Westring 2,6 Millionen Euro teurer

Vier Jahre dauerten die Bauarbeiten an der Westumgehung an – das geht in die Kosten.
Vier Jahre dauerten die Bauarbeiten an der Westumgehung an – das geht in die Kosten.

Verwaltung nennt lange Planung als Kostentreiber / Gesamtkosten liegen jetzt bei 38,6 Millionen Euro

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30. Oktober 2020, 20:48 Uhr

Pinneberg | Was einige Politiker während der vergangenen Monate bereits befürchtet hatten, ist nun Realität geworden: Die Westumgehung beziehungsweise der Westring, wie sie offiziell genannt wird, kostet noch einmal 2 638 500 Euro mehr als erwartet. Das ist der aktuelle Baukostenstand, nach Prüfung aller Schlussrechnungen, den die Stadt Pinneberg jetzt vorgelegt hat. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf rund 38,6 Millionen Euro. Die Ingenieurleistungen schlagen mit etwa 6,4 Millionen Euro zu Buche. Der Projektentwickler wird am Dienstag, 3.November, dem Ausschuss für Stadtentwicklung Rede und Antwort stehen. Beginn im Rathaus ist um 18.30 Uhr.

Als Grund für die Steigerung nennt die Verwaltung den sehr langen Zeitraum zwischen der ursprünglichen Planung, der Kostenschätzung und der tatsächlichen Ausführung. Nachvollziehbar: Bereits in den 1950er Jahren wurde über die Umgehungsstraße diskutiert. Am 1. Juli 1985 beschloss der Rat, die 4,6 Kilometer lange Trasse zu planen. Etwa 25 Millionen D-Mark sollte sie kosten. 2015 wurde der erste Spatenstich gesetzt und 2019 der dritte und letzte Teilabschnitt der Westumgehung in Pinneberg eingeweiht.

Doch es gibt noch weitere Gründe für die Verteuerung. Unvorhersehbare und teilweise geänderte Umstände im Baufeld – zum Beispiel Bodenverhältnisse, unbekannte Leitungen und die mangelhafte Bausubstanz – werden als weiterer Kostentreiber von der Verwaltung genannt. Außerdem sei ein erhöhter Bedarf an Verkehrssicherung festgestellt worden. Des Weiteren habe es aufgrund der Baupreisentwicklung von der Kostenschätzung abweichende Ausschreibungsergebnisse gegeben. Auch die Verlängerung der Bauzeit habe zur Verteuerung beigetragen. Die zusätzlichen Kosten muss die Stadt übernehmen.

„Zufrieden kann man damit nicht sein“, sagt Carl-Eric Pudor (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung. Aber die Straße sei notwendig gewesen und entlaste die Mühlenstraße und die Elmshorner Straße. Auf der Elmshorner Straße gebe es keine Staus mehr, so dass die Autos auch weniger Kraftstoff verbrauchen würden, was der Umwelt zugute komme.

„Es gibt viele Faktoren, die zu der Verteuerung geführt haben“, sagt Gerhard Thomssen (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung. Einer davon sei der Zeitfaktor: So hätten die rechtlichen Auseinandersetzungen zu einer Verzögerung geführt. Von der ersten Kostenrechnung 2011 bis zur Abschlussrechnung seien neun Jahre ins Land gegangen. Überdies habe es neue Rahmenbedingungen im Baurecht gegeben. „Als die Bauarbeiten begonnen haben, gab es einen Bauboom. Alles wurde teurer“, sagt Thomssen. Der SPD-Ratsherr betont aber auch: „Die Westumgehung ist ein Segen für Pinneberg.“ Und führt aus: „Ich bin überrascht, wie stark der Verkehr auf der Berliner Straße und in anderen Bereichen zurückgegangen ist.“

FDP-Fraktionschef Werner Mende sagt: „Im Prinzip habe ich damit gerechnet. Alle Bauprojekte werden teurer.“ Aber die Westumgehung sei notwendig. „Man kann sich heute gar nicht vorstellen, wie wir ohne sie ausgekommen sind“, sagt Mende.

„Ich bin entsetzt“, sagt Manfred Stache (Grüne und Unabhängige). Der Ratsherr hatte schon im Vorfeld vermutet, dass die Westumgehung teurer werden würde als die jüngsten Schätzungen. Jetzt hat Stache es schwarz auf weiß, aber: „Ich möchte erst den Dienstag abwarten. Es kommt darauf an, was dazu gesagt wird, wie die Kosten entstanden sind.“



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