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Kreis Pinneberg : Wer wird „Mensch des Jahres 2014“?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sechs Kandidaten aus dem Kreis Pinneberg stehen zur Wahl. Der Regionalgewinner nimmt dann an dem landesweitem Entscheid des sh:z teil.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Es ist kein Orden damit verbunden. Und auch kein finanzieller Vorteil. Aber es ist eine Anerkennung, ein Lob: der Titel „Mensch des Jahres“, den der A. Beig-Verlag und der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) mit Beteiligung ihrer Leser vergeben. Er will „Helden des Alltags“ vorstellen, die oft im Verborgenen wirken. Die Zeit und Geld für andere opfern. Die Zivilcourage beweisen.

Im Kreis Pinneberg haben die Zeitungstitel des A. Beig-Verlags sechs Kandidaten nominiert, die am Regionalentscheid teilnehmen. Die Auswahl ist den Mitarbeitern in den Redaktionen des Pinneberger Tageblatts, der Elmshorner Nachrichten, des Quickborner Tageblatts des Schenefelder Tageblatts, des Wedel-Schulauer Tageblatts und der Barmstedter Zeitung schwer gefallen. Denn oft sind die Kandidaten ein Teil eines großen Teams, das sich ehrenamtlich engagiert.

Die Leser können darüber abstimmen, wer am 1. Dezember zum „Mensch des Jahres“ im Kreis Pinneberg gekürt wird. Sie oder er wird dann in der landesweiten Wahl des sh:z vertreten sein. Die Nominierten in der Region sind Gisela Maier aus Hasloh, Willy Matzen aus Schenefeld, Helmut Fricke aus Moorrege, Mireille-Christin Rehmann aus Klein Waabs im Kreis Rendsburg-Eckernförde (vorher Ellerhoop), Nicole Jung aus Elmshorn und Rolf-Oliver Hertling aus Halstenbek.

Gisela Maier: Seit 15 Jahren sucht Maier mit einer Gruppe von Hobbyforschern nach Spuren. Nach Spuren zur Geschichte des Henri-Goldstein-Hauses im Himmelmoor. Dort waren im Zweiten Weltkrieg jüdische Kriegsgefangene interniert. Der Klinkerbau gehört dem Land Schleswig-Holstein und ist bis 2020 an das Torfwerk Hornung verpachtet. Maier und ihr Team kämpfen dafür, dass das nach dem jüdischen Gefangenen Henri Goldstein benannte Haus auch nach 2020 in Staatsbesitz bleibt und zur Gedenkstätte wird. Bisher ist es nicht öffentlich zugänglich. „Das Thema hat mich vor 15 Jahren elektrisiert. Ich hatte vorher noch nichts von den jüdischen Kriegsgefangenen gehört“, sagt Maier.

Willy Matzen: „Der Trubel hält mich jung“, sagt Matzen. Seit 15 Jahren bietet er im Schenefelder Quartier Krähenhorst einen Treffpunkt für Kinder an – den Kräla-Treff. 1994 wurden im Krähenhorst 150 Wohnungen gebaut, davon 99 als Sozialwohnungen. Dort zogen auch Else und Willy Matzen mit ihrem Sohn ein. Allerdings brachte die Stadt in den Wohnungen damals auch „schwierige“ Menschen unter, wie Matzen es ausdrückt. Er habe Spritzen von Drogenabhängigen im Sandkasten gefunden.

Nachbarn aus 30 Nationen

Doch die Nachbarschaft, in der heute etwa 30 Nationen vertreten sind, wuchs mit den Jahren zu einer engen Gemeinschaft. Und das ist auch das Verdienst von Matzen und seiner Frau. Im Kräla-Treff, den sie betreuen, können die Kinder malen, basteln und eine eigene Zeitung erstellen. Außerdem organisieren die Matzens Grillfeste und Ausflüge. Und wenn die Kinder der Nachbarschaft zusammen spielen, kommen auch die Erwachsenen schnell in Kontakt.

Helmut Fricke: Jäger töten Tiere und haben mit Naturschutz nichts am Hut? Gegen dieses Vorurteil kämpft Fricke indem er etwa im Haseldorfer Elbmarschenhaus Ausstellungen organisiert und Grundschulkindern die Themen Jagd und Natur näher bringt. Da es in der heutigen Kulturlandschaft kein natürliches Gleichgewicht zwischen den Tierarten mehr gibt, müssen die Jäger eingreifen, ist Fricke überzeugt.

„Die Besucher lernen vor allem über das Sehen. Sie lesen eher selten die Erläuterungstexte“, so Fricke. Deswegen entwirft er mit seinen Kollegen sogenannte Diaramen. Das sind Modelle mit echten Pflanzen und ausgestopften Tieren, die das Aussehen der Lebensräume sehr anschaulich machen.

Mireille-Christin Rehmann: In diesem Frühjahr haben der MTV Ellerhoop und die Freiwillige Feuerwehr Ellerhoop den ersten MS-Lauf in der Gemeinde veranstaltet. Initiatorin war Mireille-Christin Rehmann. Die junge Frau hat 2013 selbst die Diagnose erhalten, an Multipler Sklerose (MS) zu leiden. Mit dem MS-Lauf hat sie Spenden für die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Schleswig-Holstein gesammelt. Die Gesellschaft unterstützt Betroffene. Die Aktion wurde ein großer Erfolg. Insgesamt 200 Läufer gingen an den Start. 4500 Euro Spenden kamen zusammen.

Nicole Jung: Die Erinnerungen an den Abend des 21. Juni sind noch da: „Ich habe den Alarm gehört. Hier sind ständig Feuerwehrautos vorbeigefahren“, sagt Jung. Damals brannte ein Hochhaus an der Elmshorner Beethovenstraße. Niemand kam ums Leben – aber mehr als 160 Menschen verloren ihre Wohnungen, ihr ganzes Hab und Gut.

Jung organisierte mit vielen anderen Helfern eine zentrale Spendensammelstelle. Etwa fünf Wochen lang verteilten sie Kleidung, Lebensmittel und Möbel an die Betroffenen. Dafür hatte sie im sozialen Netzwerk Facebook die Gruppe „Hilfe für die Beethovenstraße“ gegründet. Dort koordinierten die Freiwilligen Hilfslieferungen, an denen sich viele Elmshorner beteiligten.

Rolf-Oliver Hertling: Nazihetze im Internet. Und das direkt neben dem Firmenlogo des Logistikers. Was Unternehmenschef Hertling im Frühjahr entdeckte, war ein Schock. Es waren seine Mitarbeiter, welche die Hassparolen verbreitet hatten. Außerdem informierten anonyme Absender, hinter denen Hertling zwei Konkurrenten vermutet, sämtliche seiner Kunden, um ihn zu denunzieren. Hertling reagierte und beendete die Zusammenarbeit mit den Subunternehmen, die vier der Rechtsextremisten beschäftigten. Außerdem kündigte er einem weiteren Mitarbeiter, der direkt bei Hertling arbeitete.

In der Rubrik „Thema der Woche“ veröffentlicht diese Zeitung während der kommenden Tage eine Serie von Portraits aller Kandidaten. Los geht’s am Montag mit Hertling, am Dienstag wird Maier näher vorgestellt. Am Mittwoch folgt Matzen, am Donnerstag Fricke, am Freitag Rehmann und am Sonnabend schließlich die Elmshornerin Jung.

Und so können Sie mit abstimmen

Wer von ihnen der „Mensch des Jahres 2014“ im Kreis Pinneberg wird, liegt nun in Ihrer Hand. Sie können sich auf drei Weisen an der Aktion  beteiligen: Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Mensch des Jahres 2014“ an service@a-beig.de. Alternativ können Sie für Ihren „Mensch des Jahres“ auch bis einschließlich 23. November anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz kostet es mehr). Oder Sie senden eine SMS mit dem Inhalt „shz beig“ und der zweistelligen Kandidatennummer an die 42020 (Kosten sind tarifabhängig). Wir stellen Ihnen alle Nominierten im der nächsten Woche auch noch einmal ausführlich vor.

  • Montag, 20. Oktober Rolf-Oliver Hertling (01375-80401237-01)
  • Dienstag, 21. Oktober Gisela Maier (01375-80401237-02)
  • Mittwoch, 22. Oktober Willy Matzen (01375-80401237-03)
  • Donnerstag, 23. Oktober Helmut Fricke (01375-80401237-04)
  • Freitag, 24. Oktober Mireille-Christin Rehmann (01375-80401237-05)
  • Sonnabend, 25. Oktober Nicole Jung (01375-80401237-06)
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