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Mit dem Handy in der Schule : WhatsApp & Co sind erlaubt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

An einer Schule in Barmstedt wird jetzt eine der ersten Handyzonen eingerichtet.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Eine Nachricht über WhatsApp verschicken, ein Spiel spielen oder über YouTube das Lieblingslied hören – für die meisten Schüler ist das während der Schulzeit verboten. Auf dem Pausenhof der Albert-Schweitzer-Schule in Barmstedt sieht das jedoch anders aus. In der sogenannten Handyzone dürfen die Jugendlichen Mobiltelefone benutzen.

Gemeinsam mit der Vertrauenslehrerin haben die Klassensprecher Regeln für diesen Bereich aufgestellt. Fotos und Videos dürfen nicht ungefragt weitergeleitet, Handys von Mitschülern nicht weggenommen werden und in der Handyzone darf nicht getobt werden. Dafür dürfen die Schüler nun chatten, mit Kopfhörern Musik hören und ihrem Alter entsprechende Spiele spielen.

2013 sah das in der Förderschule noch ganz anders aus. „Bei uns herrschte Handyverbot. Wir hatten klar festgelegt: keine Ausnahmen“, sagt Schulleiterin Sabine Grelck rückblickend. Die Situation sei auch für die Lehrer anstrengend gewesen. „Um Dinge wie Handys einzusammeln wollen wir uns eigentlich nicht kümmern“, so Grelck.

Auf der Schulkonferenz trugen die Schülersprecher den Wunsch vor, dass die Schüler in den Pausen ihre Handys nutzen wollten. In einer anschließenden Lehrerkonferenz habe es keinen Konsens gegeben. „Wichtig war uns, dass die Schüler darüber informiert werden, welche Gefahren von der Nutzung von Handys ausgeht,“ sagt die Schulleiterin.

Mit dem Sozialpädagogen Dennis Blauert vom Verein Wendepunkt wurde daraufhin ein Projekt zu Handynutzung und Datenschutz an der Schule organisiert. „Wir haben mit Beispielen gezeigt, wie schnell private Daten verteilt werden können“, sagt Blauert. Die Kontrolle über den Inhalt eines Bildes sei beispielsweise sofort weg, sobald dieses versendet sei. Im Anschluss wurden von den Schülern gemeinsam Ideen für die Handyzone entwickelt. „Da gab es viele Übereinstimmungen“, so Blauert.

Vierwöchiger Probelauf

Nach einem vierwöchigen Probelauf im Mai beschloss die Schulkonferenz die Einrichtung der Handyzone. Nun dürfen die Jungen und Mädchen in den Pausen um neun und um elf Uhr ihre Mobiltelefone mit auf den Schulhof nehmen. Regnet es, dürfen sie unter einem Vordach stehen. In Sichtweite: ein Ausdruck der Nutzungsregeln. Laut Schulleiterin Grelck sei ihr bisher noch kein Regelverstoß bekannt.

Die Schüler sind begeistert. „Ich finde das richtig gut“, sagt der 13-jährige Alexander. Er nutze die Handyzone hauptsächlich um auf seinem Handy zu spielen. Mitschüler Hermann (15) hört auch mal Musik, schreibt SMS und zeigt Bilder herum. Befürchtungen der Lehrer, die Schüler würden nach Einrichtung der Zone nur noch am Handy hängen, haben sich nicht erfüllt. „Die Schüler stehen nicht die ganze Pause in einer Traube um die Geräte herum“, so Schulleiterin Grelck.

Auf Kreisebene sei inzwischen eine Arbeitsgruppe zum Thema entstanden, so Blauert. „Ich wünsche mir, dass sich die Lösung auf andere Schulen übertragen lässt“, sagt der Sozialpädagoge.

Wenn Kinder erreichbar werden: Handys für den Nachwuchs

Wie im Flug haben Smartphones die Welt von Kindern und Jugendlichen erobert. 92 Prozent der 10- bis 18-Jährigen besitzen heute ein eigenes Mobiltelefon. 80 Prozent davon sind Smartphones, hat der IT-Verband Bitkom ermittelt. Vor vier Jahren hatten zwar schon genauso viele Kinder und Jugendliche ein eigenes Handy. Smartphones aber waren damals noch kaum darunter.

Heute sind die kleinen Alleskönner vor allem wichtig, um Kurzmitteilungen zu versenden. Kein Wunder also, dass Eltern den Stoßseufzer „Hilfe, mein Kind will ein Smartphone“ zum Himmel schicken. So hat die Initiative „Schau hin, was dein Kind mit Medien macht“ einen Ratgeber betitelt. Demnach ist ein einfaches Handy ab einem Alter von neun Jahren vertretbar, ein Smartphone ab einem Alter von zwölf Jahren. „Dann sind Kinder schon vertraut mit den Funktionen von Handy und Internet. Das heißt, sie kennen einige Surfregeln und können abschätzen, welche Kosten mit so einem Gerät verbunden sind“, sagt Kristin Langer, Mediencoach bei „Schau Hin“.  Außer der technischen Handhabung sollten Eltern zunächst erklären, dass etwa beim Spielen Kosten durch Käufe innerhalb einer App entstehen können. Das ist wichtig, weil das Spielen zu den drei am häufigsten genutzten Funktionen gehört. Zum richtigen Umgang mit dem neuen Telefon gehöre auch, Rücksicht auf andere zu nehmen, wenn das Kind unterwegs Musik hört oder Gespräche führt.

Auch der Datenschutz ist wichtig. Dafür gibt es ein paar einfache Sicherheitseinstellungen. Diese finden sich in den Menüpunkten wie „Datenschutz“ oder „Sicherheit“. „Bei jüngeren Kindern sollte man den Internetzugang des Smartphones blockieren, bis sie sich sicher bewegen“, rät Kristin Langer. Der Download von Apps sollte zumindest am Anfang Sache der Eltern sein.

Der Telefontarif sollte in Relation zum Familienbudget und zum Taschengeld stehen.  Beginnen könne man mit einer Guthabenkarte. Damit das Kind ein Bewusstsein für die Kosten entwickelt, sollte es sich an den Ausgaben beteiligen.

Für die Nutzungsdauer empfiehlt die Initiative feste Regeln, damit das Handy nicht lebensbestimmend wird. „Eltern können ihrem Kind vermitteln und vorleben, dass man nicht immer erreichbar sein muss. Eine Stunde pro Tag sind für Smartphone-Einsteiger genug“, sagt Langer. Nachts sollte das Handy ausgeschaltet sein und weggelegt werden. Es ist sogar möglich, das Smartphone mit sogenannten Tracking-Apps für die Überwachung des Nachwuchses zu nutzen. „Auf keinen Fall sollten Eltern ihrem Kind ein Handy mit einer Ortungs-App schenken, ohne zu verraten, dass sie installiert ist“, sagt Jennifer Buchholz, Redakteurin beim Fachmagazin „Teltarif“.

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