zur Navigation springen

Körperverletzung mit Todesfolge : Wer hat zugestochen?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein 48 Jahre alter Uetersener soll seine Lebensgefährtin aus Elmshorn so schwer verletzt haben, dass sie an den Folgen gestorben ist. In dem Prozess am Landgericht Itzehoe sagten am Montag Sachverständige aus.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 17:39 Uhr

Itzehoe/Elmshorn/Uetersen | Gewissheit brachte auch der dritte Verhandlungstag vor dem Landgericht Itzehoe im Prozess gegen einen 48 Jahre alten Uetersener nicht: Hat sich die 51-jährige Lebensgefährtin des Mannes die Stichverletzung, die Anfang Juni dieses Jahres zu ihrem Tod führte, selbst zugefügt oder war es Fremdeinwirkung? Um diese Frage zu klären, sagten gestern unter anderem zwei Sachverständige aus. Tenor: Beide Varianten sind möglich.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni soll die Frau in ihrer Elmshorner Wohnung  gestorben sein − laut Staatsanwaltschaft nachdem ihr Lebensgefährte sie mit einem Küchenmesser angegriffen hatte. Körperverletzung mit Todesfolge lautet der Vorwurf. Entdeckt wurde die Leiche allerdings erst elf Tage später: Der Angeklagte soll sich  während eines Krankenhausaufenthalts zwei Schwestern offenbart haben. 

Rechtsmedizinerin Daniela Fröb war am 15. Juni, dem Tag an dem Polizeibeamte die Leiche in der Wohnung gefunden hatten, vor Ort.  Der Leichnam habe in Rückenlage auf dem Sofa gelegen und Fäulnisveränderngen aufgewiesen. Die elf Tage sogenannte Liegezeit seit dem Tod würden passen, so die Expertin, die zudem auch die Obduktion der Leiche vorgenommen hat. Zahlreiche Verletzungen habe sie dabei festgestellt: Darunter Hämatome sowie mehrere Rippenbrüche. Zum Tod der 51-Jährigen habe jedoch eine bis zu zehn Zentimeter tiefe Stichwunde im linken Oberbauch der Frau geführt, in deren Folge mehr als ein Liter Blut in das Körperinnere eintrat. Doch wer zugestochen hat, konnte auch Fröb nicht mit Sicherheit sagen. „Ich kann weder eine Selbstbeibringung noch eine Fremdeinwirkung ausschließen.“ Für beide Möglichkeiten gebe es Anhaltspunkte. So würde etwa das Fehlen von Abwehrverletzungen und die Tatsache, dass es sich um eine einzelne Wunde handele, die sich zudem auf der linken Körperseite befinde, für eine selbst zugefügte Verletzung sprechen. Untypisch dafür sei allerdings die tiefe der Wunde. Für ein Fremdeinwirken sprechen laut Fröbe, dass die 51-Jährige noch Kleidung an hatte sowie die Spuren am Messer.

Die mutmaßliche Tatwaffe hat ein Kieler LKA-Beamter analysiert. „Auf dem Messer befand sich eine Handflächenspur. Sie stammt vom Opfer“, gab der Experte zu Protokoll. Und weiter: „Es gibt mehrere Varianten, wie die Spur entstanden sein kann.“ Eine Selbstverletzung und ein Fremdeinwirken seien dabei gleichermaßen denkbar.

Einblicke in die Verhältnisse in denen das Paar in den vergangenen Jahren lebte sowie den Zustand der Beziehung, konnten Nachbarn geben, die gestern als Zeugen aussagten. „Er hat Stress gemacht, von Anfang an“, beschrieb ein 33-Jähriger den Angeklagten. Beide seien häufig alkoholisiert gewesen, der 48-Jährige zudem sehr aggressiv. Es habe regelmäßig Krach, Geschrei und Streit gegeben. Ob kaputte Nase, Veilchen oder blutige Lippe − das Opfer habe er immer wieder mit Verletzungen angetroffen, so der Nachbar. „Ich habe eine Tragödie befürchtet.“

Der Prozess wird am 5.Januar fortgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen