Werner Nöfer: Die analoge Geburt der digitalen Ästhetik

Werner Nöfer (von links) , Sammler Dr. Dr. Peter Fahrenkrug und Marianne Gehrke vom Offenen Atelier Quickborn führte das  Publikum mit einer Werkvorstellung ein.
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Werner Nöfer (von links) , Sammler Dr. Dr. Peter Fahrenkrug und Marianne Gehrke vom Offenen Atelier Quickborn führte das Publikum mit einer Werkvorstellung ein.

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11. Juli 2014, 10:55 Uhr

Als Seismographen unserer Gesellschaft bezeichnet der Kunsthistoriker Uwe Fleckner Künstler. Mit Werner Nöfer zeigt das Offene Atelier Quickborn nun einen kraftvollen dieser Seismographen. Die Werkschau aus dem Fundus des Norderstedter Sammlers Dr. Dr. Peter Fahrenkrug bietet einen Blick auf ein Werk von internationalem Rang, das als einer der bedeutendsten deutschen Beiträge zur Pop Art gehandelt wird.

Nöfers Künstlergeneration spürte früh, dass sich die Gesellschaft mit der Technisierung radikal ändern würde. Nöfer befasste sich kritisch mit den Konsequenzen einer vermessenen, mit technischen Mitteln kontrollierten Welt. Sein stark schematischer Blick durch technische Optiken, aus Flugzeugfenstern und auf Messgeräte führen die Beklemmung einer reduzierten Maschinenwelt drastisch vor Augen.

Die Grafik der Pop Art Nöfers und anderer Künstler ist inzwischen von der digitalen Welt übernommen worden, die sich über die Bildschirme von Laptops und Smartphones zunehmend vor unsere Wahrnehmung schiebt: Die ikonischen Siebdrucke und Wallpaintings Nöfers waren die analoge Geburt der digitalen Ästhetik. Es ist die Grafik der Buttons, Apps und Hintergründe der digitalen Bedienoberflächen.

Für die Essenz dieser Welt und für alles, was unter ihrer Oberflächen ist, hat jedoch Nöfer mit seinem prophetisch frühen, seismographisch feinen Gespür Recht behalten: Sie hat sich zu einer Anti-Utopie entwickelt, derer wir uns durch die Sammelwut von Google und NSA gerade erst bewusst werden. Die Maschinen, die sich dieser Ästhetik bedienen, spähen aus, kontrollieren und manipulieren Wahrnehmung und prägen die Sicht der Welt nach ihren Maßstäben um.

Nöfers Auseinandersetzung damit ist ein Werk, dessen Aktualität immer bezwingend sein wird. Die Ausstellung ist heute noch von 12 bis 18 Uhr im Offenen Atelier Quickborn, Kieler Straße 149, zu sehen.

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