Wie sportfreundlich ist die Stadt?

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Kommunalwahl am 6. Mai: Die Sportallianz Pinneberg fragt, die Kandidaten antworten / Vereine leben vom Ehrenamt / Triathlon ab 18 Uhr

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13. April 2018, 16:00 Uhr

Die Sportallianz Pinneberg möchte von den Kandidaten von CDU, SPD, Grünen und Unabhängigen, Bürgernahen und FDP wissen, was sie nach der Kommunalwahl am Sonntag, 6. Mai, für die Förderung der körperlichen und somit auch geistigen Ertüchtigung in der Kreisstadt tun wollen. In unserer Serie stellen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Fragen und die Antworten vor.

Ist Pinneberg Ihrer Meinung nach eine sportfreundliche Stadt? Wenn ja, warum, und wenn nein, warum nicht?

Dietrich Drechsler (CDU): Sportfreundlich ist ein nicht definierter Begriff. Jeder kann darunter etwas anderes verstehen. Angesichts von zirka 12 000 organisierten Sportlern, dazu 57 Prozent Anteil von selbst organisierten Sportlern, 24 Sportvereinen sowie 24 Sportanlagen sage ich ja, Pinneberg kann als sportfreundliche Stadt bezeichnet werden.

Herbert Hoffmann (SPD): Ja, auch wenn nicht immer und sofort alle Wünsche Erfüllung finden oder finden können, ist Pinneberg mindestens auf einem guten Weg. Es ist unser erklärtes Ziel, diesen Weg auszubauen und für eine sportfreundliche Stadt Sorge zu tragen.

Dieter Schott (Grüne und Unabhängige): Ja, Pinneberg ist eine sportfreundliche Stadt. Dies lässt sich schon aus dem Ergebnis der Umfänge für den Sportentwicklungsplan ablesen. Nicht um sonst liegt der Durchschnitt der sportlich Aktiven in Pinneberg höher als der Bundesdurchschnitt. Das liegt aus unserer Sicht zum einen an den Vereinsstrukturen, zum anderen an den Möglichkeiten, in direkter Wohnortnähe noch relativ viel Grünland und Bewegungsräume zu haben. Dies wird sich leider in naher Zukunft ändern, wenn es nach der Verwaltung geht. Was man aber in dem Zusammenhang nicht übersehen sollte, ist die Tatsache, dass nach Erhebungen der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein der Sportsektor rund fünf Milliarden Euro an Wertschöpfung erbringt und damit rund 2,8 Prozent des Umsatzes der schleswig-holsteinischen Privatwirtschaft entspricht. Da in der zugrunde liegenden Statistik weder der öffentliche Sektor noch das Handwerk und Freie Berufe mit enthalten sind, liegt der tatsächliche absolute Wert höher. Der Effekt der Querschnittsbranche Sport auf dem Arbeitsmarkt ist damit größer als beispielsweise derjenige der Querschnittsbranche „Maritime Wirtschaft“, ein anderer wichtiger Wirtschaftszweig in Schleswig-Holstein. Das bedeutet im Umkehrschluss, der Sport ist ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig nicht nur in Schleswig-Holstein sondern auch in Pinneberg, der nicht vernachlässigt werden darf, sondern dringend gefördert werden sollte. Hier ergibt sich die Change, einen sauberen Wirtschaftszweig zu fördern.

Kai Thron (Grüne und Unabhängige): Ich würde eher sagen nein. Bei Pinneberg denke ich nicht zuerst an Sport und tolle Sportstätten. Über die letzten Jahre wurde einfach wenig investiert in die Sportstätten, daher der schlechte Zustand. Es gab keine Zukunftspläne, keinen Motor für den Sport. Andere Themen waren den Lenkern der Stadt wichtiger. Das finde ich persönlich schade, weil ich genau weiß, wie wichtig Sport für ganz viele Pinneberger ist.

Anja Hißnauer (Bürgernahe): Ja, es gibt viele Möglichkeiten, auch für nicht Vereinsmitglieder (Schwimmbad, BMX-Bahn, Trimmpfad und so weiter).
Werner Mende (FDP): Pinneberg hält sich für eine sportfreundliche Stadt, weil sie viele Sportvereine hat. Das kann aber nicht das Kriterium sein, weil sie dafür eigentlich nichts kann. Pinneberg hat eine Sportförderrichtlinie, die in mehreren Paragraphen die Bezuschussung von Maßnahmen der Sportvereine regelt. Investitionen können von der Gemeinde und dem Kreis bezuschusst werden. Der Kreis überweist die Zuschüsse aber nur, wenn die jeweilige Gemeinde das auch tut. Im Kulturbereich hat der Kreis diesen Zusammenhang aufgelöst, will es aber im Sportbereich nicht nachholen. Leider hat sich Pinneberg darum auch nicht bemüht. Da Pinneberg die einzige Gemeinde im Kreis ist, die keine Zuschüsse zahlt, heißt das, dass alle Pinneberger die Sportvereine im Kreis – außerhalb Pinnebergs – mittels Kreisumlage unterstützen.


Das Ehrenamt attraktiver machen

Welche konkreten Vorschläge haben Sie/Ihre Partei, um das ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt attraktiver zu gestalten?

Drechsler (CDU): Wir können stolz auf die vielen Pinneberger sein, die sich in so vielen Bereichen für uns ehrenamtlich betätigen. Ehrenamtliche kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und übernehmen teilweise auch Aufgaben, die die Stadt nicht zu leisten vermag. Dafür bedankt sich die CDU bei allen. Für Pinneberg möchten wir uns deswegen für eine Ehrenamtskarte einsetzen. Sie soll als ein kleines Dankeschön für diejenigen gedacht sein, die sich für andere einsetzen und für ihre ehrenamtliche Arbeit keine Aufwandsentschädigung erhalten. Vorbild ist uns die Stadt Schenefeld.

Hoffmann (SPD): Wir müssen ehrlich bleiben: Als Stadt Pinneberg sind unsere Möglichkeiten da beschränkt. Aber auf Bundesebene sind im Koalitionsvertrag einige interessante Punkte aufgeführt: Von der Finanzierung von zivil- und ehrenamtlichen Initiativen mit gemeinnützigen Zwecken über Spenden- oder Crowdfunding-Plattformen bis zur steuerlichen Entlastung ehramtlich tätiger Bürgerinnen und Bürgern. Als Kommunalpolitiker müssen wir vor allem an die Stadtverwaltung appellieren, den Aktiven in den Vereinen keine unnötige Bürokratie aufzubürden und ihnen ihre wichtige Arbeit so einfach wie möglich zu machen.

Schott (Grüne und Unabhängige): In diesem Punkt sind wir uns, glaube ich, alle einig, dass das Ehrenamt wieder einen besseren Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen muss. Dies können wir nur erreichen, wenn wir hier ein Umdenken in der Gesellschaft hinbekommen. Ehrenamt muss, wie das Wort schon sagt, wieder zu Ehre führen und nicht als normal hingenommen werden. Dies wird sicher in der heutigen Leistungsgesellschaft schwer werden, aber wie auch in anderen Bereichen benötigen wir Umdenkungsprozesse, um Wertschätzung auch für die kleinen Dinge wieder zu erlangen. Die Politik kann hier nur mit minimalen Freiräumen finanzieller Art zur Seite stehen oder dafür sorgen, dass durch unbürokratische und organisatorische Hilfe durch die Verwaltung eine Entlastung der Vereine entsteht. In dem Zusammenhang möchten wir uns bei den Vereinen und den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die mit vielen Stunden in ihrer Freizeit für ein funktionierendes Pinneberg gesorgt haben, für ihre Leistungsbereitschaft bedanken. Auch muss hier die große Bereitschaft erwähnt werden, mit denen die Geflüchteten in unserer Stadt aufgenommen wurden, nicht zuletzt durch die Mithilfe der Vereine in Pinneberg.

Thron (Grüne und Unabhängige): Wenn die Sportvereine gute Sportstätten haben, können die Mitglieder gut trainieren. Dann entstehen nach und nach zusätzliche neue Teams und es wird, hoffe ich, einige Menschen mehr geben, die einfach gern beim Pinneberger Sport mitmachen, weil das Umfeld so gut ist. Diese Menschen müssen dann aber gehört und unterstützt werden, wenn sie ihre Pläne vorstellen. Wir haben dafür immer ein offenes Ohr. Vielleicht könnte man auch einen „Tag des Ehrenamtes“ in Pinneberg veranstalten, an dem alle Ehrenamtlichen von der Verwaltung zu einer Feier ins Rathaus geladen werden.

Hißnauer (Bürgernahe): Die Bedingungen müssen besser werden. Der Sanierungsstau an den Schulen und Sportstätten muss behoben werden. Die Verwaltung muss besser mit den Vereinen zusammen arbeiten. Das Ehrenamt muss mehr Anerkennung erhalten aus der Gesellschaft.
Mende (FDP): Die FDP steht immer und überall für Entbürokratisierung. Sie kriegen auf dem kurzen Dienstweg nichts geregelt – das wäre aber auch zu schön und illusorisch. Jede kleine Maßnahme muss beantragt und genehmigt werden. Dass dabei den Anträgen auch Anlagen beigefügt werden müssen, die der Verwaltung schon längst vorliegen, frustriert die meist ehrenamtlich Tätigen. Eine digitale Vernetzung der unterschiedlichen Ämter wird um so später Realität, je später sie angegangen wird. Um es kurz zu sagen: Wer sich nach Feierabend in seinem Sportverein engagiert, möchte etwas bewegen und nicht von der Bürokratie gefrustet werden.

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