zur Navigation springen

interview : Wie sich Wanja Mues auf die Haruki Murakami-Lesung in Rellingen vorbereitet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der populäre Schauspieler liest auf der Bühne der Rathaus Galerie.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Rellingen | Wanja Mues spielte einen Nachtportier in der großen Hollywood-Produktion „Die Bourne Verschwörung“ (2004) mit Matt Damon. Der 1973 in Hamburg geborene Schauspieler hinterlässt in der erfolgreichen Inszenierung „Wir lieben und wissen nichts“ an den Hamburger Kammerspielen, als Privatdetektiv in „Ein Fall für zwei“ oder als Kommissar in der erfolgreichen Reihe „Stralsund“ seine Spuren. Der in Berlin-Zehlendorf lebende Mime ist als Theaterschauspieler und Sprecher von Hörbüchern omnipräsent. Der 12. März 2011 veränderte sein Leben: An diesem Tag kamen vier Menschen, darunter seine Eltern, der bekannte Schauspieler Dietmar Mues und seine Frau Sybille, bei einem tragischen Verkehrsunfall in Hamburg-Eppendorf ums Leben. Am Freitag, 20. Februar, wird Mues als Vorleser auf der Rellinger Rathaus Galerie erwartet. Wir sprachen vorab mit ihm über beste Freunde, die richtige Aussprache, Sprachmelodie und physische Stabilität.

Herr Mues, Sie lesen am Freitag auf der Rathaus Galerie in Rellingen aus „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami (66). Warum dieser Autor?
Wanja Mues:
Mein bester Freund seit Spielplatztagen hat mich am Ende unserer gemeinsamen Schulzeit auf Haruki Murakami aufmerksam gemacht. Damals war gerade sein Roman „Wilde Schafsjagd“ ins Deutsche übersetzt worden, wir wurden schnell zu großen Fans. Und als ich jetzt in 2014 gefragt wurde, ob ich sein neuestes Buch als Hörbuch einlesen würde, schloss sich ein Kreis und ich habe begeistert „Ja!“ gesagt.

Sind Sie dem Bestsellerautor schon einmal persönlich begegnet? Was würden Sie ihn fragen?
Leider bin ich Herrn Murakami bisher nie persönlich begegnet, aber wer weiß..., wir sind ja beide noch jung. Ich würde ihn bei einer Begegnung fragen, wie er mit seinen literarischen Vorbildern Kafka und Dostojewski in Berührung gekommen ist und was er sie gefragt hätte, wenn er ihnen begegnet wäre.

Beschreiben Sie bitte die sprachliche Herausforderung des Autors an Sie als Vorleser...
Haruki Murakami stellt, wie jeder Autor von Weltrang, den Vorleser vor die Herausforderung, dass jeder Satz tausend verschiedene Bedeutungen haben kann und dementsprechend auch unterschiedlich interpretiert und vorgetragen werden muss. Diesen Kern jedes Satzes freizulegen und auf die ihm angemessene Art und Weise zu präsentieren und dem Zuhörer zugänglich zu machen, ist immer die größte Herausforderung. Da ist die richtige Aussprache der japanischen Namen von Figuren und Handlungsorten nichts dagegen.

Das von Ihnen ausgewählte Buch hat mehr als 300 Seiten. Nach welchen Kriterien – beispielsweise Dramaturgie, Inhalt, logischer Aufbau sowie Verständnis – wählen Sie die abendfüllende Lesung aus?
Ich sehe meine Aufgabe als Vorleser darin, mein Publikum neugierig zu machen auf den Text. Im besten Fall sind die Textstellen so gut ausgewählt und vorgetragen, dass alle im Anschluss an die Lesung sofort das Buch und in diesem Fall das von mir gelesene Hörbuch kaufen wollen.

Wichtig ist auch, Stellen herauszusuchen, die dem jeweiligen Autor gerecht werden und dem Zuhörer vermitteln, was sowohl sprachlich, als auch inhaltlich auf ihn zukommt. Und: Nie zu viel verraten. Sonst haben die Leute das Gefühl: „Alles klar, jetzt weiß ich ja, worum es geht, jetzt kann ich mitreden, ohne das Buch lesen zu müssen.“

Physische und psychische Stabilität, hohe Konzentration: Wie bereiten Sie sich auf eine Lesung vor?
Ich bereite die Texte so akribisch vor, lese sie so oft, leise und laut, mache endlose Markierungen für die Sprachmelodie, die Atmer und die Betonungen, streiche die wörtliche Rede der unterschiedlichen Charaktere an, tauche so tief in den Text ein, dass ich beim Vorlesen möglichst den Kopf ausschalten kann und den Text quasi durch mich hindurchfließen lassen kann. Ich versuche also so vorbereitet zu sein, dass ich den Text mehr fühlen und erleben kann, als über Inhalt und Wirkung nachzudenken.

Am Freitag, 20. Februar, liest der bekannte Schauspieler Wanja Mues auf der Rellinger Rathaus Galerie aus Haruki Murakamis Werk „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt  kostet 16 Euro. Für diese Lesung gibt es noch Restkarten. Information und Karten im Rellinger Rathaus in der  Hauptstraße 60 und unter der Rufnummer 04101-5640, bei Fotostudio Gaedigk, Am Rathausplatz 17 in Rellingen, Telefon 04101-22321und bei Lotto Kastell, Heidestraße 94, in Rellingen, Telefon 04101-588783.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen