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Reise in die Vergangenheit : Wie Pinneberg vor 1900 aussah

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Neue Ausstellung im Stadtmuseum zeigt ab Freitag Arbeiten von Theodor Schlüter, dem ersten Fotografen der Kreisstadt.

von
erstellt am 14.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Pinneberg | Was heute mit einem Fingerdruck auf dem Smartphone möglich ist, waren früher etliche aufwändige Arbeitsschritte. Portraitfotos besaßen im 19. Jahrhundert nur wenige Menschen von sich. Sie waren etwas Besonderes. Kaum jemand konnte sich eine Kamera leisten. Deswegen gibt es aus dieser Zeit verhältnismäßig wenige Bilder von der Stadt Pinneberg und von den Menschen, die damals dort lebten. Auf die Spuren von Pinnebergs erstem Fotografen begibt sich nun die neue Ausstellung im Stadtmuseum. Unter dem Titel „Pinneberg vor 1900“ werden Fotografien von Theodor Schlüter (1833 bis 1919) gezeigt.

Fotograf Theodor Schlüter.

Fotograf Theodor Schlüter.

Hunderte alte Fotos haben Stadtmuseumsleiterin Ina Duggen-Below, Stadtarchivar Martin Ramcke und Johannes Seifert von der VHS-Geschichtswerkstatt in den vergangenen Monaten gesichtet. Eine spannende Auswahl davon hat es in die Ausstellung geschafft. Vor allem haben sich Nachfahren von Schlüter auf einen Aufruf des Museums gemeldet. Sie konnten dem Museum mit vielen Fotos und Informationen über Schlüter weiterhelfen.

Die ausgestellten Motive zeigen unter anderem Turnvereine, die Wuppermann-Werke und die Familie Schlüter. Die Menschen darauf wurden exakt positioniert, die Blicke sind starr. Schließlich mussten die Fotomodels vor etwa 150 Jahren möglichst regungslos posieren, ansonsten drohten Unschärfen. „Die Belichtungszeit betrug bis zu zehn Sekunden. Da musste man schon still halten“, weiß Seifert.

Aber auch Landschaften wählte Schlüter gern als Motiv. Die Ausstellung lässt einen Blick auf ein längst vergessenes Pinneberg zu. Auf den Fotos säumen Kastanien den Fahltskamp, befindet sich ein Hotel in der Bahnhofstraße, glänzt die Ernst-Paasch-Halle mit neuer Innenausstattung und dampfen die Türme der Wuppermann-Werke gen Himmel. Und die Dingstätte erkennt der Betrachter nur an der Drostei.

Schlüters Fotos schafften es sogar zur Weltausstellung ins amerikanische St. Louis. Dort sollten im Jahr 1904 deutsche Schulen vorgestellt werden. Als einzige einklassige Lehranstalt wurde die Datumer Schule ausgewählt. Die Fotos für die Präsentation machte Schlüter. „Die Schule gewann damals sogar einen Preis, der blieb aber in Berlin“, so Seifert.

Haben die Fotos für die Ausstellung gesichtet: Johannes Seifert von der VHS-Geschichtswerkstatt (links), Martin Ramcke vom Stadtarchiv und Museumsleiterin Ina Duggen-Below.
Haben die Fotos für die Ausstellung gesichtet: Johannes Seifert von der VHS-Geschichtswerkstatt (links), Martin Ramcke vom Stadtarchiv und Museumsleiterin Ina Duggen-Below. Foto: Kira Oster
 

Wie wurde Schlüter zu Pinnebergs erstem Fotografen? Ein Sturz vom Apfelbaum in Kindertagen ebnete seine Laufbahn: „Er hinkte und konnte mit seinem kaputten Fuß kein Stahlarbeiter wie seine Brüder werden“, erklärt Seifert. Schlüters Vater war der stadtbekannte Landarzt Dr. August Marcus Dietrich Schlüter. Er baute seinem Sohn kurzerhand ein Glashaus in den Hintergarten. Von dort aus konnte er ungestört fotografieren, das Glas sorgte für ausreichend Tageslicht. Ein wichtiges Kriterium für den damaligen Stand der Technik. Die Großfamilie – Theodor Schlüter hatte neun Geschwister – lebte am Rübekamp. Haus und Grundstück mussten später der Rübekampschule weichen. Fotografiert hat Schlüter von 1865 bis 1914. Sein Atelier befand sich in der Schauenburger Straße 14.

Auch das ehemalige Amtsrichterhaus und heutige Stadtmuseum ist auf einem der Fotos der Schau zu sehen. Damals teilte es sich den Vorgarten noch mit der Drostei. Der Standort ist derselbe geblieben: Dingstätte 25. Beginn der Vernissage am Freitag, 17. Februar, ist um 17 Uhr.

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