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Reportage am Sonntag : Wie Pyrotechniker aus dem Kreis Pinneberg den Himmel erleuchten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mit Herzklopfen und Kribbeln im Bauch: Die Rellinger Pyrotechniker Klaus und Eileen Maschmann veranstalten bis zu 30 Feuerwerks-Shows im Jahr.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2015 | 11:00 Uhr

Hamburg/Rellingen | Dschungel-Nächte, Hagenbeck: Leichter Geruch von Popcorn liegt in der Luft. Im Hintergrund ein Potpourri exotischer Tiergeräusche. Eileen Maschmann begrüßt mich mit freudigem Lächeln am Personaleingang des Zoos. Es ist 18 Uhr und ihr Team und sie sind bereits seit dem Mittag am Werkeln. Zusammen mit fünf Kollegen bereiten sie das große Feuerwerk für den Abend vor, das den krönenden Abschluss der Dschungel-Nacht im Tierpark darstellt.

In zirka vier Stunden sollen Himmel und Felsenformation über den Gehegen zur Bühne für ein pyrotechnisches Schauspiel werden. Bis dahin ist noch einiges zu tun. „Die Hälfte haben wir bereits geschafft“, verrät sie und stellt mich ihrem Vater vor. Klaus Maschmann ist Gründer der in Rellingen beheimateten Firma, die sich auf das Abbrennen von Musik-Synchron-Feuerwerken spezialisiert hat. Für die Dschungel-Nächte sind sie bereits das 32. Jahr in Lokstedt unterwegs.

Der 68-Jährige ist ausgebildete Sicherheitsfachkraft und kam vor 40 Jahren erstmals mit Sprengstoff in Berührung. Über das Technische Hilfswerk und private weiterführende Schulungen wurde er Sprengmeister und entwickelte eine Faszination für Feuerwerke. Die hat ihn seither nicht wieder losgelassen und seine Tochter ebenso gepackt.

Bis zu 30 Feuerwerke brennen die  Maschmanns jährlich auf Hochzeiten, Jubiläen, Firmenfeiern oder anderen festlichen Gelegenheiten wie den Dschungel-Nächten ab. Unterstützt werden sie dabei von sieben nebenberuflichen Pyrotechnikern und acht Helfern. Alle Mitarbeiter gehen tagsüber ihren Hauptberufen wie Schlosser, Maurer oder Banker nach.

Mit Leidenschaft für ihren Job im Einsatz: die Pyrotechniker Eileen und Klaus Maschmann. (Foto: Bohling)
Mit Leidenschaft für ihren Job im Einsatz: die Pyrotechniker Eileen und Klaus Maschmann. (Foto: Bohling)
 

Am Abbrennplatz herrscht am Tag der Pyro-Show eine klare Hierarchie. Eileen Maschmann ist an diesem Tag die verantwortliche Person vor Ort. Das heißt: Ohne ihr „letztes Wort“ geht gar nichts. „Der Hotspot muss noch ein Stück nach rechts“, ruft sie Andreas Schutter zu. Der ist ausgebildeter Pyrotechniker und ebenfalls mit Begeisterung bei der Sache.

Schon im Laufe der Woche hatten er und Kollegen Kabel beschriftet und zusammen mit Zündschnüren und Feuerwerkskörpern in Kartons und Kisten verpackt. Gelagert wird das Feuerwerksmaterial in einem extra dafür angemieteten Bunker und aus Sicherheitsgründen erst am Abbrennort nach Art der Effekte zusammengestellt. Überhaupt spielt Sicherheit eine äußerst wichtige Rolle in diesem Geschäft.

Mitarbeiter Ingo Hindel arbeitet streng nach Abbrennplan. (Foto: Bohling)
Mitarbeiter Ingo Hindel arbeitet streng nach Abbrennplan. (Foto: Bohling)
 

„Das Gefährliche ist der Umgang mit dem hochexplosiven Schwarzpulver“, sagt Eileen Maschmann. Daher ist der Abbrennplatz weiträumig mit Gitterelementen abgesperrt und für Nichtbeteiligte tabu. Jeder Mitarbeiter trägt Sicherheitsschuhe, um eventuelle elektrostatische Aufladungen zu vermeiden. Dass sie in knapp 40 Jahren Feuerwerkstätigkeit keinen ernstzunehmenden Unfall hatten, erfüllt Familie Maschmann mit Stolz.

Ich begleite Maschmann Senior auf den sogenannten Ziegen-Felsen. Es riecht merklich nach den afrikanischen Horntieren. Hier oben sind verschiedene Abschussvorrichtungen postiert, die ihren Beitrag zur besonderen Note des Feuerwerks leisten. In einer Nische des Felsens ist eine besondere Holzkonstruktion versteckt. Hier werden später sogenannte Wasserfall-Bränder ein Fontänenfeuerwerk erzeugen, das den Felsen fast eine Minute lang mit einem herabfallenden Vorhang silbrig-glänzender Lichteffekte illuminiert.

Pyrotechniker Andreas Schuttel prüft das Bodenfeuerwerk über der Löwengrube. (Foto: Bohling)
Pyrotechniker Andreas Schuttel prüft das Bodenfeuerwerk über der Löwengrube. (Foto: Bohling)
 

„Jedes Feuerwerk ist anders“, erklärt mir Maschmann. Die unterschiedlichen großen Bomben und Leuchtbatterien, Feuertöpfe und römischen Lichter, Fontänen und Vulkane, Hotspots und Wasserfälle erzeugen je nach Kombination unvergleichbare Pyro-Bilder für die Betrachter.

Der Ablauf des Spektakels ist in einem vorher konzipierten Abbrennplan genau festgehalten. Wie in einem Drehbuch sind sämtliche Licht-Bilder mit ihren einzelnen Effekten und dem exakten Timing beschrieben. Meist wird das Drehbuch von Eileen Maschmann entworfen. „Wenn es um den Einsatz von Musik zu einzelnen Lichteffekten geht, zahlt sich musikalische Vorbildung aus“, sagt sie. Sie selbst war mehr als  20 Jahre aktiv im Spielmannszug.

Letzte Besprechung der Mitarbeiter über die Position der Feuerwerks-Fontäne. (Foto: Bohling)
Letzte Besprechung der Mitarbeiter über die Position der Feuerwerks-Fontäne. (Foto: Bohling)
 

Klaus Maschmann kniet derweil am Boden. Mit geschicktem Griff zieht er ein zweiadriges Kabel auseinander. Dann kürzt er es auf das richtige Maß, isoliert die Enden ab, verbindet und schiebt sie in einen speziellen Knickverbinder. „Superdinger“, so sein Kommentar, „kommen aus der Sprengtechnik und funktionieren mit Fett gefüllt sogar unter Wasser.“

Unter dem Dach eines Zeltpavillons verbirgt sich das Herzstück der gesamten Zündanlage: Der Zündfunkempfänger. Hier laufen alle verlegten Kabelzündkreise zusammen. Von der Touchscreen-Oberfläche hat Maschmann alle Funktionen im Griff. „Die modernste und sicherste Anlage, die zurzeit erhältlich ist“, verrät Maschmann und fügt augenzwinkernd hinzu: „Allerdings auch die teuerste.“

Jetzt sind es nur noch wenige Viertelstunden, bis der Feuerzauber seine Magie entfaltet und den Zuschauern anerkennende „Ahh“s und „Ohh“s entlockt. Ein letzter Soundcheck, die Gefährdungsbeurteilung und die Windmessung stehen noch aus. Dann heißt es: Durchatmen und die Show kann beginnen.

„Ich habe es am liebsten, wenn es weniger knallt, sondern die Lichteffekte im Vordergrund stehen“, so Eileen Maschmann und gibt zu, trotz über 20-jähriger Erfahrung vor jedem Feuerwerk-Start immer noch Herzklopfen und Kribbeln im Bauch zu haben.

Man unterscheidet bei Feuerwerken zwischen Höhen- und Bodenfeuerwerken. Zu Höhenfeuerwerken zählen Raketen oder Bomben, die in die Höhe geschossen werden. Bodenfeuerwerke arbeiten mit fest in den Boden verankerten Quellen. Dazu zählen Feuertöpfe, römische Lichter, Fontänen oder Rauch- und Flammeneffekte. In Verbindung mit klassischer Musik werden sie oft auch als Barockfeuerwerke bezeichnet. Nach Gefährlichkeit und Effeketen werden Feuerwerke in vier Kategorien aufgeteilt.
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