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Pinneberger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 23:59 Uhr

"Wer hat von wem abgemalt?"

vom

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Die Bilder passen hervorragend in die Gartensäle der Drostei. Betritt man die barocken Räume, schlagen einem Farbigkeit, Kreativität und vor allen Dingen die fröhliche Ausstrahlung der Arbeiten mit einer positiven Wucht entgegen, die die Stimmung eines jeden aufhellen lässt. Vorgestern Abend war Vernissage der Ausstellung "Wir und die ganz Großen", die die neuesten Werke der integrativen Bezalel-Kunstwerkstatt zeigt. Und in den Gesichtern aller Vernissagebesucher war dieser positive Gefühlskick deutlich abzulesen.

Große Meister neu interpretiert, lautete das Thema, das Rosa und Wolfgang Hipp ihren vierzehn behinderten und nichtbehinderten Kunstschülern als Aufgabe gestellt hatten. Die Ergebnisse sind ein Who is Who der Kunstgeschichte: Chagall, Picasso, Rizzi, Miro, Kandinsky, Schiele oder Klee - sofort zu erkennen, aber gleichzeitig auch ganz anders. Eigen, besonders und originell. Naiver natürlich, aber gnadenlos farbenfroh und phantasievoll.

Nicht selten stechen sie sogar ihr Original aus, befand Lutz Philippeit, Schulleiter der Raboisenschule, in seiner kurzen Ansprache: "Wer hat von wem abgemalt? Manchmal erscheinen mir diese Bilder hier als viel toller, das sagt jedenfalls mein volkstümlicher Geschmack", bekannte er. Auch Drosteileiterin Stefanie Fricke zeigte sich vom kreativ-künstlerischen Potenzial der Werke beeindruckt: "Das darf man nicht unter den Scheffel stellen." Sie habe, so erklärte sie, nicht überlegen müssen ob, sondern lediglich wann sie die Bilder in den Gartensälen ausstellt. Im Gespräch nach den offiziellen Reden legte Fricke noch nach: "Das geht weit weg vom Werkstattgedanken. Es ist Kunst", urteilte die Fachfrau.

Wolfgang und Rosa Hipp stellten ihren Kunstwerkstatt-Schülern anhand von Drucken und Katalogen bekannte Meisterwerke vor, aus denen die Schüler dann selbst auswählten, welches sie umsetzen wollten. Zuerst fertigten diese dann eine Buntstiftzeichnung an, die per Overhead auf Sperrholz übertragen wurde. Jetzt ging es ans Aussägen und Schmirgeln, bei dem jeder jedem half. "Die Stärke des einen gleicht die Schwäche des anderen aus", so das Motto der Gruppe. Die Gestaltungshoheit blieb jedoch stets beim Zeichner. Die Idee von Wolfgang Hipp, schwarze Stege stehen zu lassen und die einzelnen farbigen Holzpuzzleteile später wieder einzusetzen, macht den besonderen Charme der Arbeiten aus. Das Zweidimensionale wird durchbrochen, Unregelmäßigkeiten im Steg geben Lebendigkeit und Dynamik. "Die Freude der Bilder soll sich übertragen" wünschte Kreistagspräsident Burkhard E. Thiemann in seinem Grußwort.

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