Wie kann Sport gefördert werden?

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Kommunalwahl am 6. Mai: Die Sportallianz Pinneberg fragt, die Kandidaten antworten / Wuschliste der Vereine

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11. April 2018, 16:00 Uhr

Die Sportallianz Pinneberg möchte von den Kandidaten von CDU, SPD, Grünen und Unabhängigen, Bürgernahen und FDP wissen, was sie nach der Kommunalwahl am Sonntag, 6. Mai, für die Förderung der körperlichen und somit auch geistigen Ertüchtigung in der Kreisstadt tun wollen. In unserer Serie stellen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Fragen und die Antworten vor.

Welche Programme und Angebote sollten Ihrer Meinung nach die hiesigen Sportvereine vor dem Hintergrund der Ganztagesbetreuung und einer älter werdenden Gesellschaft vorhalten?

Dietrich Drechsler (CDU): Ich finde, dass das sportliche Angebot auch für die ältere Generation in Pinneberg sehr gut ist. Zum Beispiel Gesundheitssport und Walkinggruppen werden von den Vereinen angeboten und auch ein Boulefeld ist vorhanden. Ich denke aber, dass das Angebot noch besser öffentlich gemacht werden könnte. Hier könnte der Seniorenbeirat der Stadt Pinneberg sicherlich weiterhelfen. Allerdings scheint das Interesse, sich sportlich zu betätigen, auch nicht all zu groß zu sein, wenn man bedenkt, dass der VfL aus Mangel an Interessenten nicht mal mehr eine Seniorenmannschaft im Fußball melden kann. Der SCP ist auf eine Spielgemeinschaft mit Egenbüttel angewiesen. Die Ganztagsbetreuung der Schüler schränkt die (sportliche) Betätigung in der Freizeit ein. Wenn nach der Schule noch gelernt werden muss, dann bleibt kaum Zeit für Sport. Eine Lösung wäre, eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Schulen um das sportliche Angebot während der Schulzeit attraktiver zu gestalten. Ich erhoffe mir, dass durch die Umstellung auf G9 wieder mehr Zeit zur Verfügung steht.

Herbert Hoffmann (SPD): Nicht nur Sport befindet sich in ständiger Weiterentwicklung. Sportarten die gestern noch niemand kannte, sind heute bereits fester Bestandteil auch der Pinneberger Angebotsvielfalt. Weitere werden folgen. Diese Erkenntnis muss zwingend bei der künftigen Ausgestaltung der Sportstätten und dem Zusammenwirken zwischen Sport und Stadt Anerkennung und Anwendung finden.

Dieter Schott (Grüne und Unabhängige): Ich glaube, dass der Vereinssport sich in Pinneberg sehr gut mit der Ganztagsbetreuung an den Schulen arrangiert hat. Sicher gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber im Großen und Ganzen scheint es in Pinneberg gut zu funktionieren. Aber auch hier könnte ein „Runder Tisch“ zwischen Schule und Sport weitere Ergänzungen bringen. Anders beurteilen wir die andere Seite der Alterspyramide. Da die Senioren heute immer fitter bleiben, sind hier neue Konzepte für die Bewegung und Betreuung gefragt. Hier hat der Vereinssport aus unserer Sicht noch wesentlich mehr Entwicklungspotential.

Kai Thron (Grüne und Unabhängige): Die Sportvereine könnten ihr Engagement in den Schulen und sogar Kitasausbauen. Schon in der Kita ist Bewegungssport sinnvoll und wird gern angenommen von den Kindern. Die Vereine sollten hier mehr mitarbeiten, weil sie über das fachkundige Personal verfügen. Sportangebote während der Nachmittagsbetreuung an Schulen sind absolut notwendig. Kinder und Jugendliche wollen sich bewegen. Bewegung im Alter schützt die Knochen, hält fit und macht Spaß. Aus gesundheitlicher und ökonomischer Sicht wäre es falsch, keine seniorengemäßen Sportprogramme anzubieten. Das können Sportvereine sehr gut. Sie müssen aber auch hier finanziell unterstützt werden, damit zum einen die Räume da sind und zum Anderen auch das Fachwissen im Verein wächst.

Anja Hißnauer (Bürgernahe): Die Pinneberger Sportvereine bieten vom Kind bis zu den Senioren ein vielfältiges Programm. Regelmäßig werden neue Sportarten für jedes Alter angeboten. Ich denke, dass die Vereine sehr gut aufgestellt sind. Wichtig ist es auch, aktuelle und Trendsportarten mit einzubeziehen.
Werner Mende (FDP): Die FDP wird niemandem vorschreiben, wie er sein Geschäft zu betreiben hat. Die großen Vereine haben hauptamtliche Mitarbeiter und Vorstände, die fachlich sehr gut aufgestellt sind. Sie ermitteln den Bedarf für ihre Angebote auf der Basis von entsprechenden Analysen. Wer diese nicht selbst erstellen kann, wird sehr gern vom Kreis- und Landessportverband unterstützt. Bei der Umsetzung dieser Bedarfe ist die Pinneberger Verwaltung jederzeit behilflich. Die kommunale Selbstverwaltung wird dann rechtzeitig eingeschaltet und entscheidet.


Möglichkeiten der Förderung

Einmal angenommen, es gäbe in Pinneberg noch keine Sportförderung und diese soll nun neu erstellt werden. Ist es für Sie vorstellbar, hierin anreizbezogene und nachhaltige Förderungsmöglichkeiten zu schaffen und wie könnten diese aussehen?

Drechsler (CDU): Eine neu zu entwickelnde Sportförderung wäre sorgfältig zu überlegen. Sie würde – Schnellschuss aus dem Handgelenk - als Eckpunkte unter anderem enthalten:
> kostenlose Nutzung der Sportplätze und der Hallen mit Ausnahme eines Hallenzuschlages in den Abendstunden wegen erhöhter Betriebskosten, ausgenommen Kinder und Jugendliche.
> Investitionszuschüsse mit Eingrenzungen. Ein hoher Anteil Jugendlicher führt zu höherer Bezuschussung. (wobei alle Parteien auf ihre Vertreter im Kreistag Einfluss nehmen sollten, so dass der unselige und unzeitgemäße Koppelungsbeschluss endlich gekippt wird)
Sonderzuschuss an den Sportclub Pinneberg (SCP)
Anhebung der Förderung des Kinder- und Jugendsportes. Auf Initiative der CDU ist der Betrag bereits um 25 Prozent erhöht worden.
Bezuschussung für Inklusions- und Integrationsmaßnahmen
Hoffmann (SPD): Nachgedacht werden könnte zum Beispiel über Stiftungen, Crowdfunding oder Bündnisse für den Sport. Grundsätzlich haben Sportvereine einen Anspruch auf öffentliche Förderung. Hierzu gehört auch die Nutzung städtischer Sporteinrichtungen, die so unterhalten werden müssen, dass in ihnen der Vereinssport gut ausgeübt werden kann.

Schott (Grüne und Unabhängige): Eine Sportförderung in Pinneberg sollte sich nicht auf das Stellen von Sportanlagen beschränken. Es müssen Anreize für die Vereine geschaffen werden, die auch die Bürger mit einbeziehen. Diese Konzepte können nur gemeinsam erstellt werden. Was die Fördermöglichkeiten angeht, stehen wir auf dem Standpunkt, dass bei der klammen Haushaltslage die Abschaffung des Kontrahierungszwangs durch den Kreis ein sehr großer Schritt zur Entlastung geschaffen würde. Das heißt, dass Sportanlagen auch ohne Eigenanteil der Stadt Pinneberg durch den Kreis und das Land gefördert würden. Wir bringen immer wieder die Idee eines Bürgerfonds ins Gespräch. Hier könnten Bürger ihr Geld für bestimmte Projekte mit investieren.

Thor (Grüne und Unabhängige): Talentierte Sportler sollten immer gefördert werden. Man könnte Stipendien verteilen, die verknüpft sind mit Rückzahlungen. Auch kostenlose ÖPNV Tickets, um zur Trainingsstätte zu kommen, wären eine Möglichkeit. So würden wir Talente fördern und an uns binden. Dieses hat Sogwirkung und die Mitgliederzahl der Vereine würde wachsen.

Hißnauer (Bürgernahe): Die Sportförderrichtlinie wurde in dieser Legislaturperiode zusammen mit den Sportvereinen neu überarbeitet und verabschiedet. Sollten sich neue Erkenntnisse ergeben, die von den Vereinen gewünscht sind, sind wir zu Gesprächen bereit.

Mende (FDP): Die Pinneberger Sportförderrichtlinie hat einen zu hochtrabenden Titel. Hier wird die finanzielle Unterstützung der Jugendarbeit in den Sportvereinen geregelt. Hier wird der geänderten Organisation der Jugendarbeit nicht Rechnung getragen. Die Entwicklung zur Ganztagsschule hat in den Sportvereinen zu umfassenden Strukturänderungen geführt. Für die jugendlichen Vereinsmitglieder, insbesondere wenn sie leistungsorientiert Sport betreiben, ist die Umstellung gravierend. Deshalb muss die Sportförderrichtlinie neu erstellt werden. Hier warten wir auf einen Entwurf der Verwaltung.

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