Kreis Pinneberg : Wie verändern sich Kindheit und Jugend im Zeitalter von Internet und Smartphone?

Führten durch den Informationsabend: Die Koordinatoren für Medienkompetenz im Kreis Pinneberg, Jörn Folster (l.) und Silvia Stolze, mit Referent Joszi Sorokowski.
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Führten durch den Informationsabend: Die Koordinatoren für Medienkompetenz im Kreis Pinneberg, Jörn Folster (l.) und Silvia Stolze, mit Referent Joszi Sorokowski.

Neue Medien: Erster Informationsabend für Eltern stößt auf großes Interesse. Experte warnt vor Internet-Handys für Grundschulkinder.

shz.de von
21. Mai 2015, 12:15 Uhr

Kreis Pinneberg | Wenn digitale Einwanderer zusammenkommen, dann fallen Sätze wie „Die Digitalisierung ist die stärkste Umwälzung seit der industriellen Revolution“ und „Wir können nicht auf unseren Erfahrungsschatz zurückgreifen, deshalb sind wir auf breiter Front überfordert“. Digitale Einwanderer sind in diesem Fall Eltern, von denen am Dienstagabend mehr als 100 in die Drostei kamen. Das Netzwerk Medienkompetenz im Kreis Pinneberg veranstaltete den ersten Informationsabend zum Thema „Wie verändern sich Kindheit und Jugend im Zeitalter von Internet und Smartphone?“, der sich an Eltern richtete. Unter den Eltern gebe es großen Bedarf an Ratschlägen, sagte Silvia Stolze, eine der beiden Koordinatoren für Medienkompetenz.

Referent Joszi Sorokowski, als Medienproduzent- und pädagoge selbst Mitglied im Netzwerk, machte die Tragweite der Veränderungen deutlich: Digitale Medien, so der Elmshorner, seien eine Sozialisationsinstanz, die fast gleichberechtigt neben Elternhaus, Schule und Freundeskreis steht. Auch Zahlen hatte der Experte parat: 96 Prozent aller Haushalte, in denen Kinder zwischen sechs und 13 Jahren leben, sind online. Sieben Prozent verfügen sogar über einen Internetzugang im Kinderzimmer.

Die befürchteten Folgen – sie bleiben größtenteil aus. Laut Sorokowski, der sich auf Studien bezieht, weiß diese Generation so viel über die Welt wie keine vor ihr und es wird so viel gelesen wie nie zuvor. Aber: Die Direktkommunikation nimmt ab, sagt er. Sorokowski, der zwei 15-jährige Töchter hat, warnte dennoch davor, die Kinder sich selbst zu überlassen. „Die Fähigkeit, digitale Medien zu nutzen, ist nicht angeboren.“ Kinder hätten zwar eine große Gerätekompetenz, „aber hinsichtlich der Hinterfragung zeigen sie sich uninformiert und desinteressiert.“

Der Bildungsreferent spricht den Eltern eine zentrale Rolle zu: „Sie stellen die Weichen für die Mediennutzung Ihrer Kinder.“ Und das beginne beim eigenen Verhalten. Zudem appellierte der Vater an die anderen Mütter und Väter im Raum: Wer viele Bilder von seinen Kindern im Internet veröffentliche, vermittele den Eindruck, sie kämen aus einer Familie, die nichts für sich behalten könne.

Das Netzwerk Medienkompetenz im Kreis Pinneberg gibt es seit etwa eineinhalb Jahren. Um die Förderung der Medienkompetenz konkret zu machen und etwa in Schulen weiter zu fördern, haben sich Vertreter von Kreis- und Landesebene zusammengeschlossen. Koordinatoren sind Jörn Folster und Silvia Stolze.

Allen Ratlosen gab der Experte Tipps. So sei es bei Kindern bis drei Jahre wichtig, statt zu elektronischen Medien zu Büchern und Hörbüchern zu greifen. In der Vorschul-Phase sollten die ersten Regeln formuliert und ein Benutzerkonto mit Kinder- und Jugendschutzseiten eingerichtet werden. Grundschulkinder sollten laut Sorokowski kein Handy mit Internetzugang bekommen.

Die Eltern waren für Vorschläge dankbar. Regeln aufstellen, Ansprechpartner sein, die Mediennutzung begleiten – keine leichte Aufgabe. Zeit zu finden sei bei der Erfüllung dieser elterlichen Pflichten die größte Herausforderung. „Wir müssen uns mehr kümmern und gleichzeitig gibt es immer weniger Raum das zu tun“, sagte Ilka Gohla, Schulelternbeiratsvorsitzende der Grund- und Gemeinschaftsschule Pinneberg.

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