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Interaktive Karte : Widerstand gegen Unterkunft für Flüchtlinge in Rellingen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Geplante Häuser für Flüchtlinge im Oberen Ehmschen in Rellingen sorgen für Unsicherheit. Mehr als 80 Anwohner strömen ins Rathaus.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Rellingen | Seit Monaten lebt Rellingen die Willkommenskultur. Jetzt regt sich Widerstand. Ausgerechnet im Oberen Ehmschen. Wo die schicken Einfamilienhäuser stehen. Wo sich hübsche, grüne Gärten aneinander reihen. Wo teure Autos vor den Türen parken. Am Ende der Straße, auf dem gemeindeeigenen Areal gegenüber des DRK-Seniorenwohnsitzes an der A23, soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Geplant sind neun 14,50 Meter mal vier Meter große Ferienhäuser. Sie bieten Platz für 54 Menschen. Der Hauptausschuss hatte am 25. Januar beschlossen, die Fläche zu nutzen.

Der Klärungsbedarf war so groß, dass der Sitzungsraum im ersten Stock des Rellinger Rathauses nicht ausreichte. Einige Bürger nahmen auf dem Flur Platz. Mehr als 80 Anwohner waren am Dienstagabend auf Einladung von Rellingens Bürgermeisterin Anja Radtke (parteilos) gekommen. Hauptkritikpunkt: Sie seien nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden. Radtke verwies auf  Postwurfsendungen Ende Januar, die große Informationsveranstaltung  vor Weihnachten und  auf die Gemeindevertreter, „die solche Entscheidungen fällen“. Sie nahm geduldig alle Fragen entgegen, nicht immer konnte sie sie beantworten. „Wir haben bisher lediglich den Standort bestimmt. Es liegt noch nicht einmal ein Bauantrag vor“, erläuterte sie den Stand des Verfahrens.  Dennoch stellte sie  klar: „Ich höre Ängste heraus und möchte diesen hier und heute vehement widersprechen.“  

Es war offensichtlich, dass die Bürgermeisterin einer zu kippen drohenden Stimmung  zuvorkommen wollte. Deshalb hatte sie außer Tom Rasmussen, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, auch Silke Mannstaedt vom Bürgerservice und den Rellinger Polizeichef Mike Schirdewahn eingeladen.

Schirdewahn betonte, dass die Polizei keine erhöhte Kriminalität feststelle. „Flüchtlinge verhalten sich im Verhältnis polizeilich unauffällig“, sagte er und fügte an: „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“  Aber bleibt sie das auch? Einige Anwohner äußerten ihre Zweifel. „Wieso ausgerechnet bei uns?“, wollten einige wissen. „Warum so viele?“, andere. In der Gegend rund um den Oberen Ehmschen schlagen häufig Einbrecher zu. Einige der Anwohner befürchteten, dass die Einbruchszahlen weiter zunehmen könnten.  Sie haben Angst. Das wurde deutlich. Einer der Anwesenden fragte nach einem Sicherheitskonzept. Mann- staedt versicherte, dass regelmäßig ein Sozialarbeiter vorbeikomme. Die Polizei fahre Streife, so Schirdewahn. Es gab aber auch Anfragen zum Brandschutz und  zur Eignung des Standorts, der direkt hinter der Lärmwand zur Autobahn liegt. Die Diskussion blieb fast immer sachlich. Zwischendurch wurde sie emotional. „Hört bitte auf, Angst zu schüren“, sagte etwa einer der Anwesenden. Radtke appellierte: „Ich brauche Sie alle.“

Bisher geht Rellingens Plan auf. Die Asylbewerber sollen  über das gesamte Gemeindegebiet verteilt werden. Derzeit sind es 200. Die Prognose geht von 450 Asylbewerbern bis Ende dieses Jahres aus. Eine der Leitlinien der Gemeinde ist die dezentrale Unterbringung. In Gemeinschaftsunterkünften sollen maximal 55 Menschen leben. Bloß keine sozialen Brennpunkte schaffen, lautet die Devise. Ein vernünftiges  Konzept, hinter dem nicht nur die Verwaltung, sondern auch 120 Ehrenamtliche stehen, die helfen. Radtke betonte am Dienstag noch einmal: „Die Flüchtlingsaufgabe ist eine Querschnittsaufgabe, die durch alle Schichten der Gesellschaft geht.“ 

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