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Pinneberger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 18:38 Uhr

Des Pudels Kern : Wer ist hier der Boss?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Unser Redakteur Christian Brameshuber ist der Chef, von dem Hunde träumen - nur sein Pudel will davon nichts wissen.

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 16:00 Uhr

Der Hund ist das letzte Glied im Rudel. Das gefällt mir. Damit rücke ich im Familien-Clan automatisch eine Position nach oben. Ich muss Chefpunkte sammeln, damit Unja die rote Pudel-Laterne akzeptiert, nicht nach Höherem strebt. Kein Problem. Soziale Kompetenz, Führungsstärke, Entscheidungsfreude, geballtes Wissen: Ich bin der Chef, von dem nicht nur Hunde träumen.

Doch mein Punktekonto verharrt auch nach Wochen noch im einstelligen Bereich. Dieser Hund klaut, beißt, bellt, springt wie ein Flummi, zerknabbert und zerkratzt alles, was er zwischen Pfoten und Zähne kriegt. Ich verfolge das Tier beharrlich durchs Haus – laut, leise, böse und zärtlich Nein-Rufend. 10 000 Mal.

Nein! Ich habe schon bei meinen beiden Kindern nicht kapiert, was an diesem einfachen Wort nicht zu verstehen ist. Aber ich gebe nicht auf. Ich stampfe mit den Füßen. Ich schmeiße dem Hund eine mit Schrauben gefüllte Schachtel vor die Füße. Ja, ich kneife ihn sogar. Alles erlaubt, sagt der Hundetrainer. Der Erfolg – gleich Null. Als ich den Hund frustriert in seine Box stecke, ernte ich nur mitleidige Blicke meiner Familie. Verdammt, die haben Recht. Ein guter Boss darf seinen Problem-Hund nicht einfach wegsperren. Das ist zu billig.

Mein Chef-Problem: In der Hundeerziehung gibt es keine schwarze Pädagogik. Ich kann diesem Tier nicht mit Fernseh-Verbot drohen. Computerspiele verbieten. Hausarrest verordnen. Nein, wenn dieser Pudel mal hört, muss ich ihn auch noch mit feinsten Leckerlis belohnen. Ihn in den Hunde-Himmel loben.

Die Folgen meines Chef-Versagens sind fatal. Völliger Kontrollverlust. Unja flitzt durch die Hecke einer Joggerin hinterher. Ich stehe hilflos „Hier-brüllend“ am Gartentor und drücke der jungen Dame beide Daumen. Selbst Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, könnte diesen hakenschlagenden Power-Pudel nicht einfangen. Gegen dieses Tier ist der Duracell-Hase eine echte Lachnummer.

Entscheidung: Ein Maschendrahtzaun soll den ungehorsamen Pudel bändigen. Die Masche ist 16,5 mal zehn Zentimeter groß. Dieser Hund geht da durch wie eine Schere durch Papier – diesmal, um mit seinem Kumpel Drops zu spielen.

Das Rufen habe ich längst aufgegeben. Meine Stimme ist heiser. Ich denke spontan über Stacheldraht, eine Mauer oder einen Wassergraben nach. Ich stürze mich auf die Fachliteratur. Ich habe doch einen Pudel, einen Schoßhund, keinen Jagd-, Wach- und Kampfhund, oder?

Das Schlimmste: Wenn er hört, dann auf meine Frau. Die Eifersucht nagt an mir. Ist Nicole der bessere Boss? Undenkbar! Ich unterziehe meine Chef-Qualitäten einer erneuten kritischen Überprüfung. Ergebnis: Ich bin wohl doch eher ein Indianer, kein Häuptling!
■ Kontakt: brh@a-beig.de

In der nächsten Woche lesen Sie: „Das Leben der anderen“

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