das Objekt an den Verkäufer veräußert, der das beste Kaufpreisangebot abgegeben hat.“

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