Wie schlagen sich die Talente in der ProB?

Justus Hollatz ist derzeit wohl das größte Talent des SC Rist Wedel.
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Justus Hollatz ist derzeit wohl das größte Talent des SC Rist Wedel.

„Jugend forsch“ anstatt geballte Routine: Der hoffnungsvolle Wedeler Nachwuchs hat riesiges Potenzial, allerdings größtenteils nur wenig Erfahrung

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11. September 2019, 12:37 Uhr

Wedel | Erst kommt die Pflicht, dann das Sahnehäubchen. „Wir wollen uns den Klassenerhalt möglichst früh sichern“, sagt Andrea Koschek, Vorsitzende des SC Rist Wedel, zu den Zielen der ersten Mannschaft in der ProB. Wenn das geschafft sei, könne man das Erreichen der Play-Offs anstreben, so die Vorsitzende.

Das Potenzial dafür ist nach ihrer Auffassung da. Allerdings müsse man abwarten, wie sich die Nachwuchshoffnungen im Erwachsenenbereich zurechtfinden. Talent ist auf jeden Fall im Überfluss da, Erfahrung dagegen eher weniger. Das ist auch so gewollt. Laut Koschek ist es gerade die Arbeit mit entwicklungsfähigen Spielern, die den SC Rist auszeichnet – also lieber „Jugend forsch“ anstatt abgezockte Routiniers.

Dafür steht auch der neue Trainer. Benka Barloschky (kleines Foto) ist gerade einmal 31 Jahre alt. Er verfügt aber schon über einige Erfahrung. So betreute er in der ProB den VfL Stade und arbeitet seit 2015 für die Hamburg Towers – die meiste Zeit als Co-Trainer, zwischenzeitlich sogar als Headcoach. In der vergangenen Saison hatte Barloschky als rechte Hand von Mike Taylor großen Anteil am Towers-Aufstieg in die Bundesliga. Dessen Assistent bleibt der 31-Jährige weiterhin, sammelt zusätzlich als Chef in Wedel weitere Erfahrungen. Darüber hinaus engagiert sich Barloschky nicht nur für das ProB-Team. Er ist ein Coach, der über den Tellerrand schaut, seine eigenen Erfahrungen im gesamten Verein einbringt und auch selbst enorm wissbegierig ist.

„Seine Verpflichtung ist für uns genauso wie die Zusammenarbeit mit den Towers Gold wert“, sagt Koschek. Die Kooperation ermöglicht den Wedeler Talenten, Erfahrungen auf höchstem Niveau zu sammeln, da sie wie Justus Hollatz oder Leif Möller regelmäßig bei den Towers trainieren oder dort bestenfalls sogar zum Einsatz kommen. Wie gut die Kooperation klappt, zeigt das Beispiel René Kindzeka. Der holte sich in der Rolandstadt das Rüstzeug für die Bundesliga. Hollatz hat am ehesten das Zeug, in seine Fußstapfen zu treten. Genauso wie Möller hat er auch schon Junioren-Länderspiele bestritten.

Der SC Rist ist aber weit mehr als ein Zulieferer für den großen Nachbarn. Die Basketballer sind das sportliche Aushängeschild der Rolandstadt. Im Blickpunkt steht meistens das ProB-Team. Doch der Verein hat weit mehr zu bieten – zum Beispiel die in der Regionalliga spielende Damen-Mannschaft. Auch im Nachwuchs ist der Verein gut aufgestellt und profitiert von der Unterstützung eines 1990 ins Leben gerufenen Förderkreises. Der Zusammenschluss aus Privatpersonen, Geschäftsleuten und Firmen hat seitdem eine Summe von mehr als 300 000 Euro aufgebracht.

Dabei geht es nicht nur darum, Talente für die erste Mannschaft zu produzieren. „Zu uns kann jeder kommen, der Lust auf Basketball hat“, erklärt Koschek. Der Verein biete sowohl leistungsorientierten Talenten als auch Breitensportlern eine Heimat. Ein Konzept, das ankommt. Derzeit hat der SC Rist etwa 700 Mitglieder. Viel Luft nach oben ist aber nicht mehr. Wedel geht es wie den meisten Kommunen: Die Hallenzeiten sind knapp.

Koschek freut sich, dass ihre Sportart durch den Aufstieg der Towers noch mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist. Dadurch ändert sich allerdings nicht die tägliche Arbeit. Die Wedeler sind im Gegensatz zum erst vor wenigen Jahren entstandenen Bundesligaaufsteiger nämlich schon lange fester Bestandteil des Sports in der Metropolregion und haben dementsprechend viele treue Fans. Die sind am Sonntag, 22. September, gefragt, wenn die Wedeler ab 17 Uhr in der Steinberghalle ihr erstes Saisonspiel in der ProB bestreiten.

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