Halstenbek : Wie sich eine 25-Jährige in einem Männermetier beweist

Geschätzte Kollegin: Maurerin Sarah von Böhlen (Mitte) liebt ihren Job und hat den Respekt ihres Chefs Björn Thun (Diedrich Thun Bauunternehmung) und von der scheidenden Halstenbeker Wirtschaftsförderin Elke Tramm.
Geschätzte Kollegin: Maurerin Sarah von Böhlen (Mitte) liebt ihren Job und hat den Respekt ihres Chefs Björn Thun (Diedrich Thun Bauunternehmung) und von der scheidenden Halstenbeker Wirtschaftsförderin Elke Tramm.

arah von Böhlen ist Maurerin: Sie macht derzeit ihren Meister und arbeitet aktuell auf Halstenbeker Baustelle.

shz.de von
05. Mai 2015, 17:00 Uhr

Halstenbek | Sarah von Böhlen liebt wie jede Frau hohe Schuhe, natürlich in der erforderlichen Anzahl, und macht sich gerne zurecht. Ihre Berufswahl unterscheidet sie jedoch von den meisten anderen: Die 25-jährige Kellinghusenerin ist Maurerin und macht gerade den Meister. „Das glaubt mir keiner, meine Freunde müssen das immer erst bestätigen“, lacht die junge Frau, die mit Helm und Kelle derzeit auf der Baustelle gegenüber vom Halstenbeker Rathaus bei jedem Wetter im Einsatz ist.

Hier entsteht das neue Rathausquartier, gebaut von ihrem Arbeitgeber Diedrich Thun Bauunternehmung, und hier fiel sie der ehemaligen Wirtschaftsförderin Elke Tramm auf: „Ich habe gesehen, dass eine junge Frau mitarbeitet und war begeistert.“ Das könne eine Inspiration für junge Mädchen sein, die sich bei dem jährlichen Girls’ Day für einen Tag mit Jobs, die eher ungewöhnlich für sie sind, auseinandersetzten dürfen.

So war es auch bei von Böhlen: Mit 14 Jahren nahm sie am Girls’ Day teil und entdeckte ihre Liebe zur Arbeit mit Steinen. Doch bis zu ihrer glücklichen Anstellung bei dem Elmshorner Bauunternehmen war es ein steiniger Weg, denn während ihrer Ausbildungszeit kämpfte von Böhlen gegen den Neid der anderen Azubis. „Ich war das einzige Mädchen und je besser ich wurde, desto schlimmer wurde es“, erzählt sie. Ihren Gesellenbrief bekam sie mit Auszeichnung. „Es gab Buh-Rufe und von den anderen Absolventen nicht einen Glückwunsch.“

Die harte Zeit hat sich gelohnt

Doch die harte Zeit, die hinter ihr liegt, hat sich gelohnt: „Ich fühle mich richtig wohl, wir sind einfach ein super Team“, schwärmt von Böhlen von ihren Kollegen. Mit dem Firmenwechsel kamen Respekt und Zufriedenheit, obwohl auch ihr neuer Chef Thorsten Thun, der gemeinsam mit seinem Bruder Björn Thun das Unternehmen leitet, nicht so recht glauben wollte, was er da hörte: „Er fragte, ob ich den Job für meinen Freund suche“, schmunzelt von Böhlen. „Jetzt bin ich seit sechs Jahren hier und so schnell wird er mich nicht wieder los.“ Bauherr Björn Thun ergänzt: „Wir schätzen sie sehr als Kollegin und sie hat die Jungs im Griff, sie bremst sie etwas aus.“ Denn Augenmaß, Ruhe und Teamfähigkeit sind die Schlüsselkompetenzen eines Maurers. Um Kraft geht es gar nicht, eher um Technik: „Es gibt keine Arbeiten, die ich als Frau nicht ausüben kann“, stellt von Böhlen klar.

An ihrem Job liebt sie vor allem, dass immer neue Herausforderungen zu meistern sind, und das an der frischen Luft. Außerdem: „Handwerk ist immer ein solider Beruf mit guten Zukunftsaussichten“, versichert Thun. Zwar sei beim Girlsday im vergangenen Monat kein Mädchen auf der Baustelle am Rathaus gewesen. Doch vielleicht, so hofft sie, ändere sich das mit dem neuen Ausbildungsjahr“.

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