Bedarf auch im Einzelhandel : Wie ein Elmshorner Unternehmen gegen den Fachkräftemangel kämpft

Personalleiterin Britta Beste fordert mehr berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung. Das „Futterhaus“ selbst betreibt eine eigene Akademie.
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Personalleiterin Britta Beste fordert mehr berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung. Das „Futterhaus“ selbst betreibt eine eigene Akademie.

Das „Futterhaus“ setzt auf eine eigene Akademie. Die Personalleiterin Britta Beste sieht vielfältige Gründe für den Mangel.

shz.de von
30. Januar 2018, 15:03 Uhr

Elmshorn | Die Zahlen, die das Forschungsinstitut Prognos jüngst präsentierte, sind dramatisch: Bereits im Jahr 2030 könnten in Deutschland bis zu drei Millionen Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinische Fachkräfte fehlen. Zehn Jahre später könnte diese Zahl sogar auf 3,3 Millionen steigen. Zuletzt ergab eine Umfrage der Commerzbank bei Unternehmen im Hamburger „Speckgürtel“ das eindeutige Bild: Der Fachkräftemangel ist die größte Zukunftssorge der Betriebe. Auch das in Elmshorn ansässige Unternehmen „Futterhaus“ bekommt den Nachwuchsmangel zu spüren. Und die Leiterin des Bereichs Personal, Britta Beste, sieht dafür vielfältige Gründe.

Arbeitswelt verändert sich rasant

„Der Fachkräftemangel ist – wenn auch etwas zeitversetzt – im Einzelhandel angekommen“, sagt Britta Beste. Durch Quereinsteiger habe die Branche die Probleme noch lange Zeit abfedern können. Aber: „Seit ein bis zwei Jahren spüren wir es auch.“ Britta Beste arbeitet seit 1989 in dem Unternehmen, das zwei Jahre zuvor mit der Eröffnung des Ur-Futterhauses in Pinneberg ins Leben gerufen worden war. Und seit den späten 1980ern hat sich  gesellschaftlich einiges gewandelt. „Die Arbeitswelt  verändert sich im Zuge der Digitalisierung rasant“, stellt Britta Beste fest. „Und damit verändern sich  auch die Erwartungen der Arbeitnehmer an ihren Arbeitsplatz.“ Gleitzeit, Homeoffice und viele andere Dinge würden die Berufseinsteiger von ihren Arbeitgebern inzwischen regelrecht verlangen, um ihre Work-Life-Balance – auch das ein Wort, das vor 30 Jahren noch nicht in aller Munde war – in den Griff zu kriegen. Hierbei wird eine Kern-Eigenschaft des Einzelhandels zum Problem. Ein Fachgeschäft wie das „Futterhaus“ braucht Menschen vor Ort, die beraten. Die Flexibilität anderer Branchen sei im Einzelhandel nur bedingt möglich: „Wenn der Laden um 10 Uhr aufmacht, dann muss das Personal auch um 10 Uhr da sein“, sagt Beste.

Für den Verkauf von Futter, Fischen, Fellpflegeprodukten und Co. gebe es außerdem besondere Herausforderungen für das Personal. Beste: „Tiere sind ein sehr emotionales Thema. Und wer in dieser Branche im Einzelhandel tätig ist, der trägt auch eine große Verantwortung. Unsere Beratungen beim Verkauf ähneln ja denen in einer Apotheke.“

Mit den raschen Veränderungen in der Arbeitswelt seien aber nicht nur die Arbeitgeber gefordert, sagt Britta Beste: „Die Berufschulen müssten sich besser auf die sich immer schneller wandelnden Anforderungen in einem Job einstellen. Das ist natürlich eine große Herausforderung: Die Rahmenbedingungen ändern sich in vielen Berufen so schnell, dass die Inhalte schon veraltet sind, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist.“

Aber es gibt Wege, um gegenzusteuern: „Die berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung wird immer wichtiger.“ Hierbei seien auch die Betriebe selbst gefordert. Das „Futterhaus“ mit mehr als 2000 Mitarbeitern und mehr als 300 Filialen setzt dabei auf hauseigenen Qualifizierungsmaßnahmen. „Bei uns gibt es hierfür bereits seit längerem eine hauseigene Akademie“, berichtet Beste.

Aber nicht nur die Berufsschulen, sondern auch die Betriebe und natürlich die Mitarbeiter selbst seien gefordert, um den Fachkräftemangel in den Griff zu kriegen. Auch in Gymnasien und Gemeinschaftsschulen sollte der Lehrplan aus Britta Bestes Sicht mit Blick auf das Berufsleben  optimiert werden: „Bewerbungsmappen, Briefeschreiben, Berufsbilder, Wissensaneignung: Es wäre wünschenswert, wenn den Kindern und Jugendlichen auch schon an den allgemeinbildenden Schulen diese Dinge beigebracht würden.“

Zahlen und Fakten: Der Haustiermarkt

Ein Umsatzplus von knapp einem Prozent und  ein Gesamtumsatz von knapp 4,15 Milliarden Euro im Fach- und Lebensmitteleinzelhandel – das ist die Bilanz der deutschen Haustierbranche für das Jahr  2016. Hinzu kommen 510 Millionen Euro über den Online-Markt. Somit hält die Branche das hohe Umsatzniveau der Vorjahre und entwickelt sich weiterhin positiv. So auch das  „Futterhaus“. Das Elmshorner Unternehmen erzielte 2016 einen Rekordumsatz von 315Millionen Euro. Die Katze ist Haustier Nummer eins: Insgesamt leben 13,4 Millionen Samtpfoten in 22 Prozent der deutschen Haushalte. An zweiter Stelle folgen 8,6 Millionen Hunde (17 Prozent der Haushalte),  Platz drei  belegen  fünf Millionen Kleintiere (6 Prozent der Haushalte).

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