Fußballmannschaft der Johannes-Brahms-Schule : Wie Sport alle Grenzen überwindet

Der Willkommenscup gehört zum dritten Mal ihnen: Coach Olaf Schlegel (vorne, Zweiter von links) und seine Mannschaft aus Spielern diverser Nationalitäten sind auf Erfolgskurs.
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Der Willkommenscup gehört zum dritten Mal ihnen: Coach Olaf Schlegel (vorne, Zweiter von links) und seine Mannschaft aus Spielern diverser Nationalitäten sind auf Erfolgskurs.

So klappt die Integration: Fußballmannschaft aus Deutschen und Geflüchteten holt den Willkommenscup.

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15. März 2018, 15:20 Uhr

Pinneberg | Sie verstehen sich auch ohne Worte: Wenn sie um den Ball kämpfen, geht es um Kondition, Koordination und ein Gespür für die Intentionen der anderen Spieler. In der Fußballmannschaft der Johannes-Brahms-Schule (JBS) spielen Deutsche Seite an Seite mit Geflüchteten. „Vokabeln sind dabei nicht so wichtig, aber durch den Kontakt überträgt sich die Sprache auch“, sagt Coach Holger Meyer.

Das Projekt „Integrationslotsen im Sport“ wird vom Bundesministerium des Innern und vom Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein gefördert. Als Integrationslotse plant Holger Meyer weitere Angebote für Geflüchtete. Eine gemischte Männermannschaft hat er im VfL bereits umgesetzt. Er will zukünftig Geräteturnen und Tischtennis anbieten. Aber vor allem die Nachfrage nach Schwimmkursen sei hoch. Demnächst sollen in Kooperation mit dem Verein Pinneberger Kinder Gutscheine ausgegeben werden. Meyer ist bei Fragen und Anregungen per E-Mail erreichbar: integrationslotse@vfl-pinneberg.de

Der ehemalige Sportlehrer und Rektor der Grundschule Thesdorf ist Integrationslotse vom Landessportverband Schleswig-Holstein und setzt sich in dieser Funktion beim VfL Pinneberg ein. Zu der Fußballmannschaft kam er erst vor ein paar Monaten: Sie wurde bereits 2015 vom JBS-Sportlehrer Olaf Schlegel für das Oberstufenprofil Sport ins Leben gerufen. „Damals gab es viele Interessierte, die so ein Sportprogramm anbieten wollten. Gemeinsam mit anderen Oberstufenprofilen haben wir erstmal Ausrüstung – Trikots und Schuhe – gesammelt“, erinnert sich Schlegel.

Am Anfang waren es 30 bis 35 Geflüchtete, die in der Mannschaft spielten. „Wir hatten immer einen starken Wechsel, aber seit anderthalb Jahren gibt es einen festen Kern.“ Das hat sich ausgezahlt: In der vergangenen Woche holten sich die Jungs bereits zum dritten Mal den Willkommenscup in Rellingen, seit sechs Jahren ausgerichtet vom SC Egenbüttel. In sechs Spielen setzten sie sich gegen ihre Gegner durch – außer gegen die VHS Halstenbek. „Das waren solche Schränke, die waren nicht leicht zur Seite zu schieben“, sagt Meyer und lacht.

Trainiert wird einmal die Woche

Es sind 15 bis 18 Spieler in der Mannschaft, die einmal wöchentlich für eineinhalb Stunden in der JBS-Halle kicken. Die Anzahl variiert: „Die Geflüchteten kennen aus ihrer Heimat kein Vereinsleben. Manche kommen unregelmäßig, obwohl ihnen der Sport Spaß macht“, berichtet Meyer. „Für sie ist die deutsche Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit ungewöhnlich.“ Das bestätigen die beiden Brüder Hussein Ali Shamo (20) und Ghazwan Shamo (19). Seit zwei Jahren sind sie mit ihrer Familie in Deutschland. Sie sind aus der 2014/2015 hart umkämpften nordirakischen Stadt Sindschar geflohen – zu Fuß, wie sie berichten.

Gemeinsam mit dem kleinen Bruder Sami Ali Shamo und dem Cousin Aiman Jasim Arab gehören sie zu denen, die regelmäßig zum Fußballtraining in die JBS-Halle kommen. „Im Irak haben wir auch schon gespielt, aber nur draußen mit Freunden“, sagt Hussein Ali Shamo. „Hallen gibt es dort nicht.“

Die ganze Familie steht im irakischen Nationaltrikot auf dem Platz. Auf ihren Erfolg beim Cup sind die Jungs stolz, aber es ist vor allem die Gemeinschaft, die sie an ihrer Mannschaft schätzen: „Es macht viel Spaß, hier jeden Freitag hinzukommen. Ich kenne fast alle beim Training“, sagt Shamo. Die JBS-Schüler, die ursprünglich mit im Boot waren, sind längst fertig mit dem Abitur. Doch für Nachschub wird gesorgt: Meyer hat auch ehemalige eigene Schüler in die Mannschaft geholt. „Sie waren bei mir in der Grundschule und auf dem Gymnasium habe ich sie wieder getroffen“, sagt er. 16  bis 20 Jahre sind die Spieler aktuell alt. Meyer betreut die Gruppe immer im Wechsel mit Schlegel. Er selbst ist dabei eigentlich gar kein Fußballer, wie er gesteht. „Meine Sportart ist Kunstturnen“, sagt Meyer. Und gelernt hat er bei keinem anderen als Bundesverdienstkreuzträger Jupp Becker (1909-1997), nach dem noch heute die Pinneberger Jupp-Becker-Halle benannt ist.

Auch Schlegel sagt: „Ich bin kein spezieller Fußballer.“ Er überlegt kurz und lacht. „Aber ich spiele ganz gern mal mit.“ Kicken für den Spaß und die Integration – der Erfolg der Mannschaft spricht für sich.

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